Klimakatastrophe in Afrika Dürre rottete beinahe die Menschheit aus

Fast wäre es schief gegangen für den Homo sapiens sapiens. Denn eine Megadürre in Afrika raffte vor rund 100.000 Jahren die meisten unserer Vorfahren dahin. Das schließen Wissenschaftler aus Bohrungen in afrikanischen Seen.


Eine Megadürre in Afrika ließ in dem Zeitraum vor 135.000 bis 90.000 Jahren die Zahl der frühen Menschen nahezu zusammenbrechen. Das folgern Wissenschaftler um Andrew Cohen von der University of Arizona in Tucson aus Sedimentmaterial, das sich über Jahrtausende auf dem Grund des afrikanischen Malawi-Sees abgelagert hatte. Die Forscher sehen in ihren Ergebnissen eine ökologische Erklärung dafür, dass die Menschheit nur auf wenige Vorfahren zurückgeht.

Ostafrika: Bohrkerne aus drei Seen des Kontinents lieferten Beweise für die große Dürre vor rund 100.000 Jahren
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Ostafrika: Bohrkerne aus drei Seen des Kontinents lieferten Beweise für die große Dürre vor rund 100.000 Jahren

Für ihre Untersuchungen hatten die Wissenschaftler Proben aus dem Malawi-See in Südostafrika mit Sedimentmaterial aus dem zentralafrikanischen Tanganjika-See und dem westafrikanischen Bosumtwi-See verglichen. Die Proben der Sedimente gewannen die Forscher bei Bohrungen von einem Forschungsschiff aus. Vom Schiff aus, das GPS-gestützt seine Position exakt halten konnte, drangen die Bohrer bis zu 380 Meter tief in den Seeboden ein. Das Forscherteam erhielt so eine Serie von Bohrkernen, die die Klimageschichte Afrikas bis zu einer Zeit von 135.000 Jahren zurück widerspiegeln.

Ihre These von der Megadürre stützen die Wissenschaftler auf Untersuchungen der Sedimente, die in dem Zeitraum zwischen 135.000 bis 90.000 Jahren entstanden. Sie enthielten nur wenige Pollen und Holzkohle - ein Hinweis auf eine geringe Landvegetation und schwache Bewaldung, schreiben die Forscher im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Zudem fand Cohens Team in diesen Sedimentabschnitten Überreste wirbelloser Tiere und Plankton, das nur in flachen, trüben Gewässern lebt. In dieser Zeit sei der Wasserspiegel des heute 700 Meter tiefen Malawi-Sees dramatisch gefallen und habe nicht höher als 125 Meter gelegen, folgern die Forscher. Sein umgebendes Wassereinzugsgebiet war zu der Zeit eine Halbwüste.

Feuchter wurde es im tropischen Afrika erst nach und nach wieder, bis vor 60.000 Jahren die klimatischen Bedingungen dann nahezu die heutiger Zeit erreichten. In dieser Zeit muss die Zahl der frühen Menschen wieder stark angestiegen sein, wie Funde belegen. In der Folge kam es zu Auswanderungswellen aus Afrika - der moderne Mensch eroberte die Welt.

lub/ddp



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