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Klimawandel: Forscher warnen vor Hitzekatastrophen in China

Ausgetrocknetes Flussbett des Jialing vor der Skyline der Millionenstadt Chongqing: China muss sich auf mehr Hitzewellen gefasst machen Zur Großansicht
REUTERS

Ausgetrocknetes Flussbett des Jialing vor der Skyline der Millionenstadt Chongqing: China muss sich auf mehr Hitzewellen gefasst machen

China drohen massive Probleme durch den Klimawandel: Laut einer neuen Studie steigt die Gefahr von Hitzewellen in dem Land in den kommenden Jahren massiv. Der Rekordsommer von 2013 wäre demnach nur ein Vorgeschmack.

Der Sommer 2013 war der heißeste, der jemals in Ostchina gemessen wurde: Der bevölkerungsreichste und wirtschaftlich wichtigste Landesteil wurde von mehreren Hitzewellen heimgesucht, die 35-Grad-Marke wurde an 31 Tagen überschritten - mehr als doppelt so oft wie im langjährigen Durschnitt. Neun Provinzen mit rund einer halben Milliarde Bewohnern waren betroffen. Allein die wirtschaftlichen Verluste in Folge der Dürren hätten fast zehn Milliarden Dollar betragen, wie es in einer Studie im Fachblatt "Nature Geoscience" heißt.

Doch was das Team um Xuebin Zhang von Environment Canada in Toronto in dem Beitrag schreibt, verheißt China noch weit größeres Ungemach. Der menschliche Einfluss auf das Klima habe die Wahrscheinlichkeit für Extremsommer wie den von 2013 seit den frühen Fünfzigerjahren um das 60-Fache gesteigert, so die Forscher. Schon ab dem Jahr 2024 sei damit zu rechnen, dass jeder zweite Sommer in Ostchina so heiß werde wie der von 2013.

Besonders besorgniserregend ist, dass die Wissenschaftler aus Kanada, den USA und China dafür nicht einmal extreme Szenarien bemühen mussten: Ihr Ergebnis kam bereits unter der Annahme zustande, dass die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre nur moderat steigt.

Das Resultat bezieht sich auf das sogenannte RCP4.5-Szenario. Es nimmt an, dass die internationale Politik wirksame Klimaschutzmaßnahmen ergreift, die Emissionen schon im kommenden Jahrzehnt gebremst werden und dann ab 2040 immer schneller sinken. Die Realität deutet derzeit aber eher darauf hin, dass das pessimistischste Szenario namens RCP8.5 wahr wird: In der internationalen Klimapolitik geschieht rein gar nichts, der CO2-Ausstoß steigt weiterhin ungebremst.

Für die Hitze in Ostchina würde das überraschenderweise kaum einen Unterschied machen, sollten die Autoren der "Nature"-Studie recht behalten: Die Wahrscheinlichkeiten für extrem heiße Sommer unterscheiden sich unter den beiden Szenarien kaum voneinander. Für die kommenden 30 Jahren steigen die Kurven nahezu parallel zueinander rapide an.

Langer Bremsweg bei Klimaschutzmaßnahmen

Ein Grund ist, dass Klimaschutzmaßnahmen derartig kurzfristig ohnehin kaum eine Effekt hätten. Erst Ende August besagte eine Studie, dass allein die neu gebauten Kohlemeiler in den kommenden 40 Jahren mindestens 300 Milliarden Tonnen Kohlendioxid ausstoßen werden. Angesichts dieser bereits eingeplanten Emissionen würden Hitzewellen wie die in China von 2013 laut den Berechnungen "in naher Zukunft wesentlich häufiger vorkommen, ganz egal, welche Emissionsszenarien man für die Zukunft annimmt", betonen Zhang und seine Kollegen.

Ein weiterer Grund ist, dass zur Situation in China nicht nur der globale Klimawandel beiträgt, sondern auch lokale Faktoren hinzukommen - insbesondere das rasante Wachstum der ostchinesischen Metropolen. Diese sogenannten urbanen Hitzeinseln mit ihren Betonbauten, dunklen Dächern und schwarz geteerten Straßen treiben die Temperaturen zusätzlich in die Höhe - ein Effekt, der sich überall in der Welt beobachten lässt.

Und auch an dieser Stelle haben die Wissenschaftler konservativ gerechnet: Sie sind bei ihren Projektionen davon ausgegangen, dass die weitere Urbanisierung keinen weiteren Beitrag mehr zu den Temperaturveränderungen leisten wird.

