Klimawandel: Kanada verabschiedet sich vom Kyoto-Protokoll

Es ist ein herber Rückschlag für den Klimaschutz. Kurz nach dem Ende des Gipfels von Durban steigt Kanada als erstes Land vorzeitig aus dem Kyoto-Protokoll aus. Das teilte der kanadische Umweltminister Peter Kent mit. Offenbar spielen auch finanzielle Gründe eine Rolle.

Ottawa - Nur wenige Tage nach der Weltklimakonferenz in Durban hat Kanada am Montagabend überraschend seinen Rückzug aus dem Kyoto-Protokoll erklärt. "Wir berufen uns auf das Recht Kanadas, formell aus Kyoto auszusteigen", teilte der kanadische Umweltminister Peter Kent mit. Kent hatte zuletzt mehrfach erklärt, dass das Kyoto-Protokoll "ein Ding der Vergangenheit" sei und dass Kanada einer Verlängerung nicht zustimmen werde.

Kanada ist damit das erste Land, das das Kyoto-Protokoll ratifiziert hat und sich vorzeitig aus dem Abkommen zurückzieht. Außer Kanada hatten auch Japan und Russland im vergangenen Jahr bereits angekündigt, keine neuen Kyoto-Vereinbarungen akzeptieren zu wollen.

Dass die Regierung in Ottawa bereits jetzt das Aus erklärt, dürfte nach Meinung von Experten auch finanzielle Gründe haben. Mit dem Ausstieg vor dem Jahresende vermeidet Kanada, wegen Nichterfüllung seiner Zusagen zum Abbau von Treibhausgasen noch Strafen zahlen zu müssen.

Umweltminister Kent gab dagegen folgende Begründung: "Das Kyoto-Protokoll bezieht die USA und China, die beiden Länder mit dem größten Ausstoß (von Treibhausgasen), nicht mit ein und kann deshalb nicht funktionieren. (...) Es ist inzwischen klar, dass Kyoto nicht zu einer globalen Lösung für den Klimaschutz führt. Wenn überhaupt, ist es ein Hindernis", sagte der kanadische Minister bei einer Pressekonferenz im Parlament. Allerdings sagte er auch, der Schritt spare Kanada 14 Milliarden Dollar (10,5 Milliarden Euro) an Strafzahlungen für das Nichteinhalten der im Protokoll gesetzten Ziele.

Um die Kyoto-Ziele 2012 zu erreichen, hätte Kanada entweder jedes Fahrzeug von der Straße nehmen oder den gesamten Landwirtschaftssektor schließen und die Heizung jedes Gebäudes in Kanada kappen müssen, sagte der Minister. Kanada produziere kaum zwei Prozent des weltweiten Treibhausgasausstoßes. Die Regierung der Liberalen habe Kyoto damals unterzeichnet, aber nie beabsichtigt, dessen Ziele wirklich zu erreichen.

Das 1997 vereinbarte Kyoto-Protokoll ist das bislang einzige globale Klimaschutzabkommen, das verbindliche Vorgaben für die Emission von Treibhausgasen macht. Ratifiziert haben es mehr als 190 Staaten, doch gelten die Emissionsvorgaben nur für insgesamt 37 Industriestaaten, nicht für Schwellen- und Entwicklungsländer wie China oder Indien. Dies hatte Kanada bereits zuvor kritisiert. Die Entscheidung, sich von der Übereinkunft zurückzuziehen, ist ein herber Rückschlag in der internationalen Klimadiskussion.

Beim Klimagipfel in Durban hatten die Delegierten einen Fahrplan für ein neues Klimaschutz-Abkommen verabschiedet. Laut dem mehr als hundert Seiten umfassenden Paket soll das Kyoto-Protokoll fortgeschrieben werden. Das Nachfolgeabkommen soll bei der nächsten Klimakonferenz in Katar 2012 ausgearbeitet werden.

