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Klimaschwankungen: Beringstraße bestimmte Weltklima

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Kleine Ursache, große Wirkung: Eine schmale Meerenge hat einer neuen Studie zufolge 70.000 Jahre lang das Weltklima bestimmt. Am Beispiel der letzten Eiszeit haben Wissenschaftler jetzt einen Verdächtigen identifiziert: die 85 Kilometer enge Beringstraße zwischen Russland und Alaska.

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Beringstraße: Schaltstelle des Weltklimas
Vor 120.000 Jahren begann die letzte Eiszeit, weltweit rückten Gletscher vor. Allerdings schrumpften die Eiszungen regelmäßig wieder, obwohl sich der vorherrschende Klimafaktor - die Sonneneinstrahlung - kaum verändert hatte. Wissenschaftler hat dieses Phänomen lange vor Rätsel gestellt. Jetzt macht ein Forscherteam das rhythmische Öffnen und Schließen der Beringstraße für die Klimaschwankungen verantwortlich.

Die internationale Gruppe um Aixue Hu vom National Center of Atmospheric Research in Boulder (US-Bundesstaat Colorado) hat das Eiszeitklima am Computer simuliert: Einmal ließen die Wissenschaftler die Simulation mit geöffneter, einmal mit geschlossener Beringstraße ablaufen. Diese Änderung könne den Klimaverlauf der Eiszeit erklären, schreiben die Experten nun im Fachblatt "Nature Geoscience".

Zu Beginn der Eiszeit fiel die Meerenge demnach zunächst trocken, weil der Meeresspiegel weltweit um Dutzende Meter abgesunken war. Immer mehr Wasser wurde in Gletschern gespeichert, die Kälte ließ es gefrieren.

Die Beringstraße fungiert als Nadelöhr zwischen Pazifik und dem Polarmeer. Sobald der Durchfluss in der schmalen Wasserstraße unterbrochen ist, ändert sich die Zusammensetzung polarer Wassermassen auf entscheidende Weise - sie werden immer salziger: Die fehlende Zufuhr von Pazifikwasser, das vergleichsweise wenig Salz enthält, erhöht den Salzgehalt der Polarmeere.

In den Simulationen floss das Wasser auch in den ans Polarmeer grenzenden Nordatlantik - es wirkte wie ein Beschleuniger für die dortige Wärmepumpe. Im Nordatlantik sanken Unmengen Wasser zu Boden, der Sog zog warmes Wasser aus dem Süden in die Region. Die milde Strömung - der Golfstrom - war während der Eiszeit deutlich geschwächt.

Nach dem simulierten Schließen der Beringstraße jedoch verstärkte das Salzwasser aus dem Norden den Sog vorübergehend: Der hohe Salzgehalt erhöhte das Gewicht des Wassers im Nordatlantik, so dass es verstärkt in die Tiefe stürzte - der Zufluss von Wasser aus dem Süden intensivierte sich. Das warme Wasser milderte das Klima, die Gletscher zogen sich zurück. Ihr Schmelzwasser hob den Meeresspiegel, die Beringstraße wurde wieder geflutet.

Nun schwenkte die Klimawippe wieder zur anderen Seite: Es floss wieder Pazifikwasser ins Polarmeer, der Salzgehalt fiel, so dass sich der Golfstrom abschwächte. Das Klima kühlte sich wieder ab, die Gletscher rückten vor. Diese Ergebnisse zeigten, dass kleine Ursachen im Klimasystem einer große Wirkung haben könnten, sagt Aixue Hu, Hauptautor der Studie.

Noch größeren Einfluss soll vor rund dreieinhalb Millionen Jahren die Schließung der Meerenge von Panama gehabt haben - ein ehemaliger Seeweg zwischen Atlantik und Pazifik. Eine Erdplatte - das heutige Nicaragua - hatte sich damals zwischen Nord- und Südamerika geschoben und verriegelte die Meerenge. Das Erdklima veränderte sich entscheidend. Anstatt in den Pazifik zu fließen, staute sich das Atlantikwasser in der Karibik, erwärmte sich im Golf von Mexiko und strömte als Golfstrom nach Norden.

Die warme Strömung setzte paradoxerweise das Eiszeitalter in Gang, denn aus dem warmen Golfstrom verdunstete im Nordatlantik viel mehr Wasser als vorher. Die Feuchtigkeit schwebte schließlich als Schnee über Grönland, Kanada und Nordeuropa herab. Die Schneemassen reflektierten Sonnenlicht ins Weltall, und die Erde kühlte sich ab.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 103 Beiträge
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1. notwendig ungleich hinreichend
Maschinchen, 11.01.2010
Zitat von sysopKleine Ursache, große Wirkung: Eine schmale Meerenge hat einer neuen Studie zufolge 70.000 Jahre lang das Weltklima bestimmt. Am Beispiel der letzten Eiszeit haben Wissenschaftler jetzt einen Verdächtigen identifiziert: die 85 Kilometer enge Beringstraße zwischen Russland und Alaska. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,671250,00.html
Diese Meldung wird sicherlich wieder den einen oder anderen Skeptiker auf den Plan rufen, der hier einen Beweis sieht, dass die rezente globale Erwärmung nicht anthropogen sein kann.
2. ...
medienquadrat, 11.01.2010
Zitat von sysopKleine Ursache, große Wirkung: Eine schmale Meerenge hat einer neuen Studie zufolge 70.000 Jahre lang das Weltklima bestimmt. Am Beispiel der letzten Eiszeit haben Wissenschaftler jetzt einen Verdächtigen identifiziert: die 85 Kilometer enge Beringstraße zwischen Russland und Alaska. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,671250,00.html
wenn das alles so stimmt, dann könnte man doch wieder diese riesigen geostationären Reflektoren ins Gespräch bringen, um partielle und temporär, mit gezieltem Abschmelzen ein wenig Einfluss auf das Geschehen zu nehmen.
3. Also ist der Bering schuld!?
politicker 11.01.2010
Zitat von sysopKleine Ursache, große Wirkung: Eine schmale Meerenge hat einer neuen Studie zufolge 70.000 Jahre lang das Weltklima bestimmt. Am Beispiel der letzten Eiszeit haben Wissenschaftler jetzt einen Verdächtigen identifiziert: die 85 Kilometer enge Beringstraße zwischen Russland und Alaska. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,671250,00.html
Diese, sehr logisch klingende Theorie erklärt so ganz nebenbei auch, wieso erst die globalen Temperaturen stiegen oder fielen und die CO²-Konzentration, mit Jahrhunderte langem Abstand, der globalen Temperaturkurve hinterher läuft. Tschüss CO²-Hysteriker.
4. Wurde der "Klimaexperte" Norbert Röttgen schon informiert?
NoMaHu 11.01.2010
Zitat von sysopKleine Ursache, große Wirkung: Eine schmale Meerenge hat einer neuen Studie zufolge 70.000 Jahre lang das Weltklima bestimmt. Am Beispiel der letzten Eiszeit haben Wissenschaftler jetzt einen Verdächtigen identifiziert: die 85 Kilometer enge Beringstraße zwischen Russland und Alaska. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,671250,00.html
Hoffentlich hat jetzt die Schellenhuberei ein Ende!
5. Kleine Ursache / Große Wirkung
dehnübung 11.01.2010
Forscher der Chaostheorie behaupten, dass ein Schmetterling in einigen tausend Kilometer Entfernung einen Hurrikan auslösen kann. Die Milliarden Tonnen CO2 die wir in die Luft blasen sind sicherlich mehr, als der Flügelschlag eines Schmetterlings.
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