Klimaschutzziele in Gefahr Deutschland produziert zu viel Kohlendioxid

Berechnungen des Umweltministeriums machen erneut deutlich: Deutschland wird seine Klimaschutzziele für 2020 verfehlen. Selbst im günstigsten Fall liegt die CO2-Einsparung klar unter dem eigentlichen Plan.

Kühltürme des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde in der Lausitz im Mai 2017
DPA

Kühltürme des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde in der Lausitz im Mai 2017


Deutschland verpasst einem Medienbericht zufolge sein selbst gestecktes Klimaschutzziel deutlicher als gedacht. Eigentlich sollen bis zum Jahr 2020 die klimaschädlichen Emissionen um 40 Prozent unter den Wert von 1990 gedrückt werden.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete nun unter Berufung auf interne Berechnungen des Bundesumweltministeriums, ohne "Nachsteuerung" sei bis 2020 bestenfalls ein Minus von 32,5 Prozent zu erwarten; schlimmstenfalls würden die Emissionen nur um 31,7 Prozent sinken.

"Eine Zielverfehlung in einer solchen Größenordnung wäre für die Klimaschutzpolitik Deutschlands ein erheblicher Rückschlag", heißt es der Zeitung zufolge in einem ihr vorliegenden Ministeriumspapier. Eine neue Bundesregierung müsse daher nachsteuern. Bislang wurden die Emissionen im Vergleich zu 1990 gerade einmal um 28 Prozent gesenkt.

Problem seit Längerem bekannt

Bereits zuvor war klar, dass Deutschland seine Klimaziele verfehlen würde:

  • Im November 2016 hatte Umweltministerin Barbara Hendricks eingeräumt, dass die Verminderung im günstigsten Fall bei 37,4 Prozent liegen könnte - und im schlimmsten Fall bei 31,7 Prozent.
  • Der Projektionsbericht 2017 der Bundesregierung gibt für die Reduktion einen Korridor zwischen 33,7 und 37,5 Prozent an.
  • Im Mai hatte die Bundesregierung bereits der EU-Kommission mitgeteilt, dass sie das nationale 2020-Ziel nach derzeitigem Stand nicht schaffen werde. Es werde etwa um 1,5 bis fünf Prozentpunkte verfehlt, hieß es damals. Zur Einordnung: Je 12,5 Millionen Tonnen CO2 bedeuten einen Prozentpunkt für das Klimaziel.

Hauptgrund für die Verfehlung sind die weiterhin hohen Emissionen bei der Stromerzeugung. So ist zwar der Anteil erneuerbarer Energien in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Gleichzeitig produzierten die deutschen Kohlekraftwerke jedoch fleißig weiter für den Export.

Zudem torpediert der Verkehr die Energiewende: Die Motoren werden zwar effizienter und es wurden Abgasgrenzwerte für Autos eingeführt. Gleichzeitig legten großmotorige Fahrzeuge aber mehr Kilometer zurück.

jme/AFP/dpa/Reuters



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