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Klimawandel: Träge Luft wärmt Arktis

Sonnenuntergang über Alaska: Schneeflächen reflektieren Sonnenstrahlen Zur Großansicht
REUTERS

Sonnenuntergang über Alaska: Schneeflächen reflektieren Sonnenstrahlen

Die Arktis erwärmt sich schneller als andere Regionen. Ursache sei das Schwinden des Eises, glaubten Forscher. Nun aber zeigen Simulationen, dass die Trägheit der polaren Luft der entscheidende Effekt sein könnte.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Nordpolregion schneller erwärmt als tropische Gebiete. Als wichtigsten Grund dafür haben Felix Pithan und Thorsten Mauritsen vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg nun die Schwerfälligkeit der Atmosphäre über der Arktis ausgemacht.

In den Tropen könne die am Boden erwärmte Luft schnell nach oben steigen, während die kalte, dichte Luft der Arktis sich kaum mit höheren Luftschichten vermischen könne, schreiben die Wissenschaftler in "Nature Geoscience". Dadurch bleibe in der Arktis die von der Sonne und der Erdwärmestrahlung erwärmte Luft näher am Boden.

Bisher galt überwiegend der sogenannte Albedo-Effekt als Hauptursache für den schnelleren Temperaturanstieg an den Polen: Die Albedo ist das Maß für die Fähigkeit von Oberflächen, Strahlen zu reflektieren. Schneeflächen können bis zu 90 Prozent der Sonnenstrahlen zurückwerfen.

Wenn weniger Flächen in der Arktis von Schnee und Eis bedeckt sind, nehmen das Meer oder das Land mehr Strahlungsenergie auf und lassen auch die Lufttemperaturen ansteigen. Nach den Berechnungen von Pithan und Mauritsen leistet dieser Effekt jedoch nur den zweitgrößten Beitrag zur arktischen Erwärmung.

Wasserdampf und Wolken wirken unterschiedlich

Die Meteorologen analysierten mit statistischen Methoden verschiedene Klimamodelle auf die von ihnen einbezogenen Rückkopplungseffekte hin. Dabei stellten sie fest, dass die Modelle sich kaum in der Berechnung der Wärmeflüsse von Süden nach Norden unterscheiden. Stattdessen seien die Effekte durch Wasserdampf, Wolken, Meerestemperaturen oder Kohlendioxidgehalt in der jeweiligen Region unterschiedlich stark gewichtet.

Die Forscher machen auf einen weiteren Effekt aufmerksam, der sich aus dem Planckschen Strahlungsgesetz ergebe und der aus ihrer Sicht meist unterschätzt werde: Wird mehr langwellige Strahlung von der Erdoberfläche ausgesendet, dann steigt auch die Temperatur.

Um die Strahlungsbilanz auszugleichen, genügt bei einer Umgebungstemperatur von 30 Grad eine Erhöhung um 0,16 Grad. Bei minus 30 Grad würde jedoch ein Anstieg um 0,31 Grad für den Ausgleich benötigt, also fast das Doppelte, geben Pithan und Mauritsen zu bedenken. Die tieferen Ausgangstemperaturen in der Arktis sind nach ihren Berechnungen ein wichtiger Grund für den schnelleren Temperaturanstieg in der Arktis gegenüber den Tropen.

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Elgygytgyn-See: Arktisches Klimaarchiv

