Aus Kopenhagen berichten Markus Becker und Christoph Seidler
Röttgen versucht derzeit, den Druck auf die USA und China zu erhöhen. Eines der Mittel soll eine Allianz zwischen der EU und den Entwicklungsländern sein. Schützenhilfe kam von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy: Er sagte am Dienstag, dass es seine Übereinkunft zwischen der EU und afrikanischen Ländern über die Höhe der CO2-Reduzierung gebe - ohne allerdings konkrete Zahlen zu nennen. "Afrika und die EU sind auf derselben Linie", sagte Sarkozy nach einem Treffen mit Äthiopiens Premierminister Meles Zenawi, der die afrikanischen Staaten in Kopenhagen vertritt. Auch Zenawi sprach von einer "nahezu totalen Übereinstimmung".
Die derzeit meisten Schwierigkeiten mache die "Bewegungslosigkeit" der USA und Chinas, kritisierte Röttgen. Sie entstehe dadurch, dass die beiden Länder "nicht einen ersten Schritt machen, sondern sich einen maximalen Verhandlungsspielraum erhalten wollen für die letzten ein, zwei Tage oder vielleicht sogar die letzten Stunden". Dennoch äußerte sich Röttgen vorsichtig optimistisch: "Wir sind im Plan, am Freitag zu einem Ergebnis zu kommen."
"Wir arbeiten an der Frontlinie"
Was die Regierungen im Fall eines Scheiterns zu verantworten haben, macht die Amerikanerin Josette Sheeran im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE klar. Sie ist Chefin des Uno-Welternährungsprogramms - und berichtet darüber, wie die Mitarbeiter ihrer Organisation die desaströsen Folgen des Klimawandels auf die Ernährungslage in vielen Staaten mitbekommen. "Wir arbeiten an der Frontlinie, dort wo der Klimawandel die Menschen bereits betrifft."
Bereits jetzt wache jeder sechste Mensch auf der Erde morgens mit dem Gefühl auf, nicht zu wissen, woher die Nahrung des Tages kommen solle. "Ist die Welt vorbereitet für das Maß an Verwundbarkeit, das wir sehen?", fragt Sheeran. "Nein! Brauchen wir mehr Geld für Anpassungsmaßnahmen? Ja! Brauchen wir es umgehend? Ja!"
Die Aufgabe der nächsten Tage ist gigantisch, denn die einzelnen Interessen liegen teils extrem weit auseinander. Ölstaaten etwa bangen um ihre wirtschaftliche Zukunft, kleine Inselstaaten um ihre nackte Existenz. Und jede einzelne der 192 Regierungen, die am Klimagipfel teilnehmen, kann eine Abschlusserklärung torpedieren - dem Einstimmigkeitsprinzip sei Dank. "Das hier ist eine Uno-Konferenz", sagte die dänische Gipfelpräsidentin Connie Hedegaard. "Jeder muss allem zustimmen."
Mit Material von AFP und AP
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