Prognose: Klimawandel macht Transatlantikflüge turbulenter

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Flugzeug: Forscher warnen vor heftigeren und häufigeren Turbulenzen

Flugreisen könnten in Zukunft deutlich unangenehmer werden: Laut einer Simulation nehmen die Turbulenzen zumindest über dem Nordatlantik in den kommenden Jahrzehnten zu. Möglicherweise müssen Piloten sogar auf neue Routen ausweichen.

Das Flugzeug ruckelt, der Sitz wackelt, die Anschnallzeichen leuchten auf: Turbulenzen auf Flugreisen könnten aufgrund des Klimawandels künftig häufiger vorkommen und heftiger ausfallen, berichten britische Forscher im Fachjournal "Nature Climate Change" . "Unsere Ergebnisse legen nahe, dass der Klimawandel Mitte dieses Jahrhunderts zu holprigeren Transatlantikflügen führen wird", schreiben Paul Williams von der University of Reading und Manoj Joshi von der University of East Anglia in Norwich.

Die Forscher beziehen sich dabei in erster Linie auf sogenannte "Clear-Air"-Turbulenzen, also solche bei wolkenfreiem Himmel. Im Gegensatz zu Turbulenzen im Umfeld von Gewittern können sie kaum vorhergesagt werden. Ursache sind gegensätzliche Windströmungen, durch die selbst große Flugzeuge ruckartig nach oben oder unten gerissen werden können. Deshalb werden die "Clear-Air"-Turbulenzen auch als Luftlöcher bezeichnet.

"Der Klimawandel sorgt nicht nur für die Erwärmung der Erdoberfläche, er verändert auch die Luftströmungen in der Atmosphäre", sagte Williams. Dies betreffe besonders Luftschichten, in denen Flugzeuge üblicherweise unterwegs seien. Bei einer Verdopplung des Kohlendioxidgehalts in der Atmosphäre verglichen mit dem vorindustriellen Niveau, wie es innerhalb der kommenden 40 Jahre zu erwarten sei, dürfte demnach die Stärke von Turbulenzen deutlich zunehmen.

Steigende Flugdauer, größerer Treibstoffverbrauch

Bei ihrer Analyse beschränkten sich die Forscher auf die Flugzone über der nördlichen Hälfte des Nordatlantiks in den Wintermonaten von Dezember bis Februar. Mit Hilfe von Klima-Modellsimulationen berechneten sie, dass Turbulenzen dort in etwa 40 Jahren um 40 bis 170 Prozent häufiger auftreten könnten. Außerdem könnten sie um 10 bis 40 Prozent heftiger ausfallen.

"Diese konkreten Aussagen hat meines Wissens noch niemand so getroffen", sagte der Meteorologe Thomas Gerz vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). "Die Annahmen, die die Forscher treffen, sind nachvollziehbar."

Sollten die "Clear-Air"-Turbulenzen über dem Nordatlantik künftig wie berechnet häufiger vorkommen, könnte das nach Angaben der Forscher spürbare Auswirkungen auf den Luftverkehr haben: So müssten Piloten die entsprechenden Gebiete umfliegen, um die Wahrscheinlichkeit von Turbulenzen zu verringern. Dadurch würde der Treibstoffverbrauch ansteigen und die Flugreisen könnten länger dauern, schreiben die Wissenschaftler.

"Der Luftverkehr ist mitverantwortlich für den Klimawandel", sagte Williams. "Es ist eine Ironie, dass das Klima sich anscheinend dafür rächt, indem es das Fliegen turbulenter macht."

wbr/dpa/AFP

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