Neues aus der Geoforschung: Klimawandel bremst Hurrikane, Vulkane erwachen, Meteorit in Polen

Von Axel Bojanowski

Die Klimaerwärmung bringe mehr tropische Wirbelstürme - so viel schien sicher. Doch eine Studie besagt jetzt das Gegenteil. Außerdem im Überblick zur Geoforschung: ein Meteoritenfund in Polen, eine Umfrage zum Klimawandel und Vulkane, die sich gefährlich aufblähen.

Hurrikan "Sandy" vor der Ostküste der USA: Seltener 3000-Kilometer-Wirbel Zur Großansicht
NASA

Hurrikan "Sandy" vor der Ostküste der USA: Seltener 3000-Kilometer-Wirbel

Hamburg - Nachdem Hurrikan Katrina im August 2005 immense Zerstörungen in New Orleans angerichtet hatte, schien der Fall nach Meinung vieler Experten klar: Die globale Erwärmung sorge für mehr Sturmkatastrophen. Eine Bilanz tropischer Stürme aber zeigt nun, dass die Riesenwirbel weniger geworden sind. Im Atlantik heißen sie Hurrikane, in Asien Taifune oder Zyklone.

Die Forscher Masato Sugi von der Japan Agency for Marine Earth Science und Jun Yoshimura vom Meteorological Research Institute in Japan haben anhand von Computersimulationen die Entwicklung tropischer Wirbelstürme seit 1872 nachvollzogen: Die sogenannten Zyklonen sind demnach mit fortschreitender Erwärmung in allen Erdteilen stetig weniger geworden, berichten die Forscher im Fachblatt "Geophysical Research Letters". Auf der Nordhalbkugel sei der Rückgang stärker als im Süden.

Daten über die Stürme sind lückenhaft, weshalb die Entwicklung der Naturgefahr ungenügend bekannt ist. Die neuen Simulationen aber überraschen: Hurrikane ziehen ihre Energie aus der Wärme subtropischer Meere. Weil die Ozeane im Zuge des Klimawandels wärmer werden, nahmen Wissenschaftler an, dass die Wirbel häufiger auftreten und stärker werden.

Doch zumindest was die Häufigkeit angehe, wirke offenbar ein anderer Effekt, schreiben die japanischen Forscher: Die Klimaerwärmung stabilisiere Luftmassen, Temperaturunterschiede würden kleiner. Folglich steigt weniger feuchte Luft auf - die Wirbel bekommen weniger Energie, sie werden gebremst. Für die Zukunft sagen die Forscher voraus, dass der Trend zu weniger tropischen Zyklonen anhalten werde.

Auch der vorab bekannt gewordene Klimabericht der Vereinten Nationen hat pessimistische Angaben aus dem vorigen Uno-Report von 2007 über die Zahl der Riesenwirbel korrigiert. Die Angaben hätten angesichts neuer Studien überarbeitet werden müssen, heißt es in dem neuen Uno-Report. Die Annahme, tropische Wirbelstürme würden zunehmen, habe sich als "nicht robust" erwiesen. Allerdings gelte die gute Nachricht nicht für die allerstärksten Hurrikane: Es gebe Hinweise darauf, dass sie im Atlantik in den letzten Jahren heftiger ausgefallen seien als frühere Stürme dieser Kategorie.

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    Ob Klimawechsel, Rohstoffkrisen, Meerestiefen, oder die vermeintlich feste Erde - Geoforschung bewegt die Welt. Hier berichtet SPIEGEL-ONLINE-Redakteur und Diplom-Geologe Axel Bojanowski über interessante neue Erkenntnisse und Debatten abseits der prominenten Nachrichten - kurz und klar und kritisch.

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