Klimakonferenz in Cancún USA verkünden Annäherung mit China

In Cancún ringt die internationale Gemeinschaft um Vereinbarungen zum Klimaschutz. Die Schlüsselländer USA und China haben nach Angaben aus Washington Streitpunkte geklärt. US-Chefunterhändler Pershing machte Hoffnung auf erfolgreiche Abschlüsse auf der Uno-Konferenz.

Umweltschützer in Cancún: Kleine Inselstaaten drängen auf Klimaschutzabkommen
REUTERS

Umweltschützer in Cancún: Kleine Inselstaaten drängen auf Klimaschutzabkommen


Cancún - Die USA und China haben sich nach Ansicht Washingtons in ihren Positionen zum weltweiten Umweltschutz angenähert: Dies sagte US-Chefunterhändler Jonathan Pershing bei der Uno-Klimakonferenz im mexikanischen Cancún. Vertreter beider Seiten hätten in den vergangenen Monaten hart gearbeitet und verhandelt, um die Meinungsverschiedenheiten zu überwinden. Die beiden größten Treibhausgas-Emittenten hätten seit Kopenhagen einige Differenzen überwunden. "Ich habe den Eindruck, dass wir vorangekommen sind", sagte der US-Vertreter. Er sei optimistisch, dass es in Cancún Vereinbarungen in mehreren wichtigen Fragen geben werde. Konkrete Punkte, bei denen es Einigungen zwischen Peking und Washington gegeben hat, nannte Pershing nicht.

Zwischen beiden Ländern ist unter anderem strittig, wie Verpflichtungen einzelner Staaten beispielsweise zur Reduzierung der Treibhausgase kontrolliert werden können. Peking lehnt jede Kontrolle von außen bisher ab.

Klare Zeitvorgaben machte auf der Konferenz in Cancún, die am Montag begann, die Allianz Kleiner Inselstaaten (Aosis). Die Vereinigung drängte auf ein umfassendes Klimaschutzabkommen bis spätestens zur nächsten Klimakonferenz im südafrikanischen Durban 2011. "Durban ist die absolute Grenze für uns", sagte die Vizeverhandlungsführerin von Aosis, Dessima Williams aus Grenada. Hoffnung mache, so die Uno-Klimachefin Christiana Figueres, dass 2010 alle 37 Industrienationen und 42 Entwicklungsländer - darunter die größten Schwellenländer - Klimaziele auf den Tisch gelegt hätten.

Zur Klimakonferenz haben sich knapp 15.000 Teilnehmer angemeldet, darunter Delegierte aus 194 Ländern, Industrievertreter, Klimaschützer und Wissenschaftler.

Grüne fordern Strategiewechsel im Klimaschutz

Nach der gescheiterten Konferenz in Kopenhagen im vergangenen Jahr wird erwartet, dass am Ende lediglich einzelne Vereinbarungen stehen werden, zum Beispiel in den Bereichen Klimaschutz-Finanzierung, Waldschutz oder Technologietransfer. Mit einem umfassenden, rechtlich verbindlichen Abkommen rechnet kaum noch jemand.

Noch immer wird noch um ein Nachfolgeabkommen für das sogenannte Kyoto-Protokoll gerungen. 1997 verständigten sich mehr als 170 Unterzeichnerstaaten darauf, den weltweiten Kohlendioxidausstoß bis 2012 um rund fünf Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren. 192 Staaten haben das Protokoll bislang ratifiziert. Die Verpflichtungsperiode begann 2008 und läuft Ende 2012 aus. Für den Zeitraum danach gibt es keine Regelung.

Deutsche Spitzenpolitiker formulierten unterschiedliche Erwartungen an die Uno-Klimakonferenz. Während Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) bei dem Treffen vom 29. November bis 10. Dezember konkrete Fortschritte für möglich hält, wird sich nach Einschätzung der Grünen vermutlich nicht viel bewegen. Röttgen sagte dem SPIEGEL: "Bis Kopenhagen haben wir auf den Big Bang gesetzt, jetzt geht es um das Bohren dicker Bretter." Obwohl der Klimagipfel von Kopenhagen vor einem Jahr nicht die erwarteten Ergebnisse erbracht habe, gebe es Grund zu Optimismus. Man könne sich freuen, "dass der Prozess Schritt für Schritt vorankommt", sagte der CDU-Minister.

Nach den Vorstellungen Röttgens sollten in Cancún alle Vertragsstaaten das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad gegenüber vorindustriellen Zeiten zu begrenzen, offiziell akzeptieren. Ferner sollte es eine Einigung geben, wie Tropenländer entlohnt werden könnten, wenn sie ihre Regenwälder als Kohlenstoffspeicher schützten.

Die Grünen hatten die Bundesregierung zu einem Strategiewechsel aufgefordert, sie wollen eine Allianz der EU mit Entwicklungsländern."Es ist im internationalen Klimaschutz immer nur etwas passiert, wenn Europa voranging, und das hat Europa auch fast immer nur getan, wenn einzelne Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, auch vorangegangen sind", sagte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin. Ohne eine Erhöhung des Einsparziels für Treibhausgase durch die Europäische Union wird sich nach Ansicht Trittins des beim Klimaschutz in nächster Zeit nicht viel bewegen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe verhindert, dass Europa seine Klimaschutzziele erhöhe. Er fürchte, für die Klimakonferenz in Cancún sei es nun zu spät.

anr/AFP/dpa

insgesamt 4 Beiträge
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Family Man 30.11.2010
1. !
Was mich an der ganzen Sache stört ist die Vermengung von Umweltverschmutzung (Reale Gefahr) und die Theorie von der menschengemachten Klimakatastrophe (Ideologie).
Regulisssima 30.11.2010
2. Chimerica
Die Grossmachtambitionen Chinas und der USA werden sich nicht den Geboten der Vernunft und Logik unterwerfen. Und ginge der Planet darüber zugrunde.
Maschinchen, 30.11.2010
3. .
Zitat von Family ManWas mich an der ganzen Sache stört ist die Vermengung von Umweltverschmutzung (Reale Gefahr) und die Theorie von der menschengemachten Klimakatastrophe (Ideologie).
Was denn jetzt, Theorie oder Ideologie?
Jenli, 01.12.2010
4. Seltsame Annäherung
Zitat von sysopIn Cancun ringt die internationale Gemeinschaft um Vereinbarungen zum Klimaschutz - die Schlüsselländer USA und China haben nach Angaben aus Washington Streitpunkte geklärt. US-Chefunterhändler Pershing machte Hoffnung auf erfolgreiche Abschlüsse auf der Uno-Konferenz. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,731894,00.html
USA drohen mit Abzug von der Klimakonferenz: http://klimablog.blog.de/2010/12/01/cancun-usa-drohen-abzug-delegierten-10091508/
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