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Rangliste: Umweltschützer strafen Deutschlands Klimapolitik ab

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Treibhausgasquelle Kohleenergie: Braunkohlebagger im Tagebau Garzweiler in Nordrhein-Westfalen Zur Großansicht
DPA

Treibhausgasquelle Kohleenergie: Braunkohlebagger im Tagebau Garzweiler in Nordrhein-Westfalen

Schlechte Note: In der Klimaschutz-Rangliste der Umweltorganisation Germanwatch fällt Deutschland von Platz acht auf Platz 19 zurück. Grund dafür sei die Blockadehaltung der Bundesregierung bei Energieeffizienz, Autoabgasbegrenzung und Emissionshandel.

Hamburg/Warschau - Noch nie hat die Menschheit soviel Treibhausgase erzeugt wie 2012 - dennoch sieht die Umweltorganisation Germanwatch bei der Vorstellung ihrer jährlichen Klimaschutzbilanz "Zeichen der Hoffnung". Zum Beispiel in China. Dem bevölkerungsreichsten und rapide wachsenden Staat sei es gelungen, sein Wirtschaftswachstum vom Treibhausgasausstoß abzukoppeln: Erneuerbare Energieträger und der Widerstand gegen die Smog-Luft der Großstädte hätten dafür gesorgt, dass die CO2-Emissionen mittlerweile langsamer anstiegen als die Wirtschaftskraft.

Die Entwicklung Chinas belohnt Germanwatch mit einem Anstieg vom 54. auf den 46. Rang im neuen Klimaschutz-Index, mit dem die Bonner Umweltorganisation jedes Jahr die Maßnahmen von 58 Staaten gegen den Treibhausgasausstoß bewertet.

Die aktuelle Rangliste hat Germanwatch am Montag auf der Uno-Klimakonferenz in Warschau vorgestellt. Die ersten drei Plätze bleiben traditionell frei, "weil kein Land genügend Maßnahmen trifft, um einen gefährlichen Klimawandel zu stoppen", wie die Umweltorganisation meint.

Deutschland fällt vom achten auf den 19. Rang und damit erstmals aus den Top Ten - trotz angekündigter Energiewende. Hauptgrund für die Verschlechterung seien die negativen Bewertungen der deutschen Klimapolitik von Umweltschützern: Deutschland spiele "eine weniger konstruktive Rolle", meint Germanwatch.

Negativ ins Gewicht falle vor allem die Haltung Deutschlands bei Verhandlungen auf EU-Ebene in Brüssel, sagt Jan Burck, Leitautor des Klimaschutz-Index. Deutschland habe Richtlinien zur Energieeffizienz, zur Autoabgasbegrenzung und zum Emissionshandel blockiert. Zudem stocke innenpolitisch die Energiewende, konstatiert Burck, was ebenfalls zu negativen Bewertungen geführt habe.

Wie der Index entsteht

Die Umweltorganisation erstellt ihren Index aus Daten der Internationalen Energieagentur IEA und Einschätzungen von Umweltschützern. Die Höhe der Emissionen und die Veränderungen der Treibhausgasemissionen gehen zu jeweils 30 Prozent in die Gesamtnote ein, die Bewertung der Entwicklung erneuerbarer Energien und der Energieeffizienz zu je zehn Prozent und die Einschätzung der Klimapolitik eines Landes zu 20 Prozent.

Das Urteil zur Politik fällen jeweils Mitarbeiter von Umweltverbänden des betreffenden Landes. Manche tendierten traditionell dazu, die Politik ihrer eigenen Regierung weniger kritisch zu beurteilen, was das Ergebnis verzerren könne, räumt Burck ein. Deshalb beruhe der Großteil der Endnote auf den Energiedaten der IEA. Berücksichtigt würden 58 Staaten, die für 90 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich seien.

Die EU insgesamt habe ihre Vorreiterrolle beim Klimaschutz aufgegeben, meint Germanwatch. Im Bereich Energieeffizienz allerdings sind die europäischen Staaten, ergänzt um Neuseeland, in der Spitzengruppe fast unter sich. Dänemark, Großbritannien und Portugal nehmen die Spitzenplätze des Klimaschutz-Index 2014 ein. Das Beispiel Portugals zeige, dass es möglich sei, die Wirtschaftskrise und die Klimakrise gleichzeitig in Angriff zu nehmen, sagte Wendel Trio vom Klimanetzwerk Europa.

Polen, Gastgeber der Uno-Klimakonferenz, konnte sich im Klimaschutz-Index nicht substantiell verbessern. Das Land gehört weiterhin zu den zwei schlechtesten EU-Staaten und stieg lediglich um einen Platz auf Rang 45, direkt gefolgt von China. Der Gastgeber der Klimakonferenz verzeichnet bei seinem CO2-Ausstoß wie auch bei der Verwendung erneuerbarer Energien das schlechteste Ergebnis aller EU-Staaten.

