Klimawandel Erwärmung verändert Fischwachstum

Eine Untersuchung in der Südsee bringt es an die Oberfläche: Die globale Erwärmung lässt einige Fische im Südwest-Pazifik schneller wachsen. Für andere Weltregionen gilt dagegen das Gegenteil: Hier wachsen Fische wegen der Erwärmung langsamer.


Washington - Dass der Klimawandel für Wachstum sorgt, war in den jüngsten Wirtschaftsschätzungen zur Erderwärmung kaum zu vernehmen. Doch unter Wasser ist alles anders: Australische Forscher haben nun herausgefunden, dass der Anstieg der Wassertemperatur Fische im Südwest-Pazifik schneller wachsen lässt.

Fisch verpeist Fisch: Je weiter oben, desto schneller das Wachstum
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Fisch verpeist Fisch: Je weiter oben, desto schneller das Wachstum

Die Gruppe um Ronald Thresher von der "Commonwealth Scientific and Industrial Research Organization" (CSRIO) hatte dafür die Ohrenknochen von Fischen gemessen, die 1987 und 1996 gefangen wurden. Ähnlich wie Jahresringe bei Bäumen erlauben diese Ringe Rückschlüsse auf das Alter und die Wachstumsgeschwindigkeit der Tiere.

Die gefangenen Exemplare waren zwischen zwei und 128 Jahren alt. Die Wissenschaftler untersuchten nun jeweils, wie schnell die Fische in ihren jungen Jahren gewachsen waren. Die Ergebnisse publizierten die Wissenschaftler in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften "PNAS": Bei sechs der acht untersuchten Arten hat sich die Wachstumsgeschwindigkeit im Verlauf des vergangenen Jahrhunderts verändert.

Schnelles Wachstum hilft gegen Fischfang

Je weiter dichter unter der Oberfläche die Fische dabei lebten, desto schneller wuchsen sie. So nahm das Wachstum des Großaugen-Morwong, der in Tiefen zwischen 40 und 400 Metern zu Hause ist, seit 1950 um 0,73 Prozent pro Jahr zu. Gleichzeitig wuchsen Arten, die in 500 Meter Tiefe und darunter leben, langsamer.

Die Entwicklung geht mit der aktuellen Klimaveränderung einher. Durch diese sind die Oberflächentemperaturen im Südwestpazifik seit 1950 gestiegen, in mittleren Tiefen hingegen bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts gesunken.

Ein schnelleres Wachstum könnte nun den Fisch-Populationen dabei helfen, die Belastung durch den Fischfang besser abzufedern, so die Studie. Doch wärmeres Wasser bedeutet nicht immer besseres Wachstum, wie der Fischbiologe Rainer Knust vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) anmerkt.

Die Erwärmungsverlierer leben in den extremen Regionen

Knust spricht von einem "Temperaturfenster", in dem Fische ihre Körpertemperatur der des Wassers anpassen. Je näher die Wassertemperatur an der Idealtemperatur des Fisches liegt, desto besser wächst eine Fischart. "Dem Fisch kann es also auch zu heiß werden - wie dem Kabeljau momentan in der Nordsee", sagt Knust, "der Kabeljau wächst deshalb langsamer und wird sich auf Dauer immer mehr nach Norden verziehen." Bei Abkühlung tritt ein ähnlicher Effekt ein - eine Fischart wächst langsamer und muss deshalb auf Dauer in wärmere Gegenden ziehen.

Durch den Klimawandel müssen sich womöglich bald einige Fischpopulationen auf die Reise machen. Für die Fischarten, die bereits jetzt in besonders heißen oder kalten Gewässern leben und am Rande ihres Temperaturfensters angelangt sind, sieht es dabei düster aus. "Die Fische in extremen Regionen wie der Arktis werden die großen Verlierer des Klimawandels sein", meint Meeresbiologe Knust.

joh/dpa



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