Klimaschutzziele Britische Wirtschaft will klimafreundlich werden

Erst die Regierung, nun auch die Wirtschaft: In einem gemeinsamen Report haben Vertreter der größten und wichtigsten Wirtschaftsunternehmen Großbritanniens erklärt, ihre CO2-Emissionen drastisch senken zu wollen. Bei den eigenen Bürogebäuden und Firmenwagen wolle man beginnen.


Ist es nur eine neue PR-Strategie? Oder hat Großbritanniens Wirtschaft hat den Klimawandel tatsächlich als Herausforderung anerkannt? In einem Report der britischen Wirtschaftsvereinigung Confederation of British Industry (CBI) verkünden 18 Firmenchefs, unter ihnen die der British Airways, Tesco, BT, Shell und Ford, "alles zu tun", um den Klimawandel in den Griff zu bekommen. Das berichtet die britische Zeitung "Guardian" in ihrer Online-Ausgabe.

British Airways: Neue Produkte und neue Services sollen den Kunden ermöglichen, ihre CO2-Emissionen bis 2020 zu halbieren.
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British Airways: Neue Produkte und neue Services sollen den Kunden ermöglichen, ihre CO2-Emissionen bis 2020 zu halbieren.

Die Vertreter der CBI versprechen, neue Produkte und Services zu entwickeln, mit deren Hilfe die Kunden ihre CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 halbieren können. Das große Ziel laut Report sei es aber, Großbritanniens CO2-Emissionen bis 2050 um 60 Prozent zu senken. Die britische Regierung peilt sogar eine Reduktion um 80 Prozent an, wie Premierminister Gordon Brown kürzlich erklärte.

In der CBI sind rund achtzig Prozent der wichtigsten börsennotierten Unternehmen Großbritanniens vertreten. Der Report wurde auf der Webseite der CBI veröffentlicht.

Die britische Industrie müsse den Klimawandel ernst nehmen, heißt es in dem Report und Großbritanniens Wirtschaft ihren Ansatz fundamental ändern. Man wolle mit der Regierung zusammenarbeiten, um CO2-Einsparprojekte besser zu integrieren und Investitionen in die Erforschung neuer Technologien effizienter zu gestalten.

Beim CO2-Sparen will die CBI auch ganz direkt aktiv werden: Die Emissionen der Bürogebäude und Firmenwagen sollen reduziert und die weltweit insgesamt zwei Millionen Angestellten der CBI-Unternehmen dabei unterstützt werden, ihre CO2-Emissionen bei der Arbeit und zu Hause zu senken.

Plötzlicher Sinneswandel

Klimaschützer sind über den Sinneswandel der britischen Wirtschaft verblüfft: Simon Bullock, Kampagnenleiter der Umweltschutzorganisation "Friends of the Earth", sagte: "Die Position der CBI ist nicht wiederzuerkennen. Den Klimawandel in den Griff zu bekommen, gilt nun als große wirtschaftliche Chance für viele Unternehmen, um neue Arbeitsplätze zu schaffen. Die reflexartige Gegenwehr zu Umweltschutzmaßnahmen und Umweltsteuern ist weg." Vor nur wenigen Jahren habe das laut Bullock anders ausgesehen. Klimaschutzmaßnahmen seien von der Wirtschaft als größere Bedrohung angesehen worden als der Klimawandel selbst.

Erst kürzlich hatte der britische Premierminister Gordon Brown eine ehrgeizige Reduzierung der Treibhausgase bis zur Mitte des Jahrhunderts angekündigt. Demnach soll der Ausstoß von Treibhausgasen in Großbritannien bis zum Jahr 2050 um 80 Prozent gegenüber 1990 gesenkt werden. Das bisherige Ziel der Regierung waren 60 Prozent gewesen. Zuvor hatte ein Bericht des "Guardian" Verwirrung ausgelöst. Darin hieß es, dass die britische Regierung die bei dem letzten EU-Gipfel vereinbarten Reduktionsziele torpedieren könnte. John Hutton, britischer Wirtschaftsminister, eine Kehrtwende beim Klimaschutz. Klimaschutzmaßnahmen seien nach seinen Berechnungen zu teuer.

Letztes Jahr hatte die britische Regierung im Stern-Report die ökonomischen Folgen der globalen Erwärmung untersuchen lassen. Der Leiter der Studie, Nicholas Stern, kam darin zu dem Ergebnis, dass mit einer jährlichen Investition von rund einem Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts - etwa 270 Milliarden Euro - die schlimmsten Folgen des Klimawandels abgewendet werden könnten. Nichtstun käme wesentlich teurer: Schlimmstenfalls könnte, laut Berechnungen Sterns, der Klimawandel 20 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung oder 5,5 Billionen Euro kosten.

lub

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