Klimakonferenz Staatschefs ringen um Gipfelrettung

Die dänischen Gastgeber resignieren, jetzt müssen die Regierungschefs retten, was noch zu retten ist. Die EU fordert eine Initiative der G-20-Mächte. Kanzlerin Merkel und Frankreichs Staatschef Sarkozy warnen eindringlich vor einem Scheitern der Verhandlungen.

Kanzlerin Merkel bei den Klimaverhandlungen: "Ich glaube, dass wir die Kraft haben"
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Kanzlerin Merkel bei den Klimaverhandlungen: "Ich glaube, dass wir die Kraft haben"


Kopenhagen - Die Teilnehmer des Kopenhagener Klimagipfels ringen weiter um einen erfolgreichen Abschluss. Nachdem die Verhandlungsführung der dänischen Gastgeber seitens der Entwicklungsländer scharf kritisiert worden war, versuchen jetzt die mehr als 100 Staats- und Regierungschefs das Spitzentreffen vor dem Scheitern zu retten - und übernehmen das Ruder.

Europa hat dabei ein Sondertreffen der 20 wichtigsten Wirtschaftsmächte (G20) ins Spiel gebracht. Nach Rücksprache mit den dänischen Verhandlungsführern rufe die EU zu einem Treffen mit "relevanten Teilnehmern" auf, teilte die Europäische Kommission am Donnerstag mit. Dies solle helfen, eine Einigung zu erreichen. EU-Diplomaten teilten mit, damit sei die G20 gemeint. Dazu zählen neben der EU, den USA und Russland auch die größten Schwellenländer wie China und Indien. Die G20 wurde als Folge der Finanzkrise ins Leben gerufen.

Angesichts der festgefahrenen Verhandlungen in Kopenhagen haben Politiker aus aller Welt vor einer Niederlage im Kampf gegen den Klimawandel gewarnt. Kanzlerin Angela Merkel richtete in der dänischen Hauptstadt einen eindringlichen Appell an die Staatengemeinschaft, ein Scheitern in den letzten 24 Stunden des Treffens abzuwenden. "Ich glaube, dass wir die Kraft dazu haben. Ich glaube, wenn nur jeder noch einen Schritt geht, es gut für uns alle sein kann", rief sie den Delegierten am Donnerstag zu.

Merkel versicherte zugleich, Deutschland werde seinen fairen Anteil daran übernehmen, Entwicklungsländern ab 2020 pro Jahr 100 Milliarden Euro für Klimaschutz und die Bewältigung von Klimafolgen zur Verfügung zu stellen. Vor ihrer Ankunft in Kopenhagen hatte Merkel in einer Regierungserklärung vor dem Bundestag in Berlin gesagt, sollte keine Verpflichtung aller Staaten auf das Zwei-Grad-Ziel erreicht werden, wäre die Klimakonferenz "gescheitert". Eine Vereinbarung könnte der Kanzlerin zufolge nach der Konferenz juristisch ausgeformt werden.

Dänemark gibt auf

Dänemark hatte zuvor am Donnerstag das Ziel aufgegeben, einen weiteren Kompromissvorschlag zu machen, ein deutliches Zeichen für den Ernst der Lage. Ebenso überlegten die Dänen, das am Abend geplante Essen der Staats- und Regierungschefs mit Dänemarks Königin Margrethe II. abzusagen.

Wenn also das Treffen überhaupt zu einem ernsthaften Abschluss kommt, wird dieser kaum von der dänischen Gipfelpräsidentschaft geprägt sein. Jetzt führen statt den Dänen Bundeskanzlerin Merkel, die US-Außenministerin Hillary Clinton, der britische Premier Gordon Brown sowie Chinas Regierungschef Wen Jiabao und andere Regierungschefs unermüdlich Sondierungsgespräche, um die Verhandlungen in ihrem Sinne voranzutreiben. Ziel ist vor allem eine Einigung zwischen den Industrieländern und den großen Schwellenländern China, Indien, Brasilien und Südafrika. Die EU hielt sogar einen Mini-Gipfel zur internen Abstimmung ab.

Vor allem von China und den USA fordert Europa weitere Zugeständnisse. Sollten beide ihre Klimaziele erhöhen, sei auch die EU bereit, über ihr bestehendes CO2-Reduktionsziel von Minus 20 Prozent bis 2020 hinauszugehen, sagten europäische Unterhändler am Donnerstag. Je nachdem, was für neue Angebote die Regierungen in Peking und Washington vorlegten, sei dann eine Zahl zwischen 20 und 30 Prozent denkbar. China beispielsweise müsse bis 2020 seine Kohlenstoffintensität um mehr als die Hälfte senken. Bisher hat Peking 40 bis 45 Prozent angeboten.

China sieht sich im Einklang mit den Klimaverträgen

Die Industrieländer müssten ihre Emissionen um 25 Prozent reduzieren und auch die Schwellenländer müssten schrittweise etwas tun, sagte Merkel. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy warnte vor einer "Katastrophe". Einer der schwierigsten Knackpunkte beim Klimagipfel sei, dass China auch internationale Kontrollen seiner Klimaziele zulassen müsse, hieß es aus EU-Kreisen. Diesen Kontrollen widersetze sich das Land jedoch stark. Aber auch für die USA und Europa seien die Kontrollen entscheidend. Umgesetzt werden sollen diese Kontrollen mit Hilfe verschiedener Instrumente, die in der Klimarahmenkonvention dafür vorgesehen sind.

