Abschluss der Uno-Konferenz in Bonn Klimaschutz muss endlich profitabel werden

Die Mühlen der Klimadiplomatie mahlen langsam - womöglich zu langsam für die vom Klimawandel bedrohte Erde. Entschlossene Investitionen in grüne Technologien könnten die Lösung sein.

Pavillon auf Klimakonferenz in Bonn
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Pavillon auf Klimakonferenz in Bonn

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Zwei Wochen haben die Klimadiplomaten in Bonn getagt. Die Stimmung sei gut gewesen, heißt es. Man sei zügig vorangekommen bei der Festlegung der Regularien, denen sich die Weltgemeinschaft künftig in Sachen Klimaschutz unterwerfen will. Beim nächsten Gipfel in einem Jahr im polnischen Kattowitz sollen die Vorgaben vertraglich fixiert werden.

Der Bonner Gipfel sorgte für neuen Schwung in Sachen Kohleausstieg: 18 Länder verkündeten ihren Verzicht auf die besonders CO2-intensive Kohleenergie. Zudem erklärte Syrien in Bonn den Beitritt zum Pariser Klimavertrag. Damit sind alle Länder der Erde dabei - bis auf die USA, die den Vertrag wieder gekündigt haben.

Doch die zwei Wochen von Bonn haben einmal mehr gezeigt: Die Mühlen der Klimadiplomatie mahlen langsam - womöglich zu langsam für das, was in den kommenden Jahren mit der Erde geschieht.

Wollte die Menschheit das in Paris formulierte Ziel von möglichst nur 1,5 Grad Erderwärmung erreichen, müssten die Emissionen wohl in den nächsten 20, 30 Jahren auf null sinken. Nur mit einer baldigen Trendwende beim CO2-Ausstoß ist das zu schaffen, glauben Klimaforscher.

Aber die ist leider nicht in Sicht. Im Gegenteil: In diesem Jahr werden die weltweiten Emissionen wohl um etwa zwei Prozent gegenüber 2016 steigen. Das widerspricht übrigens nicht dem Pariser Klimavertrag, der erst ab 2020 gilt. Dieser enthält nur freiwillige Selbstverpflichtungen der Staaten und keine Sanktionsmechanismen, falls diese nicht eingehalten werden.

Die Diplomaten kennen das Problem natürlich und versuchen gegenzusteuern. Stichwort: "Pre-2020 Ambition". Dabei geht es um Minderungsbeiträge der Industrieländer vor dem Inkrafttreten des Pariser Abkommens. Tatsächlich sind viele Schwellenländer unzufrieden, dass sich die reichen Staaten derzeit kaum bewegen.

Nicht warten, bis der Weltklimavertrag wirksam wird

Aber in Paris und nun auch in Bonn zeigte sich ein unheilvolles Muster: Politiker bekennen sich gern und laut zum Klimaschutz, solange es kaum etwas kostet. So wie Frankreichs Präsident Macron, der in Bonn den Kohleausstieg seines Landes bis 2021 versprach. Das Land erzeugt indes gerade mal fünf Prozent des Stroms aus Kohle. Entsprechend leicht fällt Macron die Ankündigung.

Und auch das gefeierte Pariser Bekenntnis zum 1,5-Grad-Ziel ist wohlfeil, wenn Länder zugleich Schritte zur Dekarbonisierung ablehnen, weil sie heimische Industriebranchen bedroht sehen.

Wie könnte die Lösung aussehen? Ambitionierte Staaten und Regionen sollten nicht warten, bis der Weltklimavertrag wirksam wird. Europa zum Beispiel könnte vorangehen und endlich die technologischen Probleme lösen, die einer Dekarbonisierung noch entgegenstehen. Zum Beispiel günstige Stromspeicher entwickeln, die im Zusammenspiel mit erneuerbaren Energien eine CO2-freie Stromproduktion ermöglichen.

Vorbild dafür könnte die Wirkung der Ökostromzulage in Deutschland sein. Sie war es, die einen Massenmarkt für Wind- und Solarenergie schuf. Plötzlich gab es einen Wettbewerb unter Entwicklern und Herstellern - und heute ist der Strom aus einem Solarpanel billiger als der vom Energiekonzern.