Auch Russland und Kanada gehören Germanwatch zufolge weiterhin zu den großen Klimasündern. Kanada zeige mit seinem massiven Abbau von Ölsanden weiterhin "keinerlei Ansätze", seine Klimapolitik zu verbessern, und verharre deshalb auf Rang 58 von 61. Noch schlechter schneiden nur noch Iran und Kasachstan ab, gefolgt vom Schlusslicht Saudi-Arabien.

In den USA ist nach Einschätzung der Umweltaktivisten eine aktivere Politik zur Einschränkung von Kohlekraftwerken zu beobachten. Mitte 2014 sollten dort zudem strengere Grenzwerte für bestehende Kohlekraftwerke in Kraft treten. Positiv sei auch die Entwicklung Marokkos, berichtet Germanwatch: Das arabische Land baue erneuerbare Energien wie Sonne und Windkraft stark aus, es liegt nun auf dem 15. Platz - vier Plätze vor Deutschland.

Mit Material von dpa und AFP

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insgesamt 71 Beiträge
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1. Kernenergie
Lebostein 18.11.2013
Wie wird die denn berücksichtigt? Sie produziert die schädlichsten Emissionen überhaupt...
2. Die haben nichts
stanislaus2 18.11.2013
Das sind n i c h t die Sittenwächter der Republik. Und die Medien sind nicht grünen Gesinnungskommissare. Die können und sollen ihre Meinung sagen, aber man kann deren indoktriniertes und indoktrinierendes Zeugs sowieso nicht mehr hören. Hier "vergessen" sie darauf hinzuweisen, dass ein Grossteil der Effekte auf der "Energiewende" beruht, die die Dreckschleudern von Kohlekraftwerken mit enormen CO²-Ausstoss reaktivierte. Diese Reaktivierung beruht auf ihrer eigenen Hysterie und Unfähigkeit, eine Sache bis zum Ende zu durchdenken. Wer die noch Ernst nimmt, wird jeden Paranoiker ernst nehmen.
3. Wenn man sich die reinen Zahlen anschaut,
Observer 18.11.2013
die persönliche Nicklichkeiten außer Acht lässt, kann für Deutschland objektiv eine Verbesserung der Zahlen festgestellt werden. Die Werte sind für ein führendes Industrieland (das zudem in erheblichem Maße für das Ausland produziert) im Vergleich sehr gut, und das ist schließlich, was zählt. Insoweit also: Danke, Deutschland. Der Rest ist ideologisches Gefasel.
4.
rob_t 18.11.2013
Kann mich den Vorgängern nur anschliessen. Es wird nichts so heiss gegessen, wie es gekocht wird. Dann ist es halt so. Auch das Kanada Beispiel ist weltfremd. Sollen die jetzt aufhören, das Öl aus dem Sand zu gewinnen? Das die Umwelt darunter leidet ist klar, aber die Welt braucht das Öl nunmal. Ich finde man sollte mit solchen Nachrichten entspannter umgehen und noch mal kräftig das Gaspedal treten, so lange es noch geht. Kein Scherz.
5. Germanwatch....
kenterziege 18.11.2013
Zitat von sysopDPASchlechte Note: In der Klimaschutz-Rangliste der Umweltorganisation Germanwatch fällt Deutschland von Platz 8 auf Platz 19 zurück. Grund dafür sei die Blockade-Haltung der Bundesregierung bei Energieeffizienz, Autoabgasbegrenzung und Emissionshandel. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/klimaschutz-index-rangliste-von-germanwatch-zu-energiepolitik-a-934149.html
....was sind das für selbsternannte Beobachter? Was die sagen, geht mir so richtig am Allerwertesten vorbei! Wir nehmen ad hoc etliche grundlastfähige Mailer vom Netz und glauben das völlig CO2-neutral kompensieren zu können! Wir haben heute mal wieder so einen diesigen November - Tag an dem weder die Photovoltaik noch der Wind einen nennenswerten Beitrag zum nicht speicherbaren Strom bringen! Ich will aber, dass alles funktioniert, bei mir zu Haus, im Büro, in der Fabrikhalle, im Krankenhaus und auf der Polizeistation, um nur einige zu nennen. Da ist mir in erster Näherung egal, wieviel CO2 wir produzieren. Und immer stereotypisch die Autos heranzuziehen, ist ja schon sehr einfach! Wer finanziert eigentlich so eine Organisation? Die nächsten sind dann Resch mir seiner Umwelthilfe, BUND und Greenpeace! Jeden Tag eine neue dramatische Nachricht, nur damit man im eigenen Interesse in die Presse kommt!
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