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11. Dezember 2012, 15:23 Uhr

Meeresforschung

Klimaschwankungen verschieben Korallenriffe

In einer Wärmeperiode vor 125.000 Jahren fanden sich Korallenriffe relativ weit im Norden und Süden, dafür schwanden sie am Äquator. Forscher sehen Parallelen zur heutigen Entwicklung: Sie fürchten, dass das Korallensterben in niedrigen Breitengraden gerade erst begonnen hat.

Vor etwa 125.000 Jahren durchlief die Erde eine Wärmeperiode; die Durchschnittstemperaturen waren höher als heute. Wie das die Korallenriffe weltweit beeinflusste, haben Forscher um Wolfgang Kießling von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg anhand von Fossilienfunden untersucht. Sie verglichen ihre Ergebnisse mit der heutigen Entwicklung.

Im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten sie, dass die Verbreitung der Korallenriffe einer Wellenbewegung entsprach. War es vergleichsweise kalt, stieg die Artenvielfalt der riffbildenden Steinkorallen in Äquatornähe. War es relativ warm, schwanden diese Riffe - aber es entstanden welche weiter nördlich und südlich in kühleren Regionen. Dieser Effekt war auf der Nordhalbkugel stärker ausgeprägt als im Süden, wie die Forscher berichten. Auch in einer wärmeren Phase vor 10.000 bis 6000 Jahren siedelten die temperaturempfindlichen Korallen weiter entfernt vom Äquator.

Auch heute verschiebt sich die Wohlfühltemperatur für Korallen in den Weltmeeren. "Wir beobachten ein Korallensterben nahe des Äquators, das natürlich verschiedene Ursachen hat wie beispielsweise die Überfischung - insbesondere das Fischen mit Dynamit und Zyanid -, die Wasserverschmutzung, Baumaßnahmen, aber eben auch den Temperaturanstieg", sagt Kießling. "Gleichzeitig nimmt die Anzahl und Vielfalt von Korallenriffen in Gebieten, die weiter nördlich oder südlich liegen, zu."

In der Warmphase vor 125.000 Jahren lag die globale Durchschnittstemperatur etwa 1,5 Grad Celsius über dem heutigen Wert. Die Durchschnittstemperatur an der Wasseroberfläche könne allerdings nur 0,7 Grad höher gewesen sein, heißt es in der Studie.

Die Forscher warnen, dass das Korallensterben rund um den Äquator gerade erst begonnen haben könnte. Für die Menschen in diesen Regionen hat der Schwund der Riffe dramatische Folgen. Verschwinden die Korallen, nimmt auch der Fischbestand ab. Zusätzlich würden die Küsten ihre natürlichen Schutzschilde gegen Erosion und Sturmschäden verlieren. Daher sei es wichtig, sich auf diese Risiken vorzubereiten, so die Wissenschaftler.

Vor kurzem hatten auch Forscher auf einer Fachkonferenz in Australien vorm Korallensterben und den dramatischen Folgen für Millionen von Menschen gewarnt: "Die Zukunft der Korallenriffe ist keine Unterwasser-Version des Bäume-Umarmens, sondern ein Kernproblem der Menschheit", sagte Konferenzorganisator Terry Hughes von der James Cook University.

wbr

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