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Klimakonferenz: Warten auf das Wunder von Warschau

Ökostrom statt Kohleenergie: Zuletzt sollten 2009 in Kopenhagen verbindliche Klimaschutzziele vereinbart werden - ohne Erfolg Zur Großansicht
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Ökostrom statt Kohleenergie: Zuletzt sollten 2009 in Kopenhagen verbindliche Klimaschutzziele vereinbart werden - ohne Erfolg

Es ist der nächste Anlauf zu einem neuen globalen Klimaabkommen. Am Montag treffen sich rund 190 Nationen ausgerechnet im Kohleland Polen zur Uno-Konferenz. Auf Deutschland ruhen dabei große Erwartungen.

Es bleiben nur noch zwei Jahre. In Paris soll 2015 endlich ein weltweiter Klimavertrag vereinbart werden. So hat es die Staatengemeinschaft schon 2011 im südafrikanischen Durban beschlossen. Das Gerüst für das Abkommen soll die 19. Uno-Klimakonferenz in Warschau bilden. Umweltschützer hoffen, dass der Gipfel erfolgreicher endet als der erste, geplatzte Versuch 2009 im dänischen Kopenhagen.

Am Montag beginnt der neue Anlauf zu einem globalen Abkommen: Dann treffen sich in der polnischen Hauptstadt Vertreter von rund 190 Nationen.

Die Erwartungen an die Montag beginnende Konferenz in der polnischen Hauptstadt sind bislang bescheiden, zumal der Gastgeber als nicht sonderlich ehrgeizig gilt, was den Klimaschutz angeht.

Im Gegenteil: Der polnische Umweltminister Marcin Korolec hat wiederholt öffentlich erklärt, dass Polen seinen Einfluss als Gastgeber geltend machen werde, um eine Verpflichtung zu höheren Zielen bei der Reduzierung von Kohlendioxidemissionen zu verhindern. Diese Haltung hat Polen bereits heftige Kritik von Umweltschützern eingebracht, die betonen, dass das Gastgeberland eine neutrale Rolle einzunehmen habe.

Vor dem Gipfel: Greenpeace-Aktivisten protestieren mit einer Projektion auf einem Kühlturm des Kohlekraftwerks im polnischen Belchatow Zur Großansicht
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Vor dem Gipfel: Greenpeace-Aktivisten protestieren mit einer Projektion auf einem Kühlturm des Kohlekraftwerks im polnischen Belchatow

Vor der Konferenz in Warschau hat Achim Steiner, Direktor des Uno-Umweltprogramms (UNEP), eindringlich zu mehr Tempo in der Klimapolitik gemahnt. "Wir haben den richtigen Weg eingeschlagen, aber die Geschwindigkeit, mit der wir vorangehen, reicht vorn und hinten nicht", sagte Steiner dem Norddeutschen Rundfunk. "Die Lücke zwischen Handeln und Ziel wird immer größer."

Beim Gegensteuern kommt Deutschland eine wichtige Rolle zu, als Vermittler und Vorbild: Steiner sagte, international werde mit viel Interesse verfolgt, wie Deutschland als Exportnation seine Energiewende umgesetzt und welche Erfolge es dabei erzielt habe - unter anderem einen Ökostromanteil von 25 Prozent.

Eine aktive Rolle der deutschen Delegation auf der Klimakonferenz mahnten auch mehrere Umweltorganisationen an. "Deutschland muss in Warschau wieder Handlungsfähigkeit beweisen, selbst wenn wir noch keine neue Regierung haben. Das Beste wäre, Bundeskanzlerin Angela Merkel fährt nach Warschau und erklärt, dass unser Land seine Blockaden beim Klimaschutz aufgibt", sagte der Vorsitzende des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger.

Getrübte Erwartungen

Todd Stern, der US-Gesandte auf der Klimakonferenz, sprach von einer historischen Chance in Warschau. "Wir wollen Fortschritte", betonte er vor Journalisten in Washington. Anders als bei vorangegangenen Klimakonferenzen sei ein gemeinsamer Wille zur Veränderung zu spüren, etwa in stärkerer Zusammenarbeit zwischen den USA und China. "China unternimmt große Anstrengungen zur Verringerung der Kohleemissionen. Das macht Mut", sagte Stern.

Das Paris-Protokoll soll Ziele für alle 194 Mitgliedstaaten der Uno-Klimarahmenkonvention beinhalten und von 2020 an in Kraft treten. Beim bisher einzigen verbindlichen Instrument, dem Kyoto-Protokoll, machen außer den EU-Ländern nur wenige Staaten mit.

