Aerosol-Ausstoß: Pflanzen können Erderwärmung bremsen

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Corbis

Wald (Archivbild): Aerosole fungieren als Kondensationskeime

Steigen die Temperaturen, produzieren Pflanzen mehr Schwebeteilchen, haben Forscher beobachtet. Die Aerosole fördern die Bildung von Wolken - in Waldregionen könnte die Erderwärmung erheblich gebremst werden.

Berlin - Die Temperaturregulierung der Erdatmosphäre ist um ein spannende Detail reicher: Pflanzen können mit steigenden Aerosolemissionen der Erderwärmung entgegenwirken, berichten Forscher der Universität Helsinki. Höhere Temperaturen würden den Ausstoß sogenannter biogener Aerosole durch Pflanzen fördern. Dabei handelt es sich um flüchtige organische Verbindungen. Die Aerosole wiederum verstärkten die Wolkenbildung in der Atmosphäre und hätten somit eine kühlende Wirkung, schreiben Pauli Paasonen und seine Kollegen im Fachblatt "Nature Geoscience".

"Jeder kennt den Duft des Waldes", sagt Ari Asmi. Dieser Geruch entstehe, weil Pflanzen verschiedene Gase emittierten. Diese biogenen Aerosole fungierten als Kondensationskeime, in der Luft könnten sich mehr Wolken formen. Weil Wolken aber das Sonnenlicht teilweise ins Weltall zurückwerfen, würde die Atmosphäre weniger stark erwärmt. Es handele sich um eine negative Rückkopplung, schreiben die Forscher.

Die Abläufe in der Atmosphäre sind hochkomplex. In den vergangenen Jahren hatten Wissenschaftler auch positive Rückkopplungen beim Klimawandel beschrieben, beispielsweise bei Treibhausgasen aus natürlichen Quellen. Geoforscher fürchten, dass ab einem bestimmten Schwellenwert gigantische Mengen bisher gefrorenen Methans aus Permafrost- und Meeresböden entweichen könnten. Das Gas ist etwa 20-mal klimawirksamer als Kohlendioxid.

"Das rettet uns nicht"

Das Team um Paasonen hatte den Zusammenhang zwischen Temperatur und Aerosolkonzentration an elf Messpunkten in Europa, Asien, Afrika und Nordamerika untersucht. Die Messungen liefen meist über mehrere Jahre und ergaben eine Korrelation von Aerosolmenge und Temperatur.

Die beobachtete negative Rückkopplung ist in ihrer Wirkung global gesehen allerdings klein. Der Temperaturanstieg werde dadurch weltweit nur um ein Prozent verringert, schreiben die Forscher. "Das rettet uns nicht vor der globalen Erwärmung", sagt Paasonen.

Lokal kann der Effekt aber durchaus bedeutend sein. In ländlichen Gebieten oder Wäldern, wo biogene Aerosole viel wichtiger sind als Partikel und Gase aus Industrie und vom Verkehr, kann der Temperaturanstieg um bis zu 30 Prozent geringer ausfallen. Besonders in Regionen wie Finnland, Sibirien und Kanada könne die negative Rückkopplung den Temperaturanstieg "substantiell verringern", schreiben die Forscher.

Die Wirkung von Aerosolen gehöre zu den wichtigsten Unsicherheiten in Klimamodellen, betonen sie. Wenn man die zugrunde liegenden Mechanismen besser verstehe, könne man diese Unsicherheiten verringern und schließlich auch die Klimamodelle verbessern.

hda

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insgesamt 27 Beiträge
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1. na ja!
leader63 29.04.2013
Zitat von sysopSteigen die Temperaturen, produzieren Pflanzen mehr Schwebeteilchen, haben Forscher beobachtet. Die Aerosole fördern die Bildung von Wolken - in Waldregionen könnte die Erderwärmung erheblich gebremst werden.
hi, neu ist das aber nicht, das Wälder kühlend wirken wissen wir schon lange. Außerdem haben Wälder auf den hydrologischen Kreislauf Auswirkungen. Z.B. Der Kilimandscharo Gletscher, Wald weg, Gletscher zum größten Teil weg. mfg
2. Wir verscherbeln
jayram 29.04.2013
unsere Wälder nach China. Das ist der reinste Hohn. Das Bäume gefällt werden und damit Geld verdient wird ist ok. Aber der teilweise Ausverkauf von großen Waldgebieten ist ein Akt von blinder Gier. Jeder weiß wie lange das Aufforsten dauert. Also am besten kein Holz nach China und noch mehr Bäume pflanzen, das wir unseren Bedarf decken können ohne der Grundsubstanz zu schaden.
3. Klimaforscher wissen alles...
günter1934 29.04.2013
Zitat aus dem Artikel: Der Temperaturanstieg werde dadurch weltweit nur um ein Prozent verringert, schreiben die Forscher. Das beunruhigt uns aber sehr, - warum nicht zwei Prozent? Diese Klimaforscher wissen zum einen genau, wie der Temperaturanstieg (zur Zeit stagnierend) abläuft und zum zweiten, wie sich die Pflanzenterpene auswirken! Wer bezahlt die eigentlich?
4.
Jochen Binikowski 29.04.2013
Erst lassen diese Klima-Spinner massenhaft Urwälder abholzen um Palmöl für unsere Blockheizwerke zu produzieren. Und nun belegt eine mit Steuergeldern finanzierte Studie das dies klimatechnisch kontraproduktiv ist. Das wussten schon seit Jahrzehnten alle interessierten Klima-Laien. Nur kriegen die keine Forschungsgelder für den Einsatz des gesunden Menschenverstandes.
5. Unvollständig
discuss 29.04.2013
Zitat von sysopSteigen die Temperaturen, produzieren Pflanzen mehr Schwebeteilchen, haben Forscher beobachtet. Die Aerosole fördern die Bildung von Wolken - in Waldregionen könnte die Erderwärmung erheblich gebremst werden. Klimawandel: Erderwärmung erhöht Ausstoß von Bio-Aerosolen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/klimawandel-erderwaermung-erhoeht-ausstoss-von-bio-aerosolen-a-897183.html)
Und da ist auch schon das nächste bisher unbekannte Puzzleteil im Klimamodell. Es vergeht ja im Moment kein Monat, wo nicht ein bisher unbekannter Effekt auf das Klima entdeckt wird. Auch wenn der (grob) prognostizierte Effekt auf das Klima gering erscheint, wird mit jedem neu entdeckten Mechanismus deutlich, dass wir das Klima nicht genau genug verstehen, um so konkrete Forderungen wie "nicht mehr als 2°C im Vergleich zu 1850" begründen zu können. Ich kann mich nur wiederholen: Wir müssen uns vom Mantra der CO2-Reduzierung verabschieden und uns den wichtigen Umweltproblemen zuwenden. Mit ein bisschen Pech erleben wir den Erfolg (oder Misserfolg) der CO2-Einsparbemühungen nicht mehr, weil wir vorher an Nano-Plastikteilchen in unserer Nahrungskette krepiert sind.
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