Schutz vor Abholzung Gebt den Einheimischen den Wald

Die Brandrodung von Wäldern gehört zu den größten Treibhausgasquellen. Jetzt zeigt sich: Besonders effektiv vor Abholzung und Ausbeutung geschützt sind Wälder, die gemeinschaftlich von Einheimischen verwaltet werden.

Rodung bei Novo Progresso in Nordbrasilien: Speicher von einer Billion Tonnen Kohlenstoff
REUTERS

Rodung bei Novo Progresso in Nordbrasilien: Speicher von einer Billion Tonnen Kohlenstoff


Wälder sind unverzichtbar für den Klimaschutz. Die Abholzung und die Umwandlung von Waldflächen in Felder sind für etwa elf Prozent des globalen Treibhausgasausstoßes verantwortlich. Das wertvolle Grün zu schützen, stellt die Politik vor große Herausforderungen. Jetzt zeigt eine Studie: Von ländlichen Gemeinden und Ureinwohnern gemeinschaftlich verwaltete und genutzte Wälder werden am besten gegen Abholzung geschützt.

Die Nichtregierungsorganisation Rights and Resources Initiative (RRI) und das Welt-Ressourcen-Institut (WRI) hatten den Wald und die Verwaltungsstrukturen in 14 Ländern untersucht, darunter Brasilien, Indonesien und Kolumbien. Die Studie zeigte:

  • Wenn Ureinwohner und lokale Gemeinden keine oder nur wenige Rechte am Wald haben, wird dieser häufiger gerodet und so zur Quelle von Treibhausgasen.
  • Bekommen die Einheimischen Rechte am Wald und werden diese auch von der Regierung durchgesetzt, gehen die Kohlendioxidemissionen durch Rodungen zurück.
  • Einheimische, die mit der Verwaltung und dem Schutz eines Waldes betraut sind, erhalten ihn so zuverlässig, dass er viel Kohlendioxid aufnehmen kann.

"Niemand hat ein größeres Interesse an einem guten Zustand der Wälder als die Menschen, die für ihr Wohlergehen und ihre Kultur auf sie angewiesen sind", sagt Andy White von der RRI. In einigen Regionen funktioniert das Konzept bereits, wie die Studie zeigt. Die Menschen vor Ort, häufig Ureinwohner, werden dazu von der Regierung des jeweiligen Landes mit Rechten ausgestattet, die Wälder zu nutzen, zu verwalten und zu schützen.

Weniger Rodungen, weniger Treibhausgase

Auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán etwa sei die Abholzung auf einem solchen Gebiet 350-mal niedriger als in anderen Wäldern in der Nähe, berichten die Autoren der Studie. In weiteren untersuchten regional verwalteten Gemeinschaftswäldern unter anderem in Guatemala, Brasilien und Bolivien seien die Abholzungsraten ebenfalls deutlich geringer als in den umliegenden Wäldern.

Die besser geschützten Wälder könnten schließlich auch mehr Kohlenstoff speichern und so einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz leisten, erläuterten die Autoren. Alle Gemeinschaftswälder der Welt speichern demzufolge derzeit insgesamt 37,7 Milliarden Tonnen Kohlenstoff. Insgesamt beherbergen die Wälder der Welt nach Angaben der Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) inklusive Waldboden mehr als eine Billion Tonnen Kohlenstoff - doppelt so viel wie in der Atmosphäre vorhanden. Die Gemeinschaftswälder decken davon derzeit also knapp vier Prozent ab.

jme/dpa



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artis 24.07.2014
1. schiet doch
auf den Wald, Hauptsache die Wirtschaft brummt und die Konzerne und Fondsmanager mache satte Gewinne. Ich glaube auch Europa könnte gegen diese Brandrodung etwas tun, nur das kostet wieder Geld. Ich hoffe ich erlebe es noch das endlich den Konzernen und Firmen die damit Geld machen der Prozess gemacht wird. Aber wo kein Kläger, da kein Richter.
A_E_Neumann 24.07.2014
2. Andersherum
Warum haben die Menschen dort nach tausenden von Jahren kein Recht mehr an ihrem Boden? Wieso ist "Boden" überhaupt ein dauerhaftes Recht? Warum kann man nicht nur den Boden für 100 Jahre mieten und dann ist er wieder Allgemeingut... Aber wieso sich gegen den Markt stellen? Was kosten denn 100.000 m² Regenwald, die ich abholzen kann?
ablankenfeld 24.07.2014
3. Regenwald aufforsten
Es ist natürlich sehr wichtig den Regenwald zu erhalten. Und vom Grundsatz her wird man sich nur für solcherlei Dinge verantwortlich zeigen, die einem etwas bringen und über die man verfügen kann. Das ist beim Regenwald nicht anders. Allerdings ist auch schon viel Regenwald zerstört worden und es wird noch mehr werden, gerade beim heurigen Bevölkerungswachstum. Aufforstungsbemühungen wie diverse von Oro Verde oder auch http://www.plantacionesedelman.com/werde-baumpate/ sind hier ebenso wichtig und zielführend. Lasst uns hoffen, dass wir den Regenwald noch retten können, bevor es (für die Menschen) zu spät ist.
Heimatlos 24.07.2014
4. Und dazu eine Studie?
Es ist doch nicht nur beim Wald so, dass, wer Eigentuemer ist, die Dinge besser behandelt, als wenn etwas staatlich geleitet, also Anonym, behandelt wird. Davon abgesehen: Ein Drittel des Landes Costa Rica steht unter Naturschutz, wobei ein Teil staatliche, also Nationalparks sind, und ein Teil sich in privaten Haenden befindet. Beide aber haben das gleiche im Sinn: die Waelder mitsamt Tierwelt zu schuetzen. Hinzu kommen grossere und kleinere Hotels mit grossen Naturgebieten zum wandern. Ein Verwandter meiner Frau, er ist, wie sie, ein Indigena, besitzt auf seinem Grundstueck eine Fuelle von verschiedenen Baeumen. Und zu jedem einzelnem Baum kennt er Geschichten. Welche Voegel den Baum anfliegen, welche Voegel dort ein Nest bauen und warum gerade in diesem Baum, welche Tiere sich von den Fruechten der Baeume ernaehren, ob es ein friedlicher oder gefaehrlicher Baum ist, mit wem der Baum kommuniziert, unter welchem Baum man feiern kann und unter welchem nicht. Nun fragen sie mal einen Manager von MacDonalds, der seine Rinder auf abgeholztem Gebiet weiden laesst, ob er das auch weiss.
gödölö 24.07.2014
5. Spenden
oder eine Patenschaft übernehmen können wir doch freiwillig. Die qmPreise sind in SAmerika super günstig, kümmern muß man sich um den fernen Wald auch nicht. Das ist doch viel befriedigender als Däumchen drehend das Handeln vieler verschiedener Staaten zu erwarten.
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