Klimagipfel in Doha: Vier Gründe für Hoffnung

Ist das Klima der Erde noch zu retten? Angesichts steigender CO2-Emissionen hat mancher die Hoffnung längst aufgegeben. Doch der Kampf gegen die Erderwärmung ist noch lange nicht verloren - es gibt gute Gründe, optimistisch zu sein. Ein Gastbeitrag des britischen Ministers für Energie und Klimaschutz, Ed Davey.

2-Grad-Ziel: Noch ist das Klima nicht verloren Fotos
AFP

So, wie die Dinge derzeit stehen, ist die Welt ganz offensichtlich nicht auf Kurs, die globale Klimaerwärmung unter 2 Grad Celsius zu halten, was allgemein als der Grenzwert gilt, ab dem Gefahr droht.

Das Uno-Umweltprogramm UNEP hat vergangene Woche erklärt, dass die derzeitigen Minderungszusagen nicht einmal die Hälfte dessen abdecken, was für einen Emissionspfad ohne gefährliche Klimaveränderung notwendig wäre. Die Weltbank hat ebenfalls letzte Woche einen Bericht herausgegeben, der die Gefahren aufzeigt, die der Welt bei einer Erwärmung um 4 Grad Celsius drohen. Jeder, der sich ernsthaft mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen auseinandersetzt, ist zu Recht besorgt.

Dennoch sehe ich auch vier Gründe, die mich hoffnungsvoll stimmen.

  • Erstens, wenn wir jetzt handeln, können wir die schlimmsten Klimafolgen immer noch verhindern. Der UNEP-Bericht ebenso wie eine aktuelle Studie der Internationalen Energieagentur kamen zu dem Schluss, dass uns die Zeit davonläuft, aber dass die 2-Grad-Celsius-Grenze noch einhaltbar ist, wenn wir jetzt den politischen Willen zum Handeln aufbringen.
  • Zweitens, der internationale Prozess kommt voran, wenn auch nur langsam. Seit dem Klimagipfel 2009 in Kopenhagen haben sich Länder, die zusammen 80 Prozent der weltweiten Emissionen verursachen, zu Maßnahmen verpflichtet, die die gesamte Wirtschaft erfassen. Im vergangenen Jahr haben wir uns in Durban darauf verständigt, bis 2015 einen neuen rechtsverbindlichen globalen Klimaschutzvertrag abzuschließen. Hier in Doha sollten wir damit beginnen, diesen Vertrag Schritt für Schritt auszuhandeln.

    Neben der Einigung auf einen Arbeitsplan auf hoher Ebene, mit dem dieser weltweite Vertrag bis 2015 erreicht werden soll, erwarte ich auch vorher schon einige konkrete Schritte zur Minderung unserer Emissionen ebenso wie die Vereinbarung einer zweiten Verpflichtungsperiode unter dem Kyoto-Protokollmit belastbaren und transparenten Regelungen für die Berechnung der Emissionen der Staaten, die nicht am Kyoto-Protokoll beteiligt sind. Außerdem sollten wir den Entwicklungsländern zusichern, dass wir auch weiterhin Finanzmittel für den Klimaschutz bereitstellen werden.
  • Drittens haben viele Länder, auch einige der großen Emittenten, schon ernsthafte Maßnahmen ergriffen. Die Umweltorganisation Globe International berichtet, dass die Klimaschutzgesetzgebung in allen bedeutenden Volkswirtschaften vorankommt. Brasilien zum Beispiel hat die Entwaldungsrate seit ihrem Höchststand 2004 um zwei Drittel reduziert. Korea wendet zwei Prozent seines Bruttoinlandsprodukts auf, um seine Wirtschaft klimafreundlich zu machen. China hat in seinen letzten Fünfjahresplan auch Energieeffizienz- und Erneuerbaren-Ziele aufgenommen und testet in sieben Provinzen des Landes ein Emissionshandelssystem.

    In Großbritannien haben wir uns mit den CO2-Emissionsbudgets eine klare Marschroute hin zu unserem Minderungsziel von 80 Prozent bis 2050 vorgegeben. Wir arbeiten an der Verbesserung der Energieeffizienz und an intelligenter Infrastruktur. Und ich habe vor kurzem ein neues Energiegesetz im Parlament eingebracht, das den Investoren und der Industrie die Anreize und die Planungssicherheit geben soll, die nötig sind, damit sie die immensen Infrastrukturinvestitionen tätigen, die die britische Energiewirtschaft dringend braucht.

    Als Ergebnis all dieser Maßnahmen sind wir auf Kurs, die Meilensteine der EU-Erneuerbaren-Richtlinie einzuhalten und genügend erneuerbare Erzeugungskapazitäten aufzubauen, um bis 2020 den britischen Elektrizitätsbedarf zu 30 Prozent aus Erneuerbaren zu decken.

