Internationale Rangliste Beim Klimaschutz bleibt Deutschland Mittelmaß

Deutschland betrachtet sich gern als globalen Öko-Vorreiter - landet aber im neuen Klimaschutz-Index der Umweltorganisation Germanwatch erneut nur im Mittelfeld. Der Grund ist paradoxerweise die Energiewende.

Braunkohle-Tagebau in Jänschwalde: Energiewende führt zu mehr Kohleverstromung
DPA

Braunkohle-Tagebau in Jänschwalde: Energiewende führt zu mehr Kohleverstromung


Es gab eine Zeit, als Deutschlands Platzierung im Klimaschutz-Index seinem Selbstbild entsprach: In den Ausgaben für die Jahre 2005 bis 2013 belegte es stets einen Platz unter den Top 10. Doch in der Rangliste für 2014 war Deutschland auf Rang 22 abgestürzt - und dort liegt es auch im Klimaschutz-Index 2015, der am Montag am Rande der Uno-Klimakonferenz in Lima vorgestellt wurde.

In seinem weltweit beachteten Ranking macht die Umweltorganisation Germanwatch dafür ausgerechnet die Energiewende verantwortlich. "Das sogenannte Energiewende-Dilemma - also der starke Anstieg der Kohleverstromung bei gleichzeitigem Ausbau der erneuerbaren Energien - zerstört bislang Deutschlands Klimabilanz", erklärt Germanwatch-Mitarbeiter Jan Burck, Autor des Berichts. Zwar habe sich die Klimapolitik der neuen Bundesregierung leicht verbessert, heißt es in dem Report. "Aber der Anteil erneuerbarer Energien ist nicht so stark gestiegen wie in den Jahren zuvor, als Deutschland in dieser Kategorie noch eine Spitzenposition belegte."

Die Bewertung der Staaten im Klimaschutz-Index (KSI) setzt sich aus fünf Kriterien zusammen:

  • Emissionsniveau (30 Prozent)
  • Entwicklung der Emissionen (30 Prozent)
  • Ausbau der erneuerbaren Energien (10 Prozent)
  • Energieeffizienz (10 Prozent)
  • Klimapolitik (20 Prozent)

Bewertet werden die 58 größten CO2-Emittenten, die zusammen für mehr als 90 Prozent des globalen Ausstoßes verantwortlich sind (siehe Tabelle unten).

Kein Land tut genug für den ersten Platz

Die ersten drei Plätze lässt Germanwatch auch in diesem Jahr unbesetzt - da kein Land genug tue, um die Erderwärmung auf zwei Grad gegenüber vorindustriellen Zeiten zu begrenzen. Rang vier unter den 58 bewerteten Ländern belegt wie im Vorjahr Dänemark, gefolgt von Schweden, Großbritannien, Portugal und Zypern. Allerdings belegen die EU-Länder nicht nur die oberen Plätze. So landen Polen und Bulgarien vor allem wegen ihres rigiden Festhaltens an der Kohle auf den Rängen 40 und 41.

Platzierung im Klimaschutz-Index 2015

Platzierung im Klimaschutz-Index2015

Der Bericht zeigt zudem, wie wenig Erfolge die internationale Klimapolitik trotz mehr als 20-jähriger Bemühungen vorzuweisen hat. Der Klimaschutz-Index 2015 zeige erneut einen Rekord bei den globalen energiebedingten CO2-Emissionen, erklärte Germanwatch. "Dieser Trend setzt sich nahezu ungebrochen seit der ersten Veröffentlichung des Index vor zehn Jahren fort."

Allerdings sieht die Umweltorganisation auch positive Tendenzen:

  • Die CO2-Emissionen wachsen zwar weiterhin, allerdings langsamer als zuvor.
  • Es gebe Anzeichen für eine Entkopplung des Treibhausgasausstoßes vom Wirtschaftswachstum und vom steigenden Primärenergieverbrauch. Das wäre enorm wichtig im Hinblick auf die großen Schwellenländer wie China oder Indien, deren Wirtschaft rasant wächst. Sollten die CO2-Emissionen weiterhin parallel dazu wachsen, wären wohl alle Klimaschutz-Anstrengungen zum Scheitern verdammt.
  • Der Sektor der erneuerbaren Energien wächst rasant. 51 der 58 im KSI untersuchten Länder zeigen einen positiven Trend für den Ausbau erneuerbarer Energien auf, meist mit Wachstumsraten im zweistelligen Bereich. Zugleich würden die Kosten schnell sinken. In manchen Fällen seien regenerative Energieträger bereits billiger als fossile.