Für Warschau erwartet die Bundesregierung, dass möglichst viele Länder sich auf klare Minderungszusagen festlegen. Aber die Realität ist trübe: Selbst in Deutschland hat sich trotz des gewachsenen Ökostromanteils der CO2-Ausstoß 2012 wieder erhöht, auch weil es bei billiger ist, alte Kohlemeiler durchlaufen statt abkühlen zu lassen, auch wenn gerade kein konventioneller Strom benötigt wird.

Klimagipfel trifft Kohlegipfel

Immerhin gelang es den EU-Staaten Ende vergangener Woche, eine Reform des Handels mit CO2-Emissionen zu beschließen. Damit soll der Preis für jede Tonne des Treibhausgases CO2 steigen, damit sich die Investition in moderne Filtertechnik stärker lohnt. Gegen die Pläne zur Verschärfung des CO2-Handels stellten sich nur zwei Staaten: Zypern und Klimagipfel-Gastgeber Polen.

Bis zum 22. November soll der Klimagipfel in Warschau dauern. Während der Konferenz tritt auch die internationale Kohleindustrie in Warschau zu einem eigenen Treffen zusammen - im Wirtschaftsministerium. Und an einem Gegengipfel, zu dem polnische Nationalisten aufgerufen haben, wollen sich auch die polnischen Bergbaugewerkschaften beteiligen.

Beim ersten Klimagipfel 1992 in Rio de Janeiro vereinbarten die Staaten, den Ausstoß der Treibhausgase so weit zu begrenzen, dass Ökosysteme und Nahrungsmittelerzeugung nicht gefährdet werden. Rund 190 Staaten haben daraufhin die Klimarahmenkonvention (UNFCCC) ratifiziert. Seitdem wurden globale Klimaschutzziele auf drei Gipfeln verhandelt: 1997 in Kyoto, 2009 in Kopenhagen und 2011 in Durban.

che/dpa

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1. ja ja
Stabhalter 10.11.2013
Zitat von sysopDPAEs ist der nächste Anlauf zu einem neuen globalen Klimaabkommen. Am Montag treffen sich rund 190 Nationen ausgerechnet im Kohleland Polen zur Uno-Konferenz. Auf Deutschland ruhen dabei große Erwartungen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/klimakonferenz-warten-auf-das-wunder-von-warschau-a-932786.html
hoffentlich haben sie genug Champus und andere wohllüstige Getränke gebunkert,denn mehr kommt ja nicht raus,wieso soll es diesesmal anderst sein???
2. Es ist ein schlechter Zeitpunkt....
joG 10.11.2013
....für eine CO2 Begrenzung. Es gibt mehrere Studien, die die Ergebnisse der UNO sehr in Frage stellen. Auch sieht es so aus, als würde sich die Technologie gut entwickeln, so dass jede Investition im Augenblick viel teurer ist, als wartet man einige Jahre. Zudem ist momentan die Menge Öl bzw Gas, die verfügbar wird so groß, dass es kaum sinnvoll scheint es ungenutzt zu lassen. Warum sollten die Polen auf den Verbrauch ihres billigen Kohleschatzes verzichten? Da verlieren sie richtig viel Geld. Wenn man will, dass sie darauf verzichten, wird man einen Ausglaich bezahlen müssen.
3. Nein, wir in Europa...
turnus 10.11.2013
...haben bestimmt grade keine anderen Sorgen als die Klimaideologie. Und so soll in Warschau getestet werden, ob die europäischen Gehirne schon weich genug gewaschen worden sind, um mittels Klimavertrag Milliarden für null Gegenleistung nach irgendwohin zu transferieren. Kommt einem von der EU schon bekannt vor, oder?
4. Ich hoffe, dass die Klimahysterie in sich zusammenfällt!
nitram1 10.11.2013
Ein längst bloßgestelltes Instrument zur Versklavung der Weltbevölkerung unter der Herrschaft einer elitären neofeudalen Ordnung!
5.
syracusa 10.11.2013
Zitat von joG....für eine CO2 Begrenzung. Es gibt mehrere Studien, die die Ergebnisse der UNO sehr in Frage stellen. Auch sieht es so aus, als würde sich die Technologie gut entwickeln, so dass jede Investition im Augenblick viel teurer ist, als wartet man einige Jahre. Zudem ist momentan die Menge Öl bzw Gas, die verfügbar wird so groß, dass es kaum sinnvoll scheint es ungenutzt zu lassen. Warum sollten die Polen auf den Verbrauch ihres billigen Kohleschatzes verzichten? Da verlieren sie richtig viel Geld. Wenn man will, dass sie darauf verzichten, wird man einen Ausglaich bezahlen müssen.
Mit "UNO" meinen Sie vermutlich das IPCC. Ja, dagegen gibt es in der Tat einige Studien. Aber es keine seriösen und ernstzunehmenden Studien dagegen. Und darauf kommt es an. Es gibt sogar "Studien", die beweisen, dass die Erde flach sei. Was lernen Sie daraus?
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