Fit für den Klimawandel Pfeifhase ernährt sich vor allem von Moos

Seine ungewöhnliche Speisekarte könnte dem kleinen, pummeligen Pfeifhasen das Überleben in trockenen Zeiten sichern. Bis zu 60 Prozent seiner Nahrung bestehen aus Moos. Die Tiere können somit in ganz unterschiedlichen Umgebungen überleben.

Kann auch in extremen Habitaten überleben: Pfeifhase in der Columbia River Gorge
Mallory Lambert/ University of U

Kann auch in extremen Habitaten überleben: Pfeifhase in der Columbia River Gorge


Salt Lake City - Moos ist kein besonders gutes Nahrungsmittel für Säugetiere, es enthält nämlich zu etwa 80 Prozent Ballaststoffe. Doch der Speiseplan von Pfeifhasen besteht trotzdem überwiegend aus Moos, wie Forscher der University of Utah in Salt Lake City im "Journal of Mammalogy" berichten. Sie ermittelten eine Quote von 60 Prozent, das sei mehr als bei jedem anderem Tier.

"Einige Ballaststoffe sind ja ganz gut", sagte die Erstautorin der Studie, Johanna Varner. Aber Moos bestehe fast nur aus Ballaststoff. "Das ist ein bisschen so, wie Papier zu essen."

Um auch die letzten Nährstoffe aus dem Moos herauszuholen, fresse der rund 15 Zentimeter lange Pfeifhase seinen Kot mehrfach. Das ist auch von Hasen oder Meerschweinchen bekannt: Sie verzehren den sogenannten Blinddarmkot. Die Tiere lassen Bakterien in ihrem Blinddarm die Faserstoffe (Zellulose) aufspalten und scheiden die so entstandenen Blinddarmpellets aus. Nach dem Fressen dieser Pellets können die Tiere dann die Abbauprodukte der Bakterien verwerten.

Überleben in extremer Umgebung

Mit dieser Fähigkeit könnten die beobachteten Amerikanischen Pfeifhasen (Ochotona princeps), auch Pika genannt, möglicherweise die Folgen des Klimawandels überstehen, meinen die Forscher.

Pfeifhasen bevorzugen gewöhnlich eher kühle, alpine Lagen. Die beobachteten Tiere lebten jedoch in einem felsigen Gebiet des US-Staates Oregon etwa auf Höhe des Meeresspiegels. "Unsere Arbeit zeigt, das Pikas ungewöhnliche Nahrung wie Moos fressen können, um in extremer Umgebung zu überleben", erläutert Autorin Denise Dearing. "Ich schließe daraus, dass sie vielleicht resistenter gegen den Klimawandel sind, als wir dachten." Wenn sie Moos zwischen den Felsen fressen, müssen sie nicht auf die freie Fläche hinaus und sind so zugleich vor Feinden und vor der Sonnenhitze geschützt.

Die Forscher hatten die Hasen in zwei Jahren insgesamt 220 Stunden lang vor allem von Juni bis August beobachtet. Ergebnis: Sie fraßen zu 60 Prozent Moos - gemessen an der Trockensubstanz - und ansonsten unter anderem Gras, Flechten, Farn, Stauden und Tannennadeln.

Es gebe zwar auch andere Tiere, die kurzzeitig insbesondere im Winter viel Moos fräßen, etwa Rentiere (bis zu 54 Prozent der Nahrung) und Lemminge (bis zu 40 Prozent), berichten die Forscher. Aber die 60 Prozent der Pfeifhasen seien ein Rekord. Ihren Namen bekamen die kleinen Nager, weil sie sich mit Pfiffen gegenseitig warnen und erkennen.

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hda/dpa



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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
ir² 23.12.2013
1. Ich glaube mein Hase pfeift...
Zitat von sysopMallory Lambert/ University of USeine ungewöhnliche Speisekarte könnte dem kleinen, pummeligen Pfeifhasen das Überleben in trockenen Zeiten sichern. Bis zu 60 Prozent seiner Nahrung besteht aus Moos. Die Tiere können somit in ganz unterschiedlichen Umgebungen überleben. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/klimawandel-pfeifhase-ernaehrt-sich-vor-allem-von-moos-a-940618.html
Bin ich aber erleichtert, dass der Pfeifhase den menschengemachten Klimawandel überlebt. (°^*) Es gibt für jeden Blödsinn Forschungsgelder, man muss nur das Wort "Klimawandel" im Antrag oft genug erwähnen....
kastenmeier 23.12.2013
2. ....
Zitat von ir²Bin ich aber erleichtert, dass der Pfeifhase den menschengemachten Klimawandel überlebt. (°^*) Es gibt für jeden Blödsinn Forschungsgelder, man muss nur das Wort "Klimawandel" im Antrag oft genug erwähnen....
Sind Dauernörgler wie Sie nicht mal an Weihnachten in der Lage die Klappe zu halten. Versuchen Sie einfach mal, so einen Artikel als nettes Geschichtchen zu lesen und darin nicht sofort einen Angriff auf Ihr ganz persönliches Steuergeld zu sehen - frohes Fest!
renee gelduin 23.12.2013
3. optional
Bleibt nur noch die Frage, ob das Moos (!) den Klimawandel überlebt, das dürfte bei anhaltendem Temperaturanstieg durchaus fraglich sein.
soulseeker 23.12.2013
4. optional
Cute ... das zeigt doch zumindest, dass ein paar Arten überleben werden. Vielleicht gibts in 2-3 Millionen Jahren dann eine neue intelligente Kultur, die den Pfeifhasen entspringen wird :).
norman.schnalzger 23.12.2013
5. zu kastenmeier
Vielen Dank, sie sprechen mir aus der Seele.
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