Den Preis für die hohen Investitions- und Entwicklungskosten bezahlen wir deutschen Stromkunden jeden Monat über die Zulage. Das ist ungerecht, denn es profitiert ja die ganze Welt davon, dass Ökostrom nun wettbewerbsfähig ist. Aber wer sonst, wenn nicht die vergleichsweise wohlhabenden Länder, soll die Kosten schultern?

Etwas Ähnliches muss auch bei Stromspeichern und der Elektromobilität gelingen. Denn der Schlüssel für Erfolge beim Klimaschutz sind nicht Sonntagsreden von Politikern und wahrscheinlich auch nicht komplizierte Klimaverträge.

Das Ganze muss sich einfach nur rechnen.

insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
Wassup 18.11.2017
1. In der Industrie ist Klimaschutz meistens profitabel
Ich arbeite als Ingenieur in einem Industriebetrieb, bei uns bestimmen die Energiekosten einen Großteil der Fertigungskosten. Wir brauchen keine Umweltvorschriften im ökologisch zu sein: Um billiger wie der Wettbewerb zu sein haben wir riesige Abteilungen mit Ingenieuren, welche die Energie-Kosten senken sollen. Jeder Euro, der an Energiekosten gespart wird - ist Gewinn. Da braucht es keine Diplomaten, keine Grünen, einfach nur Wettbewerb. Die Welt wird durch den Energie-Spar-Wettbewerb gerettet - nicht durch das Geschwätz von Politikern.
wut62 18.11.2017
2. Nein, ich bezweifele
,dass die Menschheit in der Lage ist, die Erde zu retten, solange die Weltbevölkerung weiter wächst. Es wird ein Kampf um Ressourcen und Überleben werden, und keiner wird es verhindern können. Wenn doch, müssen wir Antworten finden, wie wir die Weltbevölkerung in den Griff bekommen können.
jj2005 18.11.2017
3. Das Ganze muss sich einfach nur rechnen.
Schönes Schlusswort, Herr Dambeck! Dann ist es auch nicht mehr so weit bis zur schlichten Feststellung, dass es beim stetigen leichten Zuwachs an CO2-Emissionen bleiben wird, solange es sich NICHT rechnet. Und das tut es nicht bei den derzeit niedrigen Energiepreisen bei gleichzeitig steigendem Bruttosozialprodukt. Sorry, aber alle Klimagipfel bleiben Augenwischerei, solange die Staatschefs das Preisgefüge nicht antasten. Ohne Energiesteuern, und zwar drastische, kann das Klima nicht gerettet werden; und wer anderes behauptet, der lügt. Die Ökonomen sind sich grossenteils einig, dass Energiesteuern positive Auswirkungen auf die Wirtschaft haben, denn Mehreinnahmen kann man nutzen, um a) andere Steuern zu senken und/oder b) allen Bürgern ein bedingungsloses Grundeinkommen zu finanzieren (was ja bekanntlich die Nachfrage stärkt). Trotzdem löst der Vorschlag natürlich die üblichen wüsten Beschimpfungen seitens der Vielfahrer, Vielflieger, Steakliebhaber, Klimawandelleugner, Kernkraftfans etc aus - das muss man geduldig ertragen, und dann einfach mal durchrechnen, wer dabei wieviel verliert, und wer davon profitiert. Sicher ist jedenfalls, dass die gesamte Menschheit verliert, wenn man CO2-Emissionen NICHT drastisch besteuert.
ulrich g 18.11.2017
4. So weit so schlecht
Geht's nicht mal ohne Ideologie? Wieso soll alles grün sein? Würden wir mehr Kernenergie einsetzen wären wir das CO2 Problem in der Stromerzeugung bald los. Würden wir die nicht grundlastfähigen Erneuerbaren zur Wasserstoff Produktion nutzen wäre der Verkehr bald CO2 frei. Zusammengefasst: wenn wir ideologischen Ballast über Bord werfen könnten wir wirklich sehr schnell was für's Klima tun.
ditor 18.11.2017
5. Damit vertreten die Politiker ihr Volk
"Politiker bekennen sich gern und laut zum Klimaschutz, solange es kaum etwas kostet." Und bilden damit ab was das Volk möchte. Bekanntermaßen braucht der einzelne keine Politik um selbst mit weniger klimaschädlichen Handeln anzufangen, aber die wenigsten tun es wenn damit nennenswerte Nachteile einhergehen.
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