Klimaerwärmung Wirbelstürme werden immer heftiger

Tropische Wirbelstürme sind in den vergangenen 30 Jahren um bis zu 50 Prozent stärker geworden, wie eine Analyse von Messdaten der letzten Jahrzehnte jetzt ergab. Die Intensität der Stürme wird demnach wegen der Klimaerwärmung künftig weiter steigen.


Hurrikan Emily (Satellitenaufnahme): Durchmesser von bis zu 500 Kilometer
REUTERS

Hurrikan Emily (Satellitenaufnahme): Durchmesser von bis zu 500 Kilometer

Sie tragen harmlose Namen wie Joan, Mitch oder Emily. Doch sie reißen Tausende Menschen in den Tod und machen Abertausende obdachlos: Tropische Wirbelstürme, die mit Geschwindigkeiten bis zu 300 Kilometern pro Stunde meist im Spätsommer über Land und Meer fegen, bilden sich bevorzugt auf der Nordhalbkugel, etwa über dem Nordatlantik, dem Karibischen Meer oder dem Golf von Mexiko. Die Oberflächentemperatur des Wassers muss dabei mindestens 26 Grad Celsius betragen, damit die gewaltigen Tiefdruckwirbel durch die extreme Verdunstung entstehen.

Der US-Forscher Kerry Emanuel vom Massachussets Institute of Technology (MIT) hat nun berechnet, dass die Intensität der Wirbelstürme in den vergangenen drei Jahrzehnten stetig zugenommen hat. Bislang hätten sich die Untersuchungen der Klimadaten auf die Häufigkeit der tropischen Naturkatastrophen konzentriert, schreibt Emanuel im Fachmagazin "Nature". Dabei konnte jedoch bisher kein eindeutiger Trend ermittelt werden. Überhaupt sei das der falsche Ansatz: Die Häufigkeit der Stürme sei laut Emanuel kein geeignetes Maß für die Gefahr, die von ihnen ausginge. Diese hänge vielmehr von der Intensität ab - also von der Windstärke, der Ausdehnung und der Dauer eines Sturms.

Stetig stärker: Die Entwicklung der Sturmintensität in den vergangenen 50 Jahren
Nature/Kerry Emanuel

Stetig stärker: Die Entwicklung der Sturmintensität in den vergangenen 50 Jahren

Tropische Wirbelstürme können einen Durchmesser von bis zu 500 Kilometern erreichen. Im Zentrum, dem sogenannten Auge, ist es jedoch windstill. Um diesen bis zu 50 Kilometer großen Kern rotieren die Luftmassen mit all ihrer Verwüstungskraft: Große tropische Wirbelstürme können bis zu 3,6 Millionen Tonnen Luft bewegen. Emanuel hat nun eine Formel entwickelt, mit der er das Zerstörungspotential vergangener Stürme berechnen kann. Die Formel berücksichtigt die Ausdehnung, die Windgeschwindigkeit, den Radius und die Dauer des Wirbelsturms.

Das Ergebnis der Analyse war eindeutig: Die Energiemenge, die von tropischen Wirbelstürmen im Nordatlantik und Südpazifik freigesetzt wird, hat seit den siebziger Jahren deutlich zugenommen. Die Windgeschwindigkeit und die Sturmdauer hätten sich durchschnittlich um 20 Prozent gesteigert, schreibt Emanuel.

Die größere Energie der Wirbelstürme und die Erwärmung der tropischen Ozeane verliefen parallel, erklärte der Klimatologe. Das Aufheizen der Meere sei wiederum auf die globale Erderwärmung zurückzuführen. Emanuel erwartet deshalb, dass eine weitere Erwärmung in Zukunft auch die Zerstörungskraft tropischer Wirbelstürme noch erhöhen wird.



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