Klimastudie Ostsee-Region erwärmt sich schneller als Erde insgesamt

Im 20. Jahrhundert sind die Temperaturen im Ostsee-Raum um ein Zehntel Grad mehr gestiegen als auf der gesamten Erde im Durchschnitt. Klimaforscher gehen davon aus, dass sich die Werte in der Region bis 2100 um vier bis sechs Grad erhöhen könnten, sofern die Menschheit ihr Verhalten nicht ändert.


Geesthacht - Die Erwärmung im vergangenen Jahrhundert habe 0,85 Grad betragen und liege damit um 0,1 Grad über der mittleren globalen Temperaturerhöhung, teilte der Leiter des Instituts für Küstenforschung am GKSS-Forschungszentrum Geesthacht, Hans von Storch, in Hamburg mit. Die Erwärmung der Luft sei im nördlichen Ostsee-Bereich mit einem Grad stärker gewesen als mit 0,7 Grad im südlichen Bereich.

Strandkörbe an der Ostsee (Timmendorfer Strand): Weniger Regen im Sommer
AP

Strandkörbe an der Ostsee (Timmendorfer Strand): Weniger Regen im Sommer

Die Ergebnisse stammen aus dem am heutigen Montag veröffentlichten BACC-Berichts(Assessment of Climate Change for the Baltic Sea Basin), mit dem der Klimawandel in der Ostsee-Region dokumentiert und untersucht wird. "Der BACC-Bericht ist eine regionale Variante des vom Weltklimarat veröffentlichten IPCC-Reports zur globalen Klimaänderung", sagte von Storch, der das Projekt mit initiiert hat. 80 Wissenschaftler aus 13 europäischen Ländern waren an der Ausarbeitung beteiligt.

"Sofern deutliche Klimaschutzmaßnahmen nicht gelingen sollten, wäre es plausibel, dass die Lufttemperaturen am Ende dieses Jahrhunderts um maximal vier bis sechs Grad Celsius im nördlichen Ostsee-Raum und um drei bis fünf Grad Celsius im südlichen Gebiet - dazu zählen große Teile Polens und Ostdeutschlands - steigen werden", heißt es in einer Pressemiteilung des GKSS-Forschungszentrums. In der Folge würde die winterliche Eisbedeckung der Ostsee um möglicherweise 50 bis 80 Prozent abnehmen.

Für das Wasser der Ostsee zeigen die Simulationen einen möglichen Anstieg der Oberflächentemperatur um zwei bis vier Grad Celsius bis zum Jahr 2100. Der IPCC rechnet mit einem Anstieg des Meeresspiegels um 20 bis 60 cm zum Ende des Jahrhunderts, manche Forscher prognostizieren jedoch auch 1,8 Meter. Im Falle der Ostsee werde der Anstieg aber überlagert von Landsenkung und -hebung. Im Süden rechnen die Forscher tatsächlich mit einer Erhöhung der Wasserpegel, im Norden werden diese laut BACC-Bericht jedoch teilweise von natürlichen Landhebungen kompensiert.

Die Experten erwarten auch eine Veränderung der Niederschläge. Im Winter können diese zwischen 25 und 75 Prozent zunehmen, im Sommer ist mit einer Abnahme um bis zu 45 Prozent zu rechnen. Folgen hätten die Veränderungen auch für Tiere und Pflanzen. So könnte ein abnehmender Salzgehalt sommerliche Algenblüten verschärfen. Das Bundesamt für Naturschutz hatte erst vor wenigen Tagen gewarnt: Der Klimawandel könnte 30 Prozent der in Deutschland lebenden Tier- und Pflanzenarten verschwinden lassen.

Von Storch mahnte einen sensiblen Umgang mit wissenschaftlichen Ergebnissen an: "Klimaszenarien sind plausibel, aber oftmals vereinfachte Beschreibungen möglicher Zukünfte. Eindeutige Vorhersagen sind dies jedoch nicht". Es gebe weiteren Forschungsbedarf für den Ostseeraum. In fünf Jahren ist eine Aktualisierung des BACC-Berichts geplant.

hda/dpa



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