Klimaschutz-Verhandlungen Gespräche in Bonn enden ergebnislos

Enttäuschung in Bonn: Eine fünftägige Uno-Klimakonferenz hat keine Fortschritte gebracht. Eigentlich hätte zumindest ein Minimalkompromiss für den Weltklimagipfel in Cancún ausgehandelt werden sollen. Doch am Ende gab es nur frustrierte Diplomaten.

Uno-Klimadiplomatin Christiana Figueres: Paket aus Einzelvereinbarungen angestrebt
dpa

Uno-Klimadiplomatin Christiana Figueres: Paket aus Einzelvereinbarungen angestrebt


Bonn - Jonathan Pershing bemühte sich, das diplomatische Protokoll zu wahren. "Einige Länder", so sagte der erfahrene US-Unterhändler nach fünf frustrierenden Tagen in Bonn, "bewegen sich hinter die Fortschritte von Kopenhagen zurück und hinter das, was dort vereinbart worden war."

Pershing wollte die aus seiner Sicht Schuldigen nicht beim Namen nennen. Allerdings sagte er, dass es wichtige Entwicklungsländer seien, die nicht einmal mehr wie in Kopenhagen versprochen das Wachstum ihrer CO2-Emissionen unter Kontrolle bringen wollten. China, Indien, Brasilien und Südafrika hatten unlängst nach einem Treffen wenig Bereitschaft erkennen lassen, auf westliche Forderungen einzugehen.

Die Bonner Konferenz war das vorletzte große Vorbereitungstreffen vor dem Uno-Klimagipfel, der im Dezember im mexikanischen Cancún stattfinden soll. Inzwischen scheint klar, dass ein umfassender Weltklimavertrag in den verbleibenden vier Monaten nicht zu erwarten ist. Zu verfahren sind die Verhandlungen. Bei Kernpunkten wie der Treibhausgasminderung und den Finanzhilfen für ärmere Länder gibt es keine nennenswerte Bewegung. Der Umstand, dass die USA noch immer kein Klimagesetz auf den Weg gebracht haben, tut sein Übriges. Delegierte wie Dessima Williams aus Granada, die für die Inselstaaten spricht, prangern das auch offen an.

Die mexikanischen Gastgeber und das Uno-Klimasekretariat unter seiner neuen Chefin Christiana Figueres streben in Cancún offiziell ein Paket von Teilvereinbarungen an, das die Basis für ein späteres Abkommen sein soll. Doch selbst dieses kleine Paket, das wohl eher ein Päckchen wird, ist alles andere als gesichert. Denn anders als im Dezember 2009 in Kopenhagen wird es in Mexiko angesichts der geringen Erfolgsaussichten wohl nur Ministerverhandlungen geben. Die Staats- und Regierungschefs werden sich wahrscheinlich nicht sehen lassen, wie der mexikanische Delegationsleiter Luis Alfonso de Alba Góngora inzwischen signalisiert hat.

"Die Chancen tendieren gegen Null"

Weiter unklar ist, was für ein Abkommen die Staaten vor Augen haben. Die Optionen reichen von einem neuen Weltklimavertrag bis zu mehreren kleineren Abkommen, wobei auch noch die rechtliche Verbindlichkeit ungeklärt ist. Bei allen offenen Fragen ist indes eines klar: Die Uhr tickt. Ende 2012 läuft die erste Phase des Kyoto-Protokolls von 1997 aus. Wie es mit dem Protokoll weitergehen soll, ist noch immer offen.

"Die Chancen für ein Folgeabkommen in Cancún tendieren nach den Bonner Verhandlungen gegen Null", sagte der Chef der Internationalen Klimapolitik von Greenpeace, Martin Kaiser. In Bonn seien "viel zu wenig Fortschritte erzielt worden", beklagte auch Christoph Bals, der Politische Geschäftsführer der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch. "Es wird nun schwer sein, in Cancún selbst die anvisierten Teilvereinbarungen zu erreichen."

Vor dem Gipfel in Mexiko gibt es nur noch eine offizielle Vorbereitungsrunde im Oktober. Sie findet in Tianjin in China statt. Die Klimadiplomaten werden dort über einen 34-seitigen Textentwurf sprechen - das magere Ergebnis von Bonn.

chs/dpa/ap/reuters

insgesamt 396 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
AndyH 12.12.2009
1.
Zitat von sysopDie Politik des US-Präsidenten Barack Obama soll auch eine Neuorientierung beim Umwelt- und Klimaschutz einschließen. Wie beurteilen Sie die Erfolgsaussichten dieses angestrebten Wandels? Sind die USA gegen alle Widerstände stark genug, um "grün" zu werden? Diskutieren Sie mit!
Deutschland hat Rot Grün auch überlebt, aber die Schäden wird noch lange tragen müssen. Die USA kann "grünW werden, aber dann ist sie ihre Rolle als Weltmacht los. Krieg werden sie weiter führen, wie Rot-Grün in D auch getan hat, aber wirtschaftlich sacken sie weiter ab. Grüne USA = Aufstieg Chinas zur Weltmacht, bzw. China beherrscht Asien und Afrika, sowie die "Sozialisten" in Südamerika.
forumgehts? 12.12.2009
2.
Zitat von sysopDie Politik des US-Präsidenten Barack Obama soll auch eine Neuorientierung beim Umwelt- und Klimaschutz einschließen. Wie beurteilen Sie die Erfolgsaussichten dieses angestrebten Wandels? Sind die USA gegen alle Widerstände stark genug, um "grün" zu werden? Diskutieren Sie mit!
Das Echo bis jetzt - 13:33 - ist wohl Antwort genug.
Gebetsmühle 12.12.2009
3.
Zitat von AndyHDeutschland hat Rot Grün auch überlebt, aber die Schäden wird noch lange tragen müssen. Die USA kann "grünW werden, aber dann ist sie ihre Rolle als Weltmacht los. Krieg werden sie weiter führen, wie Rot-Grün in D auch getan hat, aber wirtschaftlich sacken sie weiter ab. Grüne USA = Aufstieg Chinas zur Weltmacht, bzw. China beherrscht Asien und Afrika, sowie die "Sozialisten" in Südamerika.
deutschland trägt grad noch an den schäden den dilettantische bänkster angerichtet ham. und das noch die nächsten 20 jahre. die usa werden nie grün, weil sie dafür viel zu gierig sind. die wollen lieber untergehn.
irobot 12.12.2009
4.
---Zitat--- Sind die USA stark genug, um "grün" zu werden? ---Zitatende--- Das ist keine Frage der Stärke, sondern der Einstellung. So lange viele US-Amerikaner es ihr für gottgegebenes Recht halten, viermal mehr Energie als zum ein Deutscher zu verbrauchen, wird sich nichts ändern.
DerReimlicheKlappitalist 12.12.2009
5. Vielleicht hilft's, wenn ...
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,666734,00.html er sich bei seiner Oba-Ma einmal richtig ausweint.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.