    In der EU werde ich mich im kommenden Jahr weiter dafür einsetzen, dass wir das Emissionsminderungsziel für 2020 von 20 auf 30 Prozent anheben, dass wir 2030 längerfristige Ziele vereinbaren und dass wir die Vorzüge einer klimafreundlichen Wirtschaft deutlich machen. So schaffen wir die Klarheit und Verlässlichkeit, die weite Teile unserer Wirtschaft von uns verlangen.
  • Und viertens werden diese Maßnahmen von bedeutenden Veränderungen in der Realwirtschaft untermauert. Laut Bloomberg News wurde im vergangenen Jahr weltweit erstmals mehr in Erneuerbare investiert als in fossile Energieträger. Wir erleben, dass Erneuerbaren-Technologien auf die Märkte kommen und sich dort erfolgreich behaupten. Photovoltaik-Anlagen haben in den vergangenen zehn Jahren weltweite Zuwachsraten von durchschnittlich 42 Prozent jährlich erzielt, bei der Windkraft an Land waren es im Durchschnitt 27 Prozent.

Auf einigen Märkten sind die Preise für bestimmte Solartechnologien in nur drei Jahren um 75 Prozent gesunken. Damit ist Solarenergie in großen Teilen Afrikas und Südasiens jetzt preiswerter als fossile Energieträger. Unternehmen wie Unilever, Vodafone, Walmart und Kingfisher setzen sich ehrgeizige Ziele, um ihre Zulieferketten nachhaltiger zu machen. Und das ist mehr als reine Marketingstrategie. Bei immer knapperen Rohstoffen und zunehmendem Klimastress macht es unternehmerisch durchaus Sinn, auf Nachhaltigkeit und Flexibilität in der Produktion zu achten. Und wie wir dieses Jahr in Rio feststellen konnten, sind es jetzt die Unternehmen, die den Regierungen erklären, wie die klimapolitische Agenda aussehen muss.

Die Führungskraft solcher Unternehmen möchte ich für ein großes Programm zur Bekämpfung der Entwaldung nutzen, das ich gerade bei einer Veranstaltung auf Einladung Seiner Königlichen Hoheit Prinz Charles vorgestellt habe. In Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und den Regenwaldländern soll gewährleistet werden, dass das Holz und die Nahrungsmittel, die wir kaufen, nicht zur Entwaldung beigetragen haben. Und gemeinsam mit den USA, Norwegen, Deutschland und Australien werden wir den Kampf gegen die Entwaldung noch verstärken, damit wir eine Chance haben, die globale Erwärmung auf 2 Grad Celsius zu begrenzen.

Großbritannien hatte im vergangenen Jahr in Durban bedeutenden Anteil daran, dass die Länder sich verpflichtet haben, bis 2015 einen neuen rechtsverbindlichen Klimaschutzvertrag auszuhandeln. Und wir lassen nicht nach in unseren Anstrengungen. Der Kampf gegen gefährliche Klimaveränderungen ist schwierig, aber wir Briten sind entschlossen, uns dieser Aufgabe zu stellen. Gemeinsam mit allen Vertragsparteien werden wir in den Vereinten Nationen darauf hinarbeiten, unser gemeinsames Ziel, die Begrenzung der Erwärmung der Erde auf 2 Grad Celsius, zu erreichen und so die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern.

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insgesamt 53 Beiträge
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1. And now for something completely different:
jot-we 04.12.2012
Well, der britische Sinn für Humor ist nicht umsonst berühmt in aller Welt, ist er nicht? Danke für diese herzerfrischende Kostprobe.
2. ist ja süss!
umegubbe 04.12.2012
Der britische Minister hat was zu Klimaschutz zu sagen, nur den 5. Grund hat er vergessen: Dass ausser in Britannien seltener Steuergeld für Kernkraft Subventionen verschleudert wird!
3. Wunderbar, jetzt handeln ...
bushmills 04.12.2012
... damit "unser Minderungsziel ... bis 2050" erreicht werden kann.
4. Von wem kommt jetzt der nächste Klimaartikel?
kritischergeist 04.12.2012
Vom Papst, vom Dalai-Lama oder von der Katzenberger? Hört auf die Leser mit allarmistischen Artikeln zu bombadieren. Es glaubt keiner mehr daran weil es zu offensichtlich ist dass diese Kampagne gesteuert ist. Es geht um den CO2 Ablasshandel an dem viel Geld verdient wird.
5. Sehr geehrter Minister,
Gerhard Stenkamp 04.12.2012
es macht Sinn, bei diesem Thema Zahlen zu bringen! Im Jahre 2009 hat das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung publiziert, wir hätten noch 666 Mrd. Tonnen Kohlendioxid frei bis 2050, um das 2 Grad-Ziel einzuhalten. 2010 und 2011 wurden davon über 10 % in die Luft geblasen! Was darf ich daraus folgern? Wo findet man in den Überlegungen des hoch verehrten Ministers das weltweite Bevölkerungswachstum berücksichtigt? Wo findet man das weltweite Wirtschaftswachstum wiedergespiegelt? Leider sind solche Beiträge zu einem überlebenswichtigen Thema seitens hoch bezahlter Verantwortlicher typisch: Beschwichtigen! Es wird schon alles gut!
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Zur Person
  • REUTERS
    Der Brite Edward Davey, 47, gehört der Partei der Liberal Democrats an und ist seit Anfang 2012 Minister für Energie und Klimaschutz unter Premierminister David Cameron.

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