Klimawandel Ozeane haben Wärmespeicherung stark beschleunigt

Die Meere haben ihre Wärmeaufnahme offenbar dramatisch gesteigert. Laut einer neuen Studie haben sie in den letzten 60 Jahren mehr Energie aufgenommen als jemals zuvor in den vergangenen 10.000 Jahren. Die Frage ist: Wann geben sie die Wärme wieder an die Atmosphäre ab?

Pazifikinsel Süd-Tarawa: Ozeane speichern Wärme
REUTERS

Pazifikinsel Süd-Tarawa: Ozeane speichern Wärme


Der Klimawandel macht derzeit Pause. Laut den Computermodellen hätte sich die Atmosphäre seit der Jahrtausendwende um 0,25 Grad aufheizen sollen. Dass es anders kam, hat Wissenschaftler vor Rätsel gestellt - und wurde von Skeptikern prompt als Zeichen interpretiert, dass der Mensch schuldlos am Klimawandel sei. Zuletzt aber haben sich die Hinweise verdichtet, dass der Pazifik einen großen Teil der überschüssigen Wärme geschluckt hat. Eine neue Studie legt nun nahe, dass diese Pufferfunktion der Meere sogar unterschätzt wurde - was für die Zukunft aber nichts Gutes ahnen lässt.

Dass die Ozeane gigantische Mengen an Energie speichern, ist nichts Neues: In ihren obersten drei Metern halten sie so viel Wärme wie die gesamte Lufthülle der Erde. Allerdings werden die Wassertemperaturen erst seit einigen Jahrzehnten mit Instrumenten erfasst. Ein Team um Yair Rosenthal von der Rutgers University im US-Bundesstaat New Jersey hat die Temperaturen der Meere nun für die vergangenen 10.000 Jahre rekonstruiert. Das Ergebnis: Die Wärmeaufnahme ist zuletzt dramatisch gestiegen.

Wie die Forscher im Fachblatt "Science" schreiben, haben sich die mittleren Tiefenschichten der Meere in den vergangenen 60 Jahren 15-mal schneller erwärmt als bei jeder natürlichen Schwankung der vergangenen 10.000 Jahre. Für ihre Analyse haben die Forscher winzige Meerestiere, sogenannte Foraminiferen oder auch Kammerlinge, untersucht. Sie stammten aus Bohrkernen, die bereits 2003 an der Grenze zwischen Pazifischem und Indischem Ozean aus dem Meeresgrund geholt wurden.

Besonderes Augenmerk richteten die Wissenschaftler auf einen Organismus namens Hyalinea balthica, der in Tiefen zwischen 500 und 1000 Metern lebt. Anhand des Magnesium- und Kalziumgehalts in den Schalen der Tiere konnten die Forscher die Wassertemperaturen der vergangenen Jahrtausende rekonstruieren.

"Das wird den Klimawandel nicht aufhalten"

Die Ergebnisse halten die Forscher für durchaus besorgniserregend, denn sie deuten darauf hin, dass die Ozeane die Wirkung der menschlichen Treibhausgas-Emissionen noch stärker gedämpft haben könnten als bisher angenommen. "Möglicherweise haben wir die Effizienz der Meere als Lagerstätte für Wärme und Energie unterschätzt", sagt Rosenthal. "Das könnte uns mehr Zeit verschaffen. Aber wie viel, weiß ich nicht."

Sicher sei nur eines: "Das wird den Klimawandel nicht aufhalten." Denn irgendwann werden die Ozeane wieder weniger Wärme aufnehmen - und dann könnte sich die Atmosphäre umso schneller erhitzen.

