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Klimawandel: CO2 könnte Fischen den Sauerstoff rauben

Das Verfeuern fossiler Brennstoffe bedroht nicht nur das Klima, sondern auch viele Meeresbewohner. Ihnen könnte der lebensnotwendige Sauerstoff ausgehen, ergab eine Modellrechnung Potsdamer Forscher. Ursache ist die Versauerung der Meere.

Vor einer Versauerung der Ozeane warnen Wissenschaftler schon länger. Mehr CO2 in der Atmosphäre führt nämlich zu einem niedrigeren pH-Wert der Ozeane. Als erste mögliche Opfer gelten Korallen, weil die Bildung neuer Kalkschalen erschwert oder ganz verhindert wird. Erst jüngst hatten Forscher festgestellt, dass Korallen derzeit so langsam wachsen wie nie zuvor in den vergangenen 400 Jahren.

Korallen in der Karibik: Saurere Meere bedrohen viele Meeresbewohner
AP

Korallen in der Karibik: Saurere Meere bedrohen viele Meeresbewohner

Doch die massive Nutzung fossiler Brennstoffe durch die Menschheit bedroht nicht nur kalkbildende Organismen. Vielen Meerestieren könnten steigende CO2-Werte den lebensnotwendigen Sauerstoff rauben, warnen Wissenschaftler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Matthias Hofman und Hans-Joachim Schellnhuber haben simuliert, was im Meer passiert, wenn sich die Kohlendioxid-Emissionen in diesem Jahrhundert weiter entwickeln wie bisher. In 200 bis 800 Metern Tiefe könnte dann rund um den Äquator der Sauerstoff knapp werden, schreiben die Forscher im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Ursache ist auch hier die Versauerung der Meere, die das Kohlendioxid (CO2) aus der Atmosphäre aufnehmen. An der Oberfläche ist der pH-Wert - das Maß für den Säuregehalt - in den vergangenen 100 Jahren von 8,2 auf 8,1 gesunken. Je niedriger der Wert, desto saurer ist das Wasser. Ein pH-Wert von 7 ist neutral. Die Menschheit könnte den pH-Wert bis zum Jahr 2200 um mehr als 0,7 Punkte absenken, prophezeien die Forscher.

Im saureren Ozean sorgen chemische Reaktionen dafür, dass es im Wasser weniger Kalziumkarbonat (CaCO3) gibt, die Bausubstanz für das Kalkskelett von Korallen und vielen frei schwimmenden Kleinstlebewesen wie der Kalkalge Emiliania huxleyi. Dies würde zu einer Schwächung der sogenannten biologischen Kohlenstoffpumpe führen. Denn mit den abgestorbenen Kalkalgen sinken jährlich etwa zehn Milliarden Tonnen gebundener Kohlenstoff in die Tiefsee.

Wenn es im saureren Meer weniger Kalk für Algenpanzer gibt, werden sich andere pflanzliche Plankton-Arten stärker ausbreiten. Diese sind aber leichter als die Algen mit ihrem Kalk-Ballast und sinken nach dem Tod viel langsamer herab. Damit haben Bakterien mehr Zeit, das abgestorbene Plankton in den höheren Wasserschichten abzubauen - was dort den Sauerstoff verbraucht.

Die Simulation der Potsdamer Forscher zeigt, dass dadurch der Gehalt von Sauerstoff sinkt, vor allem in Gewässern entlang des Äquators zwischen 200 bis 800 Metern Tiefe. Der Sauerstoffmangel wiederum bedrohe das Leben zahlreicher anderer Meerestiere in diesen Regionen, warnen Hofman und Schellnhuber.

hda/dpa

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