Klimastatistik: Monatliche Hitzerekorde haben sich verfünffacht

Heißester August aller Zeiten - Meldungen wie diese sind in den vergangenen Jahrzehnten immer häufiger geworden, berichten Forscher aus Potsdam. 80 Prozent aller von Wetterstationen gemessenen Rekorde weltweit sind demnach vom Klimawandel verursacht.

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PIK

Statistik: Die Skala zeigt, um welchen Faktor Hitzerekorde zugenommen haben

Berlin - Das Wetter ist launisch, kein August ist wie der andere. Mal messen Meteorologen fast exakt den langjährigen monatlichen Mittelwert, mal ist es deutlich zu kühl, mal viel zu warm. Die monatlichen Mittelwerte schwanken von Jahr zu Jahr - doch immer öfter messen Meteorologen einen neuen Monatsrekord an Messstationen. Ein Rekord ist erreicht, wenn der Mittelwert eines Monats über allen jemals an dieser Station gemessenen Mittelwerten desselben Monats liegt.

Forscher vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) haben nun monatliche Mittelwerte von mehr als 12.000 Messpunkten weltweit statistisch untersucht. Die Zeitreihen umfassen bis zu 131 Jahre und stammen von der US-Raumfahrbehörde Nasa. Dabei stellten Dim Coumou und seine Kollegen fest, dass die Anzahl der jährlich verzeichneten Rekorde stark zugenommen hat.

Im Schnitt kommen Rekord-Hitzemonate heute weltweit fünfmal öfter vor, als ohne die globale Erwärmung zu erwarten wäre, berichten die Forscher im Fachblatt "Climatic Change". In Teilen Europas, Afrikas und Südasiens habe sich die Zahl der monatlichen Rekorde sogar verzehnfacht. 80 Prozent der beobachteten monatlichen Spitzenwerte sind nach Berechnungen der Forscher allein durch den Einfluss des Menschen auf das Klima zu erklären.

Selbst ohne Erderwärmung gäbe es immer mal wieder neue Rekorde an Messpunkten rund um den Erdball. Das liegt unter anderem an natürlichen Schwankungen, hervorgerufen beispielsweise durch das Phänomen El Niño oder wechselnde Aktivitäten der Sonne. Derzeit überlagern sich steigende Temperaturen infolge des Klimawandels weltweit mit den natürlichen Schwankungen, was in El-Niño-Jahren zu besonders vielen Temperaturrekorden führt.

Die Potsdamer Wissenschaftler wagen mit ihrem statistischen Modell auch Prognosen über künftige Temperaturrekorde. Sie rechnen in 30 Jahren mit zwölfmal mehr monatlichen Temperaturrekorden an Messstationen als ohne Klimawandel. Bei dieser Prognose sind die Forscher davon ausgegangen, dass die Schwankungen der Temperaturen in 30 Jahren ähnlich groß sind wie heute - nur die Mittelwerte sind wegen der Erderwärmung höher.

"Statistiken allein können uns nichts über die Ursache einzelner Hitzewellen sagen", betonte Stefan Rahmstorf, Co-Autor der Studie, "aber sie zeigen uns eine große und systematische Zunahme der Anzahl von Hitzerekorden durch den Klimawandel."

