Klimawandel Pflanzen erobern Europas Gipfel

Die Artenvielfalt auf europäischen Bergspitzen ist aktuell fünfmal so hoch wie vor 50 Jahren. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher nach einer Untersuchung von mehr als 300 Gipfeln.

Wildblumen in den österreichischen Alpen (Archivbild)
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Wildblumen in den österreichischen Alpen (Archivbild)


Die zunehmende Klimaerwärmung lässt auch die Zahl der Pflanzenarten auf Europas Bergspitzen steigen, bisher dort nicht vorhandene Arten erobern die Gipfel immer schneller. Das berichtet ein Team um Manuel Steinbauer von der Universität Erlangen-Nürnberg und Sonja Wipf vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung im schweizerischen Davos im Fachmagazin "Nature".

Steinbauer und Wipf gelang demnach gemeinsam mit Forschern aus elf Ländern erstmals der Beweis, dass die Artenvielfalt auf Berggipfeln in ganz Europa ansteigt und dass dies immer schneller geschieht. "Immer mehr Arten ist es möglich, aus tieferen Lagen in höhere Regionen vorzudringen", so Steinbauer. "Dort konnten sie vor Jahrzehnten noch nicht überleben - es gibt deutliche Hinweise, dass dies mit der globalen Erwärmung zusammenhängt."

Beschleunigte Reaktion nachgewiesen

Die Arten sind im Durchschnitt größer und dadurch konkurrenzstärker als die angestammten Gipfelbewohner. Diese laufen deshalb auf längere Sicht Gefahr, verdrängt zu werden. Zu ganz ähnlichen Erkenntnissen waren jüngst Biologen der Universität Wien gekommen: Viele Alpenpflanzen dehnten ihren Verbreitungsraum aus - gleichzeitig gerieten etwa 20 Prozent der Gewächse unter starken Konkurrenzdruck.

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Klimawandel: Alpenpflanzen profitieren teilweise von der Erderwärmung

Wie sich die Zusammensetzung der Arten auf Gipfeln mit dem Klimawandel langfristig verändert, wird sich nach Einschätzung der Autoren der neuen Studie jedoch erst in den kommenden Jahrzehnten zeigen.

Laut Studie ist die Artenvielfalt auf europäischen Gipfeln in diesem Jahrzehnt fünfmal so hoch wie in den vergangenen 50 Jahren. "Es ist das erste Mal, dass man eine solche beschleunigte Reaktion auf den Klimawandel für alpine Lebensräume nachweisen kann", erklärte Wipf. Bisher ist eine derartige Beschleunigung von Prozessen infolge der wachsenden Klimaerwärmung vor allem von unbelebten Systemen wie Gletschern bekannt.

Die Wahrheit über die Erwärmung

Die beteiligten Forscher hatten den Artenbestand auf 302 Gipfeln in den Alpen, den Pyrenäen, den Karpaten sowie in schottischen und skandinavischen Gebirgen analysiert. Ihre Aufzeichnungen verglichen sie mit älteren, teils historischen, Vegetationsaufnahmen derselben Gipfel. Dadurch entstand ein Datensatz, der eine Zeitspanne von 145 Jahren umfasst.

chs/AFP



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