Ähnlich äußerte sich der US-Klimaforscher Drew Shindell, einer der führenden Autoren des kürzlich veröffentlichten Weltklimaberichts. Die Ergebnisse der Studie von Rosenthal und seinen Kollegen legten nahe, dass die aktuelle Pause der globalen Erwärmung nur eine Folge von zufälligen Veränderungen im Wärmeaustausch zwischen Atmosphäre und Ozeanen sei. Die Temperaturen an der Erdoberfläche seien nur einer der Indikatoren des Klimawandels, sagte der Wissenschaftler in einer Mitteilung der New Yorker Columbia University. Zielführender könnte es sein, "auf die gesamte Energie zu schauen, die im Klimasystem gespeichert ist".

mbe



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insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
Ha.Maulwurf 01.11.2013
1.
Zitat von sysopREUTERSDie Meere haben ihre Wärmeaufnahme offenbar dramatisch gesteigert. Laut einer neuen Studie haben sie in den letzten 60 Jahren mehr Energie aufgenommen als jemals zuvor in den vergangenen 10.000 Jahren. Die Frage ist: Wann geben sie die Wärme wieder an die Atmosphäre ab? http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/klimawandel-ozeane-haben-waermespeicherung-stark-beschleunigt-a-931264.html
Groteske Aussage. 2000-2010 war die wärmste Dekade seit dem Beginn der Aufzeichnungen. 2005 und 2010 waren die heißesten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen.
reuanmuc 01.11.2013
2.
Zitat von Ha.MaulwurfGroteske Aussage. 2000-2010 war die wärmste Dekade seit dem Beginn der Aufzeichnungen. 2005 und 2010 waren die heißesten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen.
Wenn Sie Ihre eigene Aussage meinen, dann haben Sie recht. Haben Sie im Freibad schon mal die Anzeigen für Lufttemperatur und Wassertemperatur gesehen? Wahrscheinlich ist Ihnen noch nie aufgefallen, dass die Temperaturen unterschiedlich sind.
freesprit 01.11.2013
3. Interessant ist wie immer nur eine Aussage :
Zitat von reuanmucWenn Sie Ihre eigene Aussage meinen, dann haben Sie recht. Haben Sie im Freibad schon mal die Anzeigen für Lufttemperatur und Wassertemperatur gesehen? Wahrscheinlich ist Ihnen noch nie aufgefallen, dass die Temperaturen unterschiedlich sind.
Sie wissen es nicht! Sie können sich 15 Jahre Stillstand nicht erklären, nur vermuten! Aber eines wissen sie ganz sicher: *Das wird den Klimawandel nicht aufhalten.* Mit dem Adjektiv "menschengemacht", ist man also immerhin schon vorsichtiger geworden. In leichter Abwandlung kann man also sagen: Wenn der Hahn kräht, auf dem Mist - ändert sich das Klima, oder es bleibt wie's ist.
reuanmuc 01.11.2013
4.
Zitat von freespritSie wissen es nicht! Sie können sich 15 Jahre Stillstand nicht erklären, nur vermuten! Aber eines wissen sie ganz sicher: *Das wird den Klimawandel nicht aufhalten.* Mit dem Adjektiv "menschengemacht", ist man also immerhin schon vorsichtiger geworden. In leichter Abwandlung kann man also sagen: Wenn der Hahn kräht, auf dem Mist - ändert sich das Klima, oder es bleibt wie's ist.
Ich nehme an, dass Sie nicht mich persönlich, sondern die Forscher meinten. Natürlich können sie es nur vermuten, denn die Vorgänge sind zu langsam, um sie zu beobachten. Aber es gibt eine Fülle einzelner Forschungsresultate, die in ihrer Gesamtheit ein deutliches Bild ergeben. Daran sind tausende Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen und verschiedener Nationen beteiligt. Man kann auch die Schwerkraft nur vermuten, denn bisher wurde sie nie bei ihrer Arbeit beobachtet! Alle Naturwissenschaft ist nur Vermutung (K.Popper).
freesprit 01.11.2013
5. Nicht immer,
Zitat von reuanmucWenn Sie Ihre eigene Aussage meinen, dann haben Sie recht. Haben Sie im Freibad schon mal die Anzeigen für Lufttemperatur und Wassertemperatur gesehen? Wahrscheinlich ist Ihnen noch nie aufgefallen, dass die Temperaturen unterschiedlich sind.
es gibt Tage, da sind beide identisch und im Spätsommer ist das Wasser oft wärmer, als die Luft. Aber was wollten Sie uns damit sagen?
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