hda

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1.
hxk 14.01.2013
Zitat von sysopPIKHeißester August aller Zeiten - Meldungen wie diese sind in den vergangenen Jahrzehnten immer häufiger geworden, berichten Forscher aus Potsdam. 80 Prozent aller von Wetterstationen gemessenen Rekorde weltweit sind demnach vom Klimawandel verursacht. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/klimastatistik-monatliche-hitzerekorde-haben-sich-verfuenffacht-a-877476.html
Ach ja? Wie kommt es dann, dass die Temperaturen seit 15(!) nicht mehr steigen? Liegt vermutlich daran, dass nicht überall seit 200 Jahren die Temperaturen gemessen werden. Oder daran, dass die ganz und gar nicht von Menschen verursachte 'Kleine Eiszeit' (http://en.wikipedia.org/wiki/Little_Ice_Age) erst 1850 zu Ende ging und wir uns wieder in einer auch nicht von Menschen gemachten Warmphase (http://en.wikipedia.org/wiki/Medieval_Warm_Period) befinden.
2. Wo ist eigentlich das Problem
erich61 14.01.2013
Zitat von hxkAch ja? Wie kommt es dann, dass die Temperaturen seit 15(!) nicht mehr steigen? Liegt vermutlich daran, dass nicht überall seit 200 Jahren die Temperaturen gemessen werden. Oder daran, dass die ganz und gar nicht von Menschen verursachte 'Kleine Eiszeit' (http://en.wikipedia.org/wiki/Little_Ice_Age) erst 1850 zu Ende ging und wir uns wieder in einer auch nicht von Menschen gemachten Warmphase (http://en.wikipedia.org/wiki/Medieval_Warm_Period) befinden.
mit einer anthropogenen Erderwärmung? Mal angenommen, alles wäre im grünen bzw. erklärbaren Bereich, also nicht anthropogen, was müsste sich denn ändern, bzw. nicht verändern? Kein Geld mehr für Forschung? Kein Alarmismus? Keine Steuern für Emissionen und keine Abgaben mehr? Was sonst oder was noch? Geht es genauer?
3. Eine wirklich bahnbrechende Arbeit
Delago 14.01.2013
Was wissen wir? 1. Die "globale" Temperatur stieg seit 1850 um etwa 1°. 2. Die Temperatur stagniert seit Ende der 90er Jahre. 3. Die Temperaturrückgänge zwischen 1880 und 1910, seit 1945 und 1975 sowie die Stagnation seit ~14 Jahren sind klarer Beweis dafür, dass es auch andere signifikante Einflussgrößen auf die Temperatur als die CO2-Konzentration gibt. 4. Weitgehender Konsens besteht darin, dass sich bei Verdopplung der CO2-Konzentration die Temperatur um ca. 1° erhöht. Durch den Konzentrationsanstieg von ~280 ppm auf derzeit ~385 ppm hat sich die Temperatur demzufolge um ~0.45° erhöht 5. Die globale Konzentration von Wasserdampf hat sich in den letzten 150 Jahren nicht signifikant geändert. Daher finden zur Zeit kaum positive Rückkopplungen statt, die zu einer weiteren Erhöhung der AGW führt. 6. Dadurch, dass die letzten eineinhalb Dekaden etwa konstante Temperaturen aufweisen, die das Maximum der letzten 150 Jahre bilden, ist es zu erwarten, dass die Jahre mit Hitzerekorden hauptsächlich in dieser Periode zu finden sind. Daher ist die "Erkenntnis" des PIK alles andere als überraschend. Wenn ein Herr Rahmstorf von vornherein annimt, dass praktisch die gesamte Erwärmung anthropogen ist, dann kommt natürlich sein Ergebnis heraus, dass 80% dieser Rekorde menschengemacht ist. Zirkelschluss nennt man sowas.
4.
Hermes75 14.01.2013
Zitat von hxkAch ja? Wie kommt es dann, dass die Temperaturen seit 15(!) nicht mehr steigen? Liegt vermutlich daran, dass nicht überall seit 200 Jahren die Temperaturen gemessen werden. Oder daran, dass die ganz und gar nicht von Menschen verursachte 'Kleine Eiszeit' (http://en.wikipedia.org/wiki/Little_Ice_Age) erst 1850 zu Ende ging und wir uns wieder in einer auch nicht von Menschen gemachten Warmphase (http://en.wikipedia.org/wiki/Medieval_Warm_Period) befinden.
Durch ständiges Wiederholen wird dieses Argument auch nicht richtiger. Das Jahr 1997 war ein außergewöhnlich warmes Jahr und nun versuchen die Klimawandel-Leugner den Erwärmungstrend dadurch wegzudiskutieren, dass sie die aktuellen Temperaturen mit einem einzelnen Rekordjahr vergleichen. Das ist sowas von albern... Und nein, kein ernsthafter Wissenschaftler würde behaupten, dass der Mensch nichts mit dem Klimawandel zu tun hat. Die Frage ist höchstens noch wie groß der Anteil des Menschen ist. Die Entwicklung des CO2-Gehalts in der Atmosphäre ist ganz eindeutig das Ergebnis menschlicher Aktivität. Genauso wie Methan, FKWs und viele andere Chemikalien.
5. Einfache Lösung
n+1 14.01.2013
Das PIK zumachen. Es kommt sehr, sehr selten vor. Aber in diesem Fall ist es so, dass mit dem Symptom auch die Ursache verschwindet. Was haben wir uns in den letzten Jahrzehnten nicht alles anhören müssen: Das Waldsterben Den bis zur totalen Verwüstung sinkenden Grundwasserspiegel Den Ozonalarm (da sollte Tempo 90 flächendeckend eingeführt werden) Dann wurde eine neue Eiszeit prophezeit. Und jetzt eine Erderwärmung, natürlich in der Version Klimakatastrophe. Jeder Politiker, der mit seinen eigentlichen Aufgaben überfordert ist, stürzt sich auf die Welt-Klimarettung.
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