Risiken für Gesundheit, Energieproduktion und Landwirtschaft

Dennoch ist die Entwicklung bemerkenswert: Extreme Hitzesommer seien zwischen 1955 und 2013 statistisch einmal alle 29 Jahre vorgekommen, schreiben die Forscher, mit einem starken Anstieg zum Ende dieser Periode. 2013 habe die Wahrscheinlichkeit bereits eins zu 4,3 betragen, 2024 werde sie eins zu eins erreichen. Zum Vergleich: Vor der Industrialisierung sei ein Sommer wie 2013 im Durchschnitt alle 270 Jahre in Ostchina vorgekommen.

Laut den Projektionen werde es "unausweichlich zu großflächigeren, lang anhaltenden und heftigen Hitzewellen in der Region kommen", heißt es in der Studie. Gemeinsam mit dem absehbaren Wachstum von Bevölkerung und Wohlstand sei von "höheren Risiken für die Gesundheit, die Landwirtschaft und die Energieproduktion auszugehen", falls keine schnellen Anpassungsmaßnahmen ergriffen würden.

In dieser Hinsicht zumindest ging es in China, das seit Jahren mit den Umweltfolgen seines rasanten wirtschaftlichen Aufstiegs kämpft, ein wenig voran: Radikale Maßnahmen sollen der massiven Luftverschmutzung in den Metropolen entgegenwirken, und im Juni erklärte Peking erstmals, den Treibhausgasausstoß begrenzen zu wollen.

