Klimawandel Rekordhitze bremste Pflanzenwachstum

Der heiße und trockene Sommer 2003 hat das Wachstum von Pflanzen in Europa um 30 Prozent reduziert. Dies habe den Treibhauseffekt weiter verstärkt, berichten Wissenschaftler, und warnen vor einer Beschleunigung des Klimawandels.


Wald: Im Sommer 2003 nur halb so viel CO2 gebunden
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Wald: Im Sommer 2003 nur halb so viel CO2 gebunden

Der Treibhauseffekt verstärkt sich selbst. Diese alarmierende These hat jetzt ein internationales Wissenschaftlerteam im Magazin "Nature" aufgestellt. Die Forscher hatten die Folgen des Rekordsommers 2003 auf das Pflanzenwachstum in ganz Europa untersucht. Die damalige Hitzewelle mit dem wärmsten Monat August seit Beginn der Messungen und Temperaturen bis zu 40 Grad hatte gewaltige Waldbrände ausgelöst. 35.000 Menschen starben infolge der extremen Hitze.

Der heiße und trockene Jahrhundertsommer habe das Wachstum von Pflanzen in Europa um etwa 30 Prozent reduziert, berichten die Forscher um Philippe Ciais vom Laboratoire des Sciences du Climat et de l'Environnement in Gif sur Yvette. Dies habe zur Verstärkung des Treibhauseffekts geführt, weil die Pflanzen entsprechend weniger Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufgenommen haben.

Erst vor zwei Wochen hatten britische Forscher Hinweise dafür veröffentlicht, dass sich der Klimawandel selbst befeuert. Seit Jahrzehnten gibt der Boden in England mehr Kohlenstoff ab, als er bindet - und zwar so viel, dass alle CO2-Sparanstrengungen der Briten dadurch ausgeglichen werden. Als Ursache für den Kohlenstoffüberschuss gilt das wärmere Klima.

Ökossysteme produzieren CO2

Wissenschaftler machen erhöhte CO2-Konzentrationen für steigende Temperaturen auf der Erde verantwortlich - so auch für den Rekordsommer 2003. Bislang war man davon ausgegangen, dass höhere Temperaturen das Pflanzenwachstum beschleunigen und somit die CO2-Aufnahme erhöhen. Diesen bremsenden Effekt scheint es jedoch zumindest im August 2003 nicht gegeben zu haben - ein Widerspruch zu zahlreichen Klimamodellen.

"Geringe Niederschläge in Osteuropa in Verbindung mit extrem hohen Temperaturen in Westeuropa behinderten das Pflanzenwachstum so stark wie noch nie in den vergangenen hundert Jahren", schreiben die Forscher. Sie warnen davor, dass angesichts dieser Erkenntnisse bei Trockenheiten in Zukunft der Klimawandel beschleunigt würde, weil die Ökosysteme "Kohlendioxid produzieren, statt es abzubauen".

Ciais und seine Kollegen hatten die Wechselwirkung von Klima und Biosphäre am Computer simuliert und diese Daten mit CO2-Messungen, Satellitenaufnahmen und Erntestatistiken aus dem Sommer 2003 kombiniert.

Wald bei Dresden schluckte 50 Prozent weniger CO2

Forscher der Technischen Universität Dresden, die an der "Nature"-Studie beteiligt waren, hatten sich speziell mit der Kohlenstoffbilanz der europäischen Wälder beschäftigt. Nach ihren Erkenntnissen konnten die Wälder infolge der extremen Temperaturen nur noch 50 Prozent der ursprünglichen CO2-Menge speichern. Damit habe sich die dämpfende Wirkung der Wälder auf die Erderwärmung verringert, erklärten Christian Bernhofer und Thomas Grünwald vom Dresdner Institut für Hydrologie und Meteorologie. Somit könne die globale Erderwärmung noch weit größere Folgen haben als bisher vermutet.

Die Dresdner Wissenschaft gehen davon aus, dass in 50 bis 100 Jahren ein Sommer wie der im Jahr 2003 zur Normalität wird. Damit gäben die 2003 gewonnenen Erkenntnisse einen Blick in die "Klimazukunft". Mitarbeiter der TU Dresden betreuen bereits seit zehn Jahren Messstationen des Tharandter Waldes südostlich der Stadt. Diese lieferten wichtige Daten und Erkenntnisse zu dem bei Hitze veränderten CO2-Haushalt der Wälder.



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