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Klimawandel: Fjorde schlucken mehr Kohlenstoff als gedacht

Unterschätzte Fjorde: Meeresarme binden viel Kohlenstoff Fotos
Corbis

Unterschätzte Meeresarme: Die in Fjorden gebundene Kohlenstoffmenge ist viel größer als bislang angenommen. Sie binden 18 Megatonnen pro Jahr - das sind elf Prozent des Anteils aller Meere.

Fjorde scheinen wie geschaffen für diesen Prozess: In den tiefen, langen Schluchten wird Kohlenstoff zu einem großen Teil im Sediment gebunden. Das einströmende organische Material wird danach auch nicht wieder zu Kohlenstoffdioxid (CO2) zersetzt, berichten Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature Geoscience". Die Fjorde zählten somit zu den wichtigsten Senken für Kohlenstoff weltweit.

Für einzelne Fjorde sei dies schon länger gezeigt. Es sei aber bislang angenommen worden, dass der Gesamtbeitrag der Meeresarme gering ist, weil sie nur 0,1 Prozent der Meeresoberfläche ausmachen. Die übergreifende Analyse zeige nun, dass auf die Fjorde stattliche elf Prozent des Kohlenstoffs entfallen, der jährlich in Meeressedimenten gebunden wird.

Fjorde schaffen 18 Megatonnen

Die weit ins Festland hineinreichenden Fjorde wurden von seewärts wandernden Talgletschern geformt. Sie konnten überall dort entstehen, wo Gebirge in Küstennähe einst stark vereist waren - oder es noch heute sind. Bekanntestes Beispiel ist die Westküste Norwegens, reich an Fjorden sind auch Schottland, Island, Grönland, Alaska oder Neufundland. Ihr Grund kann mehr als tausend Meter unter dem Meeresspiegel liegen.

Sinkt eingeschwemmte Biomasse - etwa Pflanzenreste und Mikroben - in solche Tiefen, wird sie vielfach kaum zersetzt und lagert sich im Sediment ab. Das liegt daran, dass es in den kalten, dunklen und häufig sauerstoffarmen Wasserschichten weniger Mikroorganismen gibt, die das Material als Energiequelle verwenden und dabei Kohlenstoff als CO2 freisetzen.

Hotspots der Einlagerung

Das Team um Richard Smith von Global Aquatic Research (GAR) in Sodus (US-Staat New York) hatten den Kohlenstoffgehalt von 573 Proben aus der Sedimentoberfläche sowie in 124 Sedimentkernen aus nahezu allen Fjordsystemen weltweit als Datenbasis genutzt. Etwa 18 Megatonnen organischer Kohlenstoff werden jährlich in den Meeresarmen eingelagert, ergab die Hochrechnung der Forscher. Die Gesamtmenge für alle Ozeane liege bei geschätzt knapp 170 Megatonnen pro Jahr.

Die Sedimentierungsrate von Fjorden sei ungefähr doppelt so hoch wie im globalen Schnitt in anderen Bereichen der Meere, schreiben die Wissenschaftler. In großen Flusssystemen werde viel organisches Material bereits wieder zu CO2 umgesetzt, bevor es überhaupt das Meer erreiche. Hinzu komme, dass in die Fjorde - wie zum Beispiel in die 14 Meeresarme des Fiordlands in Neuseeland - durch Erosion, Regen und seismische Aktivität vielfach besonders viel organisches Material eingetragen werde.

Fjorde Alaskas sind besonders

Die Daten zeigten, dass Fjorde zu den Hotspots der Sedimentierung organischen Kohlenstoffs zählen, schreibt Richard Keil von der University of Washington in Seattle in einem Begleitkommentar. Die Rolle der Wasserarme sei lange unterschätzt worden, nun seien weitere Untersuchungen nötig. Geklärt werden müsse zum Beispiel, warum die Sedimentierungsrate gerade in den Fjorden Alaskas besonders hoch ist.

nik/dpa

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