Klimaphänomen La Niña Kleines Mädchen hält Pazifik kühl

Geoforscher beobachten derzeit außergewöhnlich niedrige Wassertemperaturen im Pazifik. Ursache ist La Niña, die Gegenspielerin zum Klimaphänomen El Niño. Eine Entwarnung im Bezug auf die Erderwärmung ist La Niña allerdings nicht.


Alle diskutieren über die drohende Erderwärmung - doch im Pazifik ist davon wenig zu spüren. Im Gegenteil: Forscher beobachten derzeit besonders niedrige Wasserstände im Pazifik nahe des Äquators - und niedrige Pegel sind gleichbedeutend mit kühlerem Wasser. Vom amerikanisch-französischen Satelliten "Jason" stammen die Aufnahmen, die das Jet Propulsion Laboratory (JPL) am California Institute of Technology im Auftrag der Nasa vorgestellt hat.

La Niña (Kleines Mädchen): Bereiche mit niedrigem Wasserstand und kühleren Temperaturen sind blau gekennzeichnet
REUTERS

La Niña (Kleines Mädchen): Bereiche mit niedrigem Wasserstand und kühleren Temperaturen sind blau gekennzeichnet

Auf dem Satellitenbild sind Wassergebiete, deren Pegel unterhalb des normalen Meeresspiegels liegen, blau gekennzeichnet. Der Äquator scheint von zwei breiten blauen Streifen regelrecht in die Zange genommen zu werden. Hinter dem kühlen Wasser steckt das Klimaphänomen La Niña, spanisch für "kleines Mädchen", das wohl noch mehrere Monaten anhalten wird, wie Forscher nun prognostizieren.

La Niña, die Gegenspielerin zu El Niño, wiederum wird von einem anderen langfristigen Klimaereignis beeinflusst: der sogenannten Pazifischen Dekaden-Oszillation (PDO). Der Pazifik befindet sich derzeit in den Anfängen einer PDO-Kühlphase. Etwa alle 5 bis 20 Jahre wechseln sich im Pazifik warme und kalte Phasen ab. In den achtziger und neunziger Jahren befand sich der Ozean in einer Warmphase, die inzwischen aber zu Ende gegangen ist.

"Dieser Kühltrend der mehrjährigen Pazifischen Dekaden-Oszillation kann La Niña intensivieren und die Auswirkungen von El Niño um das Pazifische Becken herum abschwächen", sagte JPL-Forscher Bill Patzert. Und so beeinflusst La Niña auch das Klima an der amerikanischen Küste: Es regnet weniger, die Luft ist weniger feucht. Auch die Hurrikanaktivität wird durch das Wechselspiel von La Niña und El Niño auf komplexe Weise beeinflusst.

Josh Willis, Ozeanograf am JPL, wies daraufhin, dass der Klimawandel auch die Pazifische Dekaden-Oszillation und El Niño verändern kann. Dass derzeit eine kühle Phase herrsche, solle nicht falsch interpretiert werden. "Diese natürlichen Klimaphänomene können manchmal die globale, vom Menschen verursachte Erderwärmung kaschieren", sagte Willis. Die Oszillationen im Pazifik könnten die Auswirkungen des Klimawandels jedoch genauso gut verstärken.

hda



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