In Deutschland verlaufe die Energiewende dagegen weiterhin schleppend, kritisiert Germanwatch. Ein Lichtblick sei der vergangene Woche vom Bundeskabinett beschlossene Klimaschutz-Aktionsplan. Er soll sicherstellen, dass Deutschland sein selbstgesetztes Ziel erreicht, seine CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Unter anderem sollen Kohle- und Gaskraftwerke 22 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich einsparen.

Der Aktionsplan, der über das Klimagesetz umgesetzt werden soll, konnte laut Germanwatch für den aktuellen Klimaschutz-Index nicht mehr berücksichtigt werden. "Bei Verabschiedung des Gesetzes und konsequenter Umsetzung des Gesamtprogramms hat Deutschland gute Chancen, im nächsten Klimaschutz-Index wieder einige Plätze zu klettern", so Burck. "Schon jetzt hat die Bundesregierung mit diesem Programm ein Zeichen gesetzt, das in Lima auf ein sehr positives Echo gestoßen ist."

Klimaschutz-Index 2015
Rang* Land Gesamt- punktzahl CO2-Emis- sionen Emissions- Entwicklung Erneuerbare Energien Energie- effizienz Klima- politik
4 Dänemark 77,76 21,46 24,57 4,54 7,23 19,97
5 Schweden 71,44 20,81 20,79 7,35 8,61 13,88
6 Vereinigtes Königreich 70,79 21,15 23,28 7,22 6,62 12,52
7 Portugal 67,26 22,67 19,95 3,38 7,70 13,55
8 Zypern 66,99 19,33 24,49 7,81 5,20 10,16
9 Marokko 65,73 28,49 12,79 2,43 4,80 17,22
10 Irland 65,15 20,30 26,68 7,55 6,63 3,99
11 Schweiz 65,05 21,86 17,57 2,90 7,99 14,72
12 Frankreich 64,11 21,31 20,71 3,15 7,78 11,15
13 Island 63,07 16,56 25,11 6,46 4,86 10,09
14 Ungarn 62,82 23,55 21,38 4,96 6,62 6,31
15 Slowakei 62,50 23,00 18,92 5,18 7,96 7,44
16 Belgien 61,89 16,93 18,56 8,05 5,55 12,79
17 Italien 61,75 21,61 21,84 6,47 6,29 5,54
18 Mexiko 61,30 24,82 16,95 0,97 4,76 13,80
19 Slowenien 60,99 19,89 19,71 5,62 5,53 10,25
20 Malta 60,84 22,06 15,98 8,05 5,56 9,19
21 Litauen 60,07 25,46 14,17 2,82 5,33 12,30
22 Deutschland 59,60 19,20 17,41 5,04 5,85 12,10
23 Indonesien 59,57 26,41 13,12 2,83 7,17 10,04
24 Ägypten 59,19 27,08 13,94 1,41 5,57 11,19
25 Rumänien 59,02 25,69 18,03 2,24 7,39 5,67
26 Tschechien 57,99 18,89 20,61 5,33 5,24 7,91
27 Norwegen 57,88 19,32 14,20 2,53 6,81 15,02
28 Spanien 57,34 21,31 24,19 1,85 7,85 2,14
29 Luxemburg 57,25 10,88 26,79 4,23 5,54 9,81
30 Ukraine 57,10 24,63 18,68 5,73 3,13 4,92
31 Indien 56,97 28,43 8,63 2,61 3,93 13,38
32 Finnland 56,76 16,00 20,83 2,77 6,00 11,17
33 Lettland 56,65 26,80 12,13 2,74 5,09 9,90
34 Kroatien 56,35 23,67 18,67 2,92 6,22 4,88
35 Griechenland 55,89 20,64 22,57 3,60 4,31 4,76
36 Österreich 55,39 18,75 18,22 3,90 6,91 7,61
37 Südafrika 54,63 20,24 16,15 3,92 2,45 11,87
38 Weißrussland 54,54 23,43 12,55 3,00 6,49 9,07
39 Algerien 54,46 26,30 11,52 0,01 3,21 13,42
40 Polen 54,36 20,98 14,91 6,75 5,77 5,94
41 Bulgarien 54,05 23,95 16,68 4,23 4,36 4,82
42 Niederlande 53,27 16,14 16,54 4,50 5,23 10,85
43 Neuseeland 52,56 17,56 19,92 4,81 6,96 3,30
44 USA 52,33 11,97 24,17 2,56 5,34 8,29
45 China 51,77 21,91 6,75 2,72 5,61 14,78
46 Estland 51,58 18,75 17,19 5,18 1,41 9,05
47 Thailand 50,61 24,74 11,52 2,68 4,92 6,74
48 Argentinien 49,61 20,24 12,53 1,48 7,09 8,27
49 Brasilien 48,51 21,53 10,28 3,71 5,74 7,24
50 Singapur 47,27 17,03 14,37 2,15 7,86 5,86
51 Türkei 46,95 25,23 13,70 3,25 4,37 0,41
52 Malaysia 46,84 17,58 13,51 1,83 5,07 8,85
53 Japan 45,07 17,38 17,01 2,10 4,43 4,15
54 Taiwan 45,03 13,20 17,43 3,52 6,72 4,16
55 Südkorea 44,15 11,67 8,23 6,08 3,28 14,88
56 Russland 43,39 16,81 12,13 0,37 3,36 10,73
57 Iran 40,99 19,08 10,98 0,19 3,88 6,87
58 Kanada 38,81 10,63 20,23 1,55 4,74 1,66
59 Kasachstan 37,72 14,80 12,43 1,25 1,40 7,83
60 Australien 35,57 10,38 18,23 0,71 4,37 1,88
61 Saudi-Arabien 24,19 7,27 5,34 1,49 4,01 6,08