mbe

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insgesamt 55 Beiträge
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1. Ernergiewende
observer2014 13.10.2014
Man mag über die Volksrepublik China und insbesondere deren politischem System ja denken wie man will, eines erscheint mir aber sicher zu sein: Sollte die Regierung wegen der Folgen der Kohleverfeuerung in Kraftwerken für Klima und Gesundheit sich zu einer Energiewende entschließen, dann wird diese auch mit allen Konsequenzen umgesetzt. Die geographische Lage erlaubt eine wirtschaftlichere Nutzung der Solareniergie als z. B. in Deutschland. Was die Nutzung der Windernergie angeht, hat die Volksrepublik China ja bereits stark aufgeholt. Der Anteil der mit Windkraft erzeugten Strommenge übersteigt bereits die der Atomkraftwerke. Deswegen sind die Szenarien der Klimawissenschaftler für mich sicherlich ernst zu nehmen. Sobald die chinesische Administration diese auch ernst nimmt, werden sich aber einige Parameter in China ändern. Wegen der unhaltbaren Zustände in den Großstädten hinsichtlich des Smogs scheinen sich die Regierenden ja auch bereits drastische konkrete Maßnahmen bis hin zum Fahrverbot zu überlegen.
2. @ Observer2014
aurichter 13.10.2014
Bezüglich der Klimakatastrophe, die die Chinesen massgeblich mit verursacht haben und noch kräftig an dieser Stellschraube drehen, siehe auch Automobilanmeldungen, wird die Regierung in den nächsten Jahren die Notbremse ziehen müssen. Verstehe einer diese merkwürdige Energiepolitik, da werden merkwürdige Projekte ala Drei Schluchten Staudamm mit immensen Aufwand auch gegen den Willen der Bevölkerung umgesetzt, hat im Land die wohl größte Solarbranche weltweit und landesweit, trotz der Bevölkerungsdichte, noch riesige Landstriche, die eine Bebauung mit Windenergieanlagen und Solarkraftwerken ermöglichen könnten und dann liest man, das weitere soundsoviel hundert Kohlepestanlagen gebaut werden sollen. Was muss eigentlich noch geschehen um ein radikales Umdenken in den Köpfen dieser Apparatschicks zu bewirken? Kann mir doch keiner erzählen, dass diese umweltfreundliche Form der Energiegewinnung in dem Land kostspieliger sein soll als CO2 Schleudern. Die Asiaten müssen hier deutliche Signale setzen bei der Bevölkerungsrate und dem wachsenden Hunger nach Energie. Gerade diese Länder wie auch Indien und Pakistan müssen verstärkt diese neuen Techniken nutzen, ansonsten wird die Studie ganz schnell in ihren negativen Auswirkungen überholt sein.
3.
jambon1 14.10.2014
die einzige Frage, die sich stellt ist die nach der Reduzierung der Weltbevölkerung. wird sich nach der Klimakatastrophe, nach der daraus resultierenden Hungerkatastrophe, der nachfolgenden humanitären Katastrophe, die Welt Bevölkerung auf einem Vertrag glich er EM Niveau einpendeln? im Prinzip ja, aber vorher werden im Krieg um Wasser und Ackerland noch schnell alle verfügbaren Atomwaffen eingesetzt. dann übernehmen Ratten und Kakerlaken das Ruder
4. Viele Probleme
silverhair 14.10.2014
Zitat von aurichterBezüglich der Klimakatastrophe, die die Chinesen massgeblich mit verursacht haben und noch kräftig an dieser Stellschraube drehen, siehe auch Automobilanmeldungen, wird die Regierung in den nächsten Jahren die Notbremse ziehen müssen. Verstehe einer diese merkwürdige Energiepolitik, da werden merkwürdige Projekte ala Drei Schluchten Staudamm mit immensen Aufwand auch gegen den Willen der Bevölkerung umgesetzt, hat im Land die wohl größte Solarbranche weltweit und landesweit, trotz der Bevölkerungsdichte, noch riesige Landstriche, die eine Bebauung mit Windenergieanlagen und Solarkraftwerken ermöglichen könnten und dann liest man, das weitere soundsoviel hundert Kohlepestanlagen gebaut werden sollen. Was muss eigentlich noch geschehen um ein radikales Umdenken in den Köpfen dieser Apparatschicks zu bewirken? Kann mir doch keiner erzählen, dass diese umweltfreundliche Form der Energiegewinnung in dem Land kostspieliger sein soll als CO2 Schleudern. Die Asiaten müssen hier deutliche Signale setzen bei der Bevölkerungsrate und dem wachsenden Hunger nach Energie. Gerade diese Länder wie auch Indien und Pakistan müssen verstärkt diese neuen Techniken nutzen, ansonsten wird die Studie ganz schnell in ihren negativen Auswirkungen überholt sein.
#2 Gestern, 18:55 von aurichter China hat ein gewaltiges zusätzliches Problem .. es "Verwüstet" schneller als sogar die Sahara! Das was sie als "unbebaute Landflächen heute sehen , und dort wo viele alte Städte noch stehen wird bald vom Wüstensand überdeckt sein, so das China fast seine gesamte Bevölkerung umsiedeln muss , und keineswegs eben diese unbebauten Flächen verwenden kann! In Wüstengebieten - besonders in den Bereichen wo sie gerade erst entsteht können sie aber nicht so ganz einfach Solaranlagen aufstellen wegen den Sandstürmen - und auch wegen den extremen Temperaturen die zwischen Tag und Nacht auftreten können! Ausserdem ist China zusätzlich massiv auf das Wasser aus dem Himalaya angewiesen .. was es sich sogar möglicherweise mit Krieg mit Indien teilen muss, und das unter den Voraussetzungen , das auch dieser Wasserzufluss immer weiter sinkt , weil auch die Gletscher des Himalaya längst am tauen sind! Den Hunger nach Energie wird China dank der EU und Deutschland bald ja lösen können , den das jetzt Russland größter Gaslieferant Chinas werden wird dürfte klar sein! Aber insgesamt sind das eine ganze Reihe von Problemen die teilweise miteinander Konkurrieren , so das es da keine einfachen "ach mach mal lösungen" gibt!
5.
happy2010 14.10.2014
Zitat von aurichterBezüglich der Klimakatastrophe, die die Chinesen massgeblich mit verursacht haben und noch kräftig an dieser Stellschraube drehen, siehe auch Automobilanmeldungen, wird die Regierung in den nächsten Jahren die Notbremse ziehen müssen. Verstehe einer diese merkwürdige Energiepolitik, da werden merkwürdige Projekte ala Drei Schluchten Staudamm mit immensen Aufwand auch gegen den Willen der Bevölkerung umgesetzt, hat im Land die wohl größte Solarbranche weltweit und landesweit, trotz der Bevölkerungsdichte, noch riesige Landstriche, die eine Bebauung mit Windenergieanlagen und Solarkraftwerken ermöglichen könnten und dann liest man, das weitere soundsoviel hundert Kohlepestanlagen gebaut werden sollen. Was muss eigentlich noch geschehen um ein radikales Umdenken in den Köpfen dieser Apparatschicks zu bewirken? Kann mir doch keiner erzählen, dass diese umweltfreundliche Form der Energiegewinnung in dem Land kostspieliger sein soll als CO2 Schleudern. Die Asiaten müssen hier deutliche Signale setzen bei der Bevölkerungsrate und dem wachsenden Hunger nach Energie. Gerade diese Länder wie auch Indien und Pakistan müssen verstärkt diese neuen Techniken nutzen, ansonsten wird die Studie ganz schnell in ihren negativen Auswirkungen überholt sein.
Tja, trotz der gebetsmühlenartigen Schallplattenwiederholung der EE Fans ist Fossil marktwirtschaftlich immer noch viel billiger wie EE. Nicht umsonst baut die Welt über 80% Fossilenergie zu Dagegensteuern kann die Welt, nicht ein einziger Staat,, denn der geht sonst daran zugrunde
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