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03. Mai 2017, 20:31 Uhr

Klimawandel

Forscher erklären Pause der Erderwärmung

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Warum pausierte bis vor Kurzem die globale Erwärmung? Eines der größten Rätsel der Umweltforschung scheint gelöst zu sein.

Von 1998 bis 2012 stockte die globale Erwärmung - das Wissenschaftsmagazin "Nature" sprach vom "größten Rätsel der Klimaforschung". Der Klimareport der Vereinten Nationen analysierte nüchtern: "Der Hiatus" des Anstiegs der bodennahen Lufttemperatur, also die Pause oder Unterbrechung, könnte nicht erklärt werden.

In den 15 Jahren hatte der Mensch ein Drittel der Treibhausgase seit Beginn der Industrialisierung ausgestoßen - wo aber steckt ihre Wärmewirkung?

Klimaforscher liefen zur Höchstform auf, sie erarbeiteten mehr als hundert Erklärungsversuche: Vulkanausbrüche, Ozeanströmungen, Winde, die obere Atmosphäre, Abgase, die Sonne und viele andere Effekte wurden als Gründe für dem überraschenden Witterungsverlauf ins Spiel gebracht.

Verdächtige Computerprognosen

Ein Resümee all dieser Arbeiten liefert nun eine Erklärung: Die Pause der Erwärmung, so bilanzieren Forscher in "Nature", sei bedeutungslos. Sie habe den langfristigen Erwärmungstrend nicht verändert und lasse sich mit natürlichen Klimaschwankungen erklären. Seit 2014 wurden die drei wärmsten Jahre seit Beginn der Messungen Ende des 19. Jahrhunderts gemessen.

Das Stocken des Klimawandels hatte allerdings den Verdacht genährt, Computersimulationen könnten das Klima nur ungenügend vorhersagen. Sie hatten weder vorher noch nach der Erwärmungspause die erstaunliche Klimaschwankung von 1998 bis 2012 berechnen können.

Das Versagen bleibe eine Herausforderung, es sei jedoch kein Grund, an den Klimamodellen zu zweifeln, schreiben die Forscher um Iselin Medhaug von ETH Zürich nun in "Nature". Die Simulationen seien nur für längere Zeiträume geeignet.

Wie ein Würfelspiel

Eine stimmige Analyse sei das, meint Christopher Hedemann, Klimaforscher am Max-Planck-Institut für Meteorologie. Er vergleicht das Geschehen mit einem Würfelspiel: Zufällig könne man mal fünf Sechser hintereinander würfeln, aber je länger ein Spiel dauere, desto eher glichen sich die Zahlen aus.

Ebenso könnten zufällige Klimaschwankungen für seltene Ausschläge der Temperatur sorgen, die sich langfristig aber in einem Trend einpendeln würden.

Die Erwärmungspause hätte schlicht das Unvermögen der Klimamodelle bestätigt, kurzfristige Schwankungen zu berechnen, ergänzt Piers Forster von der University of Leeds. Modelle seien nicht konzipiert worden, um 15-jährige Klimaentwicklungen vorherzusagen, sondern langfristigeren Klimawandel.

Ihre eigentliche Aufgabe erledigten die Simulationen zufriedenstellend, sagt Ed Hawkins von der University of Reading: Das "Nature"-Resümee beweise, dass die Computerergebnisse über die vergangenen Jahrzehnte gesehen gut mit den gemessenen Temperaturen übereinstimmten.

Beflügelte Forscher

"Schwankungen über kurze Zeiträume sagen nichts aus", erklärte der frühere Chef der Weltmeteorologischen Organisation WMO, Michel Jarraud. Alle Jahre des 21. Jahrhunderts gehörten schließlich zu den wärmsten seit Beginn der Messungen, das unterstreiche den Klimawandel.

Ob die Erwärmung der bodennahen Temperaturen überhaupt erheblich ins Stocken geraten war, sei zudem nicht mal gesichert, resümieren die "Nature"-Autoren. Schließlich flössen die Temperaturen der Arktis, die sich besonders schnell erwärmt, kaum in die Messungen ein.

Die Debatte um die Klimawandelpause habe die Wissenschaft beflügelt, schreiben die Forscher. Die Fachwelt hat zahlreiche Effekte als mögliche Ursache zusammengetragen, die ihnen die Variabilität des Klimas verdeutlichte.

Mögliche Ursachen

Galt zuvor Lufttemperatur an der Erdoberfläche als entscheidende Klimagröße, die auf menschengemachte Treibhausgase in der Luft reagiert, betonen Klimaforscher mittlerweile, dass eine fortschreitende Erwärmung sich auch anderweitig verrät - vor allem mit weiter steigenden Meerestemperaturen.

Und während der Uno-Klimarat es zuvor stets versäumt hatte, auf eine vorübergehende Verlangsamung der Erwärmung hinzuweisen, sammelten die Gelehrten nun zahlreiche Gründe dafür:

Womöglich aber war die Pause gar kein so besonderes Ereignis. Simulationen von MPI-Wissenschaftler Christopher Hedemann und seinen Kollegen ergaben, dass die vorübergehend fehlende Wärmemenge für solche Temperaturrückschläge offenbar nur ein Fünftel so groß sein muss wie angenommen.

"Vielleicht", resümierten die Forscher in ihrer Studie vor zwei Wochen in "Nature Climate Change", "wird die Ursache der Erwärmungspause niemals identifiziert werden können."

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