* Germanwatch beginnt sein offizielles Ranking erst ab Platz vier, da kein Land die ersten drei Plätze verdient habe.
Quelle: Germanwatch / IEA


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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 69 Beiträge
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Seite 1
Olaf 08.12.2014
1.
Da ist nichts paradox. Das passiert wenn man auf Dummköpfe hört, die etwas von riesigen Gefahren und Verschwörungen faseln, die sie als einzige in der Welt durchschaut haben.
Wolffpack 08.12.2014
2.
Paradox ist das nicht. Das ist die Auswirkung von rein populistischer Angstpolitik, die auf schnell schnell durchgedrückt wird*. Verschlingt Milliarden und schadet nur. *=Und wovon Teile davon ironischerweise wieder an irgendwelchen Wutbürgern hängen bleibt, weil "ich will kein xyz in meiner Nähe, aber Strom automagisch in der Dose!".
hansulrich47 08.12.2014
3. Mittelmaß ist nicht schlimm!
Da denken wieder einige Leute, wir Deutsche sollten die Welt retten. Da daraus aber nichts wird, dazu ist Deutschland zu klein, sind China, die USA und Indien zu groß, bringt das ganze Theater so oder so nichts!!! Deshalb, Mittelmaß bei etwas Überflüssigem zu sein ist alles andere als schlimm. Ich würde sogar sagen: Ist GUT!
Wolffpack 08.12.2014
4.
Noch ein Addendum: Die Karte ist falsch. Man betrachte USA (komplett grün, sollte also weit oben sein) ist aber 44. Die Türkei ist auch grün obwohl ebenfalls ganz unten. Bitte vlt mal ansatzweise die Grafik kontrollieren bevor die reingestellt wird.
kdshp 08.12.2014
5.
DAS war alles bekannt und wurde auch diskutiert!
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