Kent erklärte, dass die Vereinbarung von Durban für ein neues Protokoll mit verbindlichen Zielen für alle Länder ab 2020 der richtige Weg für die Zukunft sei: "Es erlaubt uns, weiter Stellen zu schaffen und Wachstum in Kanada zu fördern." Kanada fühle sich dem Kampf gegen den Klimawandel verpflichtet, solange er für alle Länder gerecht sei. Er wäre nicht überrascht, wenn andere Länder sich ebenfalls aus dem Kyoto-Protokoll zurückzögen, sagte Kent.

bos/AFP/dapd/dpa

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insgesamt 149 Beiträge
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1. Da haben die Kanadier...
bambata 13.12.2011
... wohl nochmal mit "spitzem Bleistift" nachgerechnet und "überraschend" festgestellt, dass die Ölsandförderung in Alberta (bzw. der damit einhergehende immense CO2-Ausstoss) nicht mit den Kyoto-Vereinbarungen in Übereinstimmung zu bringen ist. Bei den Emissionen in Tonnen je Einwohner nehmen sie ja inzwischen den unrühmlichen ersten Platz weltweit ein. Bevor man am Pranger steht, die Kyoto-Ziele verfehlt zu haben, steigt man daher einfach mal lieber aus. Die Chinesen werden sich dafür bedanken, denn nun können sie mit dem Finger auf ein weiteres hochindustrialisiertes Land zeigen, das man sich zum Vorbild nehmen kann.
2.
moserer 13.12.2011
Zitat von sysopKurz nach dem Ende des Klimagipfels in Durban ist Kanada*das erste Land, dass vorzeitig aus dem Kyoto-Protokoll aussteigt.*Das teilte der kanadische Umweltminister Peter Kent am Montag mit.*Sein Land hatte im vergangenen Jahr angekündigt,*keine neuen Kyoto-Vereinbarungen akzeptieren zu wollen.* http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,803321,00.html
Also da kann ich die Kanadier gut verstehen. Immerhin sitzen sie mit den Russen und Dänen auf den letzten reisigen und unerschlossenen Rohstoffvorkommen der Welt. Die liegen allerdings im hohen Norden und 3-4 Grad mehr anstatt nur 2 sparen ein paar zig Milliarden um dort auch hinzukommen und kostengünstig auszubeuten ;)
3. Verständlich
Steffmann40 13.12.2011
Zitat von sysopKurz nach dem Ende des Klimagipfels in Durban ist Kanada*das erste Land, dass vorzeitig aus dem Kyoto-Protokoll aussteigt.*Das teilte der kanadische Umweltminister Peter Kent am Montag mit.*Sein Land hatte im vergangenen Jahr angekündigt,*keine neuen Kyoto-Vereinbarungen akzeptieren zu wollen.* http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,803321,00.html
Das Kyoto-Protokoll war nie mehr als ein globaler Arbeitskreis zum Thema: "Wir wollen unser Büro schöner machen". Und wer das nicht schon vor 10 Jahren wusste, muss nun angesichts der jüngsten Machtdemonstration der Strippenzieher im globalen Finanzsektor einsehen, dass Regierungen und deren Vertreter keinerlei Handhabe besitzen, um wirklich etwas zu bewegen. Da müsste dann schon ein handfestes, finanzielles Interesse bestehen. Also, wieso dann nicht gleich ehrlich sein, und den Blödsinn aufgeben ? In Kanada geht das natürlich auch glatt durch, wer kann sich in so einem Land schon vorstellen, dass die Wälder baldigst Wüsten weichen werden ?
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ArnoNym 13.12.2011
Zitat von sysopKurz nach dem Ende des Klimagipfels in Durban ist Kanada*das erste Land, dass vorzeitig aus dem Kyoto-Protokoll aussteigt.*Das teilte der kanadische Umweltminister Peter Kent am Montag mit.*Sein Land hatte im vergangenen Jahr angekündigt,*keine neuen Kyoto-Vereinbarungen akzeptieren zu wollen.* http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,803321,00.html
So langsam fällt das völlig schwachsinnige Kartenhaus restlos in sich zusammen. Gut so! Hoffentlich merkt das so langsam auch Angelika Murksel, denn der Wadenbeißer Röttgen ist ja völlig merkbefreit.
5. super
weißer_rabe 13.12.2011
Zitat von sysopKurz nach dem Ende des Klimagipfels in Durban ist Kanada*das erste Land, dass vorzeitig aus dem Kyoto-Protokoll aussteigt.*Das teilte der kanadische Umweltminister Peter Kent am Montag mit.*Sein Land hatte im vergangenen Jahr angekündigt,*keine neuen Kyoto-Vereinbarungen akzeptieren zu wollen.* http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,803321,00.html
Kanada ist das einzige Lang, welches Eier in der Hose hat.
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