Klimawandel Afrikas Gletscher verschwinden in 20 Jahren

Die ersten Bohrkerne aus dem Gletscher des Kilimandscharo offenbaren überraschende Einblicke in die Klimageschichte Afrikas. Doch das eisige Archiv könnte schon bald für immer verloren sein.


Gletscherzunge am Kilimandscharo: Massiver Rückzug
Lonnie Thompson

Gletscherzunge am Kilimandscharo: Massiver Rückzug

Die Zeit läuft: Sollten sich die gegenwärtigen klimatischen Bedingungen nicht ändern, könnten die Gletscher des Kilimandscharos, mit 5895 Metern der höchste Berg Afrikas, spätestens 2020 verschwunden sein - zum ersten Mal seit 12.000 Jahren. Schon heute nimmt die Dicke der Eismassen pro Jahr um rund einen halben Meter ab, wie ein internationales Forscherteam in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Science" schreibt. Die Wissenschaftler um Lonnie Thompson von der Ohio State University konnten damit Vermutungen über die Folgen der globalen Erwärmung präzisieren, die Kollegen bereits im vergangenen Jahr aufgestellt hatten.

Eigentlich hatten sich die Geologen, als sie im Jahr 2000 nach Afrika aufbrachen, auf die Suche nach ganz anderen Informationen gemacht. Ziel der Expedition war es, zum ersten Mal Bohrkerne aus den Gletschern des Kilimandscharos zu gewinnen, um auf diese Weise Neues über die klimatischen Veränderungen der Vergangenheit zu erfahren. Wie wichtig dieses dahinschmelzende Klimaarchiv ist, zeigen die jetzt veröffentlichten Daten.

Eisbedeckter Kilimandscharo: Nur noch 20 Jahre?
Lonnie Thompson

Eisbedeckter Kilimandscharo: Nur noch 20 Jahre?

Die zusammen 215 Meter langen Bohrkerne, die in über 5800 Meter Höhe aus dem Eis gezogen wurden, zeigen eindrucksvoll, dass die Gegend rund um den Kilimandscharo vor 9500 Jahren deutlich feuchter war als heute. 1200 Jahre später erwärmte sich die Luft allerdings drastisch, viele Seen in Afrika trockneten aus.

Auch vor rund 5200 wurde die Gegend offensichtlich von einer Trockenperiode heimgesucht, wie die Analyse von Methan- und Sauerstoffmolekülen im Eis zeigt. Diese zweite, kühlere Trockenheit fällt dabei, so Thompson, zeitlich genau mit dem Niedergang der afrikanischen Jäge- und Sammlerkulturen zusammen; die Menschen bauten Städte und entwickelten soziale Strukturen. Eine letzte Trockenperiode überzog den Kontinent vor rund 4000 Jahren. Erst seit dieser Zeit können Menschen in weiten Teilen der Sahara nicht mehr überleben, sagt Thompson.

Was genau diese schwerwiegenden klimatischen Veränderungen hervorgerufen hat, können die Forscher noch nicht sagen. Thompson ist sich aber sicher, dass ähnliche Katastrophen auch in Zukunft möglich sein werden. Heute allerdings leben, so der Geologe, mehr als zwei Drittel der Weltbevölkerung in den Tropen, "und die wären von Klimaphänomenen dieser Größenordnung extrem stark betroffen".



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