che/dpa

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1. 3456789
Das Pferd 03.02.2014
Popcorn! Wer ist der erste, der erklärt, daß es gar keine Klimamodelle geben kann, weil man das Wetter ja nicht mer als ein paar Tage voraussagen kann? Alternativ auch die beliebte Weise "das ist alles nur gemacht"
2. Die Trägheit des Menschen
FXRichter 03.02.2014
Die Trägheit des menschlichen Wirtschaftens, die Trägheit der Entscheidungsprozesse gerade in der Demokratie, die Trägheit, die von Dummheit und/oder böswilligem Egoismus stammt, diese Trägheiten kommen alle noch dazu.
3. Ach ja, schon wieder was neues entdeckt
kritischergeist 03.02.2014
Jede Woche kommt eine neue Forschergruppe und sagt jetzt haben wir die Erklärung wobei sie wieder durch das Wörtchen "könnte" relativiert wird. Letztlich ist das der Beweis dass wir noch viel zu wenig über das Klima wissen, was einige aber nicht davon abhält langfristige Klimavorhersagen zu machen. Es ist langsam peinlich wie die Klimaexperten herum eiern. Da wird es wärmer weil es kühler wird. Das versteckt sich die Wärme im der Tiefsee. Und da schmelzen Gletscherzungen die ins Wasser der Antarktis geschoben werden weil von Land her mehr Eis nachkommt. Und das alles ist dann der Klimawandel den es logischerweise gibt, weil es ihn immer gab. Wie wäre es wenn die Wissenschaft anstelle bei all ihren Prognosen das Wort "könnte" mal weg lässt und nur noch das berichtet was absolut abgesichert ist und über all das was noch nicht abgesichert ist einfach mal den Mund hält und erstmal intern diskutiert.
4.
maxuli 03.02.2014
Zitat von kritischergeistJede Woche kommt eine neue Forschergruppe und sagt jetzt haben wir die Erklärung wobei sie wieder durch das Wörtchen "könnte" relativiert wird. Letztlich ist das der Beweis dass wir noch viel zu wenig über das Klima wissen, was einige aber nicht davon abhält langfristige Klimavorhersagen zu machen. Es ist langsam peinlich wie die Klimaexperten herum eiern. Da wird es wärmer weil es kühler wird. Das versteckt sich die Wärme im der Tiefsee. Und da schmelzen Gletscherzungen die ins Wasser der Antarktis geschoben werden weil von Land her mehr Eis nachkommt. Und das alles ist dann der Klimawandel den es logischerweise gibt, weil es ihn immer gab. Wie wäre es wenn die Wissenschaft anstelle bei all ihren Prognosen das Wort "könnte" mal weg lässt und nur noch das berichtet was absolut abgesichert ist und über all das was noch nicht abgesichert ist einfach mal den Mund hält und erstmal intern diskutiert.
Ich finde diesen Artikel sehr interessant. Es ist doch verständlich, dass bei einem solch schwierigen Thema immer mal wieder neue Erkenntnisse dazukommen. Wenn Sie das nicht interessiert und nur an harten 100%-tig abgesicherten Fakten interessiert sind, dann sind solche Artikel natürlich nichts für Sie. Harte Fakten können Sie bezüglich Klima nur über die Vergangenheit erhalten. Die zeigen aber, dass unsere technologische und zivilisatorische Entwicklung nicht mit der relativ rasanten Entwicklung des Klimas hat mithalten können. Deshalb ist es richtig, dass es Wissenschaftler gibt, die immer wieder warnen, dass es noch schlimmer kommen könnte. Dabei ist der Konjunktiv durchaus angebracht, denn wenn es die Menschheit schafft, den für unsere Zivilisation negativen Entwicklungen des Klimas (und auch des Zustandes der Natur) entgegenzuwirken anstatt sie zu verstärken, dann könnte es auch weniger schlimm kommen. Um also positiv für die Zukunft unserer Zivilisation zu wirken, muss man diese Zusammenhänge verstehen, was offensichtlich sehr schwierig ist. Deshalb ist es sehr wichtig für uns alle (und unsere Nachkommen), diese Wissenschaftler zu unterstützen und nicht mit Häme zu begleiten.
5. @kritischergeist
Red Herring 03.02.2014
Zitat von kritischergeistJede Woche kommt eine neue Forschergruppe und sagt jetzt haben wir die Erklärung wobei sie wieder durch das Wörtchen "könnte" relativiert wird. Letztlich ist das der Beweis dass wir noch viel zu wenig über das Klima wissen, was einige aber nicht davon abhält langfristige Klimavorhersagen zu machen. Es ist langsam peinlich wie die Klimaexperten herum eiern. Da wird es wärmer weil es kühler wird. Das versteckt sich die Wärme im der Tiefsee. Und da schmelzen Gletscherzungen die ins Wasser der Antarktis geschoben werden weil von Land her mehr Eis nachkommt. Und das alles ist dann der Klimawandel den es logischerweise gibt, weil es ihn immer gab. Wie wäre es wenn die Wissenschaft anstelle bei all ihren Prognosen das Wort "könnte" mal weg lässt und nur noch das berichtet was absolut abgesichert ist und über all das was noch nicht abgesichert ist einfach mal den Mund hält und erstmal intern diskutiert.
Man hat eine neue Hyphothese - was verstehen Sie daran nicht?? Dass wir nicht alles über das Klima wissen muss nicht "bewiesen" werden. Ob auf Basis des vorhandenen Wissens Modelle und Vorhersagen möglich sind lassen Sie am besten einfach die Experten entscheiden. "Herumeiern" müsste auch nur denen peinlich sein, nicht Ihnen. Ist es aber nicht, sie testen Annahmen und lernen dabei. Jetzt müssen Sie sich eigentlich nur noch Ihren Nobelpreis abholen. Wenn sie allerletztes Wissen suchen empfehle ich Ihnen, Naturwissenschaft und SPON-Artikel einfach zu ignorieren. Mich interessiert das jedenfalls, und intelligente Vermutungen sind mir lieber als Dogmen.
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