Klimagipfel in Cancún Mission Planeten-Rettung startet

Bei der Klimakonferenz in Cancún steht nun die heiße Phase an. Bis kommenden Freitag verhandeln Umweltminister aus aller Welt über ein neues Klimaabkommen. Bis dahin müssen diverse Differenzen geklärt werden. Ein Mega-Treffen mit ungewissem Ausgang.

Werbung für erneuerbare Energien in Cancún: Endspurt bei Klimaverhandlungen
AFP

Werbung für erneuerbare Energien in Cancún: Endspurt bei Klimaverhandlungen


Cancún - Im mexikanischen Küstenort Cancún trifft sich die hohe Politik. Die ersten der insgesamt 200 erwarteten Umweltminister aus aller Welt sind am Sonntag zum Finale der Uno-Weltklimakonferenz angereist. Sie sollen am kommenden Freitag ein Abkommen für den Klimaschutz unterzeichnen - wenn alles gut geht. Zweifel an einem Gelingen dieser Mission sind aber durchaus berechtigt. So trübt ein Streit zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern um ein Kyoto-Nachfolgeabkommen die Klimaverhandlungen im mexikanischen Cancún. Die beiden größten Umweltsünder, die USA und China, beschäftigen sich derweil damit, sich gegenseitig den Schwarzen Peter zuzuschieben.

Was für eine gewaltige Aufgabe vor den Ministern liegt, zeigt schon ein Blick auf ihre Arbeitsgrundlage, das zweiseitige Papier "Gemeinsame Vision". Der Text war in der vergangenen Woche von Vertretern der 194 am Klimagipfel teilnehmenden Nationen erstellt worden und soll festhalten welche Ziele die Teilnehmer erreichen wollen. Nur 170 der darin geschriebenen 1300 Wörter sind nicht umstritten. Dabei soll der Gipfel in Mexiko eigentlich gerade jene Scharten auswetzen, die das Treffen 2009 in Kopenhagen hinterlassen hatte, die Teilnehmerländer endlich einen.

Die Verhandlungen um ein neues Klimaabkommen waren damals unter anderem an dem Konflikt zwischen den USA und China gescheitert. Beide Staaten werfen sich gegenseitig vor, den Kampf gegen die Erderwärmung zu vernachlässigen und zu wenig gegen den Ausstoß von klimaschädlichen Kohlendioxid (CO2) zu unternehmen. Die USA haben das Kyoto-Protokoll von 1997 nie unterzeichnet.

Und doch hat es mittlerweile Fortschritte gegeben. Bereits am Dienstag erklärte der US-Chefunterhändler Jonathan Pershing, die USA und China hätten nunmehr einige Differenzen überwunden. Er sei optimistisch, dass es in Cancún Vereinbarungen in mehreren wichtigen Fragen geben werde. Details darüber, in welchen Punkten man sich einig geworden sein, teilte er nicht mit.

Kritik an Krediten

Mit einer Jubelmeldung machte auch der brasilianische Präsident auf sein Land aufmerksam. Ein zum Schutz des Regenwalds eingeführtes Satelliten-Überwachungssystem zeige erste Erfolge, im vergangenen Jahr seien so wenige Bäume abgeholzt worden, wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Grund zur Beruhigung geben aber auch diese Zahlen nicht. Zwischen August 2009 und Juli 2010 wurden trotz Satellitenüberwachung rund 6450 Quadratkilometer Regenwald vernichtet, was in etwa der siebenfachen Fläche Berlins entspricht.

Die EU musste Kritik für ihre Ankündigung einstecken, bis 2012 7,2 Milliarden Euro, meist in Form zinsgünstiger Kredite, an Entwicklungsländer auszuzahlen. Die Entwicklungshilfeorganisation Oxfam kritisierte: "Die Entwicklungszusammenarbeit zeigt ja gerade, dass Kredite die Länder eben doch wieder tiefer in die Schulden treiben können - zum Beispiel, wenn anfängliche Erwartungen sich nicht realisieren lassen." Zudem sei ein Großteil des in Kopenhagen zugesagten Geldes von Deutschland, aber auch von anderen Staaten schon zuvor versprochen worden, etwa im Rahmen der Entwicklungshilfe oder zum Schutz der Artenvielfalt in armen Ländern. Aus der Sicht von Greenpeace ist die Vergabe von Krediten generell der falsche Weg, den ärmeren Staaten zu helfen, die den Klimawandel immerhin nicht verschuldet hätten

15.000 Teilnehmer

Strittig ist auch die Frage, ob überhaupt ein neues Abkommen benötigt wird oder ob die Regelungen von Kyoto einfach beibehalten werden können. Während vor allem Entwicklungsländer wie der Jemen, Bolivien und Venezuela eine Fortführung des bestehenden Kyoto-Abkommens über 2012 hinaus fordern, streben Japan, Kanada und Russland ein neues Abkommen an, dass auch Schwellenländer wie China in die Pflicht nimmt.

"Wir benötigen ein neues, rechtskräftiges Instrument, das alle großen Emittenten einbindet", sagte der japanische Gesandte Mitsuo Sakaba am Samstag in Cancún. Mexikos Außenministerin Patricia Espinosa rief die 189 Teilnehmer-Länder zu Kompromissen auf. Einem UN-Diplomaten zufolge müsste dieser in den "Graustufen zwischen zwei Extremen" gefunden werden. Eine Aussage, die wenig Hoffnung auf substantielle Verbesserungen der weltweiten Klimapolitik macht.

Trotzdem ist die Konferenz ein Mega-Event: Insgesamt haben sich knapp 15.000 Teilnehmer angemeldet, darunter Delegierte aus 194 Ländern, Industrievertreter, Klimaschützer und Wissenschaftler. Die Verhandlungen über ein Kyoto-Nachfolgeabkommen dauern noch bis zum 10. Dezember an. Eine Entscheidung über ein solches Abkommen kann allerdings erst bei einem späteren UN-Klimatreffen gefällt werden.

mak/Reuters/dapd



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