China hat die Industrieländer aufgefordert, ihren Treibhausgasausstoß stärker als geplant zu reduzieren. Die eigenen Ziele seien hingegen im Einklang mit den internationalen Klimaverträgen, sagte Vize-Außenminister He Yafei, der für seinen Premierminister Wen Jiabao sprach, am Donnerstag beim Weltklimagipfel in Kopenhagen. China werde seine Klimaziele auf überprüfbare Weise erreichen, allerdings ohne die Verpflichtung, internationale Beobachter ins Land zu lassen.

"Wir versprechen, unsere Aktionen überprüfbar zu machen", erläuterte He. Sie sollten unter der Kontrolle der Medien und von Juristen sein. US-Außenministerin Clinton hatte zuvor auf dem Gipfel von China mehr Transparenz gefordert. Eine Überprüfung der chinesischen Klimaziele ist einer der Hauptstreitpunkte zwischen China und den Industrieländern.

Gleichzeitig schloss die EU aus, dass es eine Einigung der Kyoto-Staaten, nicht aber der 192 Länder im Rahmen der Klimarahmenkonvention geben könnte. "Das ist für uns eine rote Linie", hieß es.

Um die inhaltlichen Streitpunkte zu klären, hat Verhandlungskreisen zufolge Dänemark 16 Arbeitsgruppen einberufen. Jeweils fünf befassen sich demnach mit Themen der Industriestaaten, die das Kyoto-Protokoll anwenden. Dazu gehören beispielsweise Reduktionsziele, Folgen der Erderwärmung und Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen in den Entwicklungsländern. Die übrigen 11 Gruppen arbeiten entlang des Verhandlungsstrangs der Rio-Klimakonvention, die alle Länder umfasst, aber noch keine bindenden Verpflichtungen enthält.

cib/dpa/AFP/APD/Reuters

Forum - Was bringt der Klimagipfel in Kopenhagen?
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Seite 1
yubi 28.10.2009
1. Was bringt der Klimagipfel?
Er bringt viel inhaltsloses Geschwätz, vollmundige (und windelweiche) Absichtserklärungen, Forderungen an "die Anderen", endlich auch etwas zu tun (bevor man selber was tut), .... Gut, daß die mal wieder drüber gesprochen haben ..... Ausser Spesen wieder nichts gewesen, und .... dann bis zum nächsten mal.
Maschinchen, 28.10.2009
2.
Bleiben seitens der EU finanzielle Zusagen für Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern weiterhin aus, wird es schwer, diese mit ins Boot zu holen. Meiner Ansicht nach ist es ohnehin utopisch, das Zwei-Grad-Ziel noch zu erreichen. Klimaschützer werden sich zunehmend mit dem ungeliebten Wort adaptation anfreunden müssen.
Edgar, 28.10.2009
3.
Wird wohl auf die übliche Verzögerunstaktik hinaus laufen, Aussitzen, bis die Klimahysterie vorbei ist, bis da hin Valium verteilen. Gut so! Wird nämlich trotzdem noch viel zu viel Geld sinnlos verbrannt. Deutschland wird wohl leider wieder als letzter Staat merken, dass die Party vorbei ist, und brav 'Vorbild' spielen.
Internetnutzer 28.10.2009
4. Atomkraft
Alle reisen mit dem Flugzeug an, residieren in klimatisierten Hotels, lssen sich in großen Limousinen zum Tagungsgebaude chaufiieren und reden über CO2 Reuzierung. Bis an die Unterlippe verschuldet wollen sie dann finanzielle Zusagen an Drittländer geben? Und an den ganzen Klimaquatsch glauben die meisten sowieso nicht, es ist aber so spekulativ die Welt zu retten, da muß man doch bei sein. Ein Riesenhumbug, wie im alten Rom: Brot und Spiele. Danach: Außer Spesen nichts gewesen. Ich hatte das schon mal gesagt: Wenn die Malediven wirklich etwas für den Klimaschutz tun wollen, dann sollen sie ihren Flughafen dicht machen, das wäre ein echtes Zeichen, daß sie verstanden haben.
Maschinchen, 28.10.2009
5.
Zitat von InternetnutzerAlle reisen mit dem Flugzeug an, residieren in klimatisierten Hotels, lssen sich in großen Limousinen zum Tagungsgebaude chaufiieren und reden über CO2 Reuzierung. Bis an die Unterlippe verschuldet wollen sie dann finanzielle Zusagen an Drittländer geben? Und an den ganzen Klimaquatsch glauben die meisten sowieso nicht, es ist aber so spekulativ die Welt zu retten, da muß man doch bei sein. Ein Riesenhumbug, wie im alten Rom: Brot und Spiele. Danach: Außer Spesen nichts gewesen. Ich hatte das schon mal gesagt: Wenn die Malediven wirklich etwas für den Klimaschutz tun wollen, dann sollen sie ihren Flughafen dicht machen, das wäre ein echtes Zeichen, daß sie verstanden haben.
Nun, was schlagen Sie vor? Anreise im Schlauchboot, Übernachtung auf dem Campingplatz?
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