Klimawandel: Schildkröten-Jungs trotzen der Erwärmung
Je wärmer, desto weiblicher: Bei höheren Temperaturen schlüpfen bei vielen Reptilien zu wenig Männchen aus den Eiern. In Sorge um den Fortbestand der Suppenschildkröten haben Biologen eine Population vor Zypern untersucht - und herausgefunden, dass sich die Herren recht wacker schlagen.
London - Anders als befürchtet, gibt es wohl doch noch genügend Männchen der gefährdeten Suppenschildkröte, um den Bestand der Art im Mittelmeer stabil zu erhalten. Das berichten Forscher um Lucy Wright von der University of Exeter in den "Proceedings B" der Royal Society.
Die Sorge hat ihren Grund in der Embryonalentwicklung von Reptilien: Bei vielen Arten schlüpfen mehr Weibchen aus den Eiern, wenn es wärmer ist. Damit lässt der Trend zu höheren Temperaturen infolge des Klimawandels befürchten, dass es eines Tages nicht mehr genügend Männchen geben könnte, um eine möglichst große genetische Vielfalt aufrechtzuerhalten. Diese ist aber Voraussetzung für den gesunden und sicheren Arterhalt.
Das Team untersuchte 2008 eine Schildkröten-Population im Norden der Insel Zypern, in der Alagadi-Bucht. Dort gibt es bereits einen sehr großen Anteil von Weibchen unter den geschlüpften Schildkröten. Er liegt bei rund 95 Prozent. Bei den zum Eierlegen an Land kommenden Weibchen sowie den Jungtieren wurden genetische Tests unternommen. Damit lässt sich unter anderem feststellen, wie viele Väter die Nachkommen hatten.
Zur Paarung nehmen die Schildkröten weite Strecken auf sich
Die Analyse von mehr als 800 kleinen Schildkröten ergab, dass mindestens 28 verschiedene Männchen mit 20 Weibchen Nachwuchs gezeugt hatten. Dieses Verhältnis von 1,4 Männchen je Weibchen war unerwartet groß, schreibt das Team in dem Journal. Dies lasse vermuten, dass die derzeit lebenden Männchen das Potential hätten, den negativen Effekt des Klimawandels wegzupuffern. Dies gelte womöglich auch für andere Meeresschildkröten-Populationen, die stark dezimiert sind. Ein ergänzendes Experiment mit Satellitenortung zeigte, dass Männchen in der Brutsaison weite Strecken zurücklegen. Womöglich hätten sie sich mit Weibchen vor der Küste der Türkei oder Nordafrika gepaart.
nik/dpa
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