Klimaextreme Wie Städte Wassermassen und Dürre trotzen

Durch den Klimawandel werden extreme Wetterereignisse wie Dürre und Starkregen zunehmen, das sagen Forscher voraus. Wie können sich Gemeinden wappnen und wie sehen Städte der Zukunft aus?

Überflutete Gebiete in Oberfranken
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Überflutete Gebiete in Oberfranken

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Dieser Sommer war extrem, soviel steht fest. Extrem lang, extrem schön - aber auch extrem trocken. Seen und Flüsse schrumpften, die Vegetation litt unter der Trockenheit, trotz langer Wurzeln bekamen sogar Bäume verfärbte Blätter und kahle Äste. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) verzeichnete den zweitwärmsten meteorologischen Sommer nach 2003, damals erreichten die Durchschnittstemperaturen mit 19,6 Grad Celsius Werte noch etwas über denen von diesem Jahr - sie lag bei 19,3 Grad.

Ob der Klimawandel die Ursache für den Hitze-Sommer 2018 ist, weiß man noch nicht, weil entsprechende Analysen noch ausstehen. Er erschien den Deutschen dennoch wie ein Vorbote darauf, wie sich die Erwärmung der Erde hierzulande anfühlen könnte.

Denn die Prognosen sind deutlich: Die Deutschen müssen sich wohl auf häufigere Wetterextreme einstellen. "Wir erwarten in der Zukunft eine Zunahme von solchen Perioden mit all ihren Konsequenzen für unsere Gesellschaft. Dies erfordert von uns allen intensivere Anpassungs- und Klimaschutzmaßnahmen," sagte DWD-Vizepräsident Paul Becker.

In den kommenden Jahren wird es wohl häufiger zu Dürrephasen und zu Starkregenereignissen kommen. Zwar bleibe die jährliche Niederschlagsmenge in Deutschland etwa gleich, allerdings ändere sich die Verteilung, sagte etwa der Klimaforscher Stephan Thober. Das bedeutet: Mehr heftige lokale Unwetter mit Starkregen, die Zerstörungen anrichteten könnten.

Auf diese Veränderungen müssen sich die Kommunen einstellen und langfristig planen. Was können sie tun?

Um Starkregen besser ableiten zu können, liegt es zunächst nahe, die Aufnahmefähigkeit der Kanalrohre zu erweitern. Bisher wird die Kanalisation auf der Grundlage des sogenannten Bemessungsregen geplant - dafür gibt es Karten, sie zeigen die jeweiligen regionalen Niederschlagsmengen an.

Die Ingenieure orientieren sich meist an den Mengen des stärksten Regenereignisses in einem Gebiet, das statistisch etwa nur alle fünf Jahre vorkommt. Solche Mengen müssen die Kanäle oder andere Abwasser- und Versickerungssysteme auffangen können.

Allerdings kommt es häufiger zu Überlastungen und in der Folge zu Überschwemmungen. Deshalb empfiehlt die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA), die Kanalisation an einigen Stellen zu erweitern und zumindest dort für Regenmengen auszulegen, wie sie nur alle zehn oder gar 30 Jahre vorkommen, wo das Überflutungsrisiko erhöht ist. Städte wie etwa Hamburg bauen ihre Kanalisation deshalb schon länger aus.

Überflutungen durch Starkregen
VKU

Überflutungen durch Starkregen

Doch das allein wird nicht ausreichen, glauben Experten. Selbst mit Erweiterungen kommt die Kanalisation bei außergewöhnlich starkem Regen an Kapazitätsgrenzen. Karsten Specht, Vizepräsident beim Verband kommunaler Unternehmen (VKU), gibt zu bedenken, dass die Kanalisation nicht überall vergrößert werden kann. "An vielen Stellen in der Straßeninfrastruktur fehlt einfach der Platz. Kanäle und Gullys können nicht so gebaut werden, dass sie jedes Regenereignis aufnehmen", sagt er. Zudem hilft eine höhere Abfluss-Kapazität bei heftigem Starkregen nur geringfügig. Durch die hohen Fließgeschwindigkeiten von Sturzbächen auf den Straßen strömt das Wasser einfach über die Gullideckel hinweg und fließt dort gar nicht erst ab.

Ein weiteres Problem an Dürrephasen: Regnet es irgendwann, kann der ausgetrocknete Boden die Feuchtigkeit nicht aufnehmen. Den Effekt kennt jeder vom Blumengießen. Wenn man das Wässern der Topfpflanze vernachlässigt, läuft der Topf leicht über, wenn man zu schnell gießt. Angefeuchtete Erde dagegen nimmt das Wasser viel schneller auf. Für die Kommunen heißt das: Regenwasser fließt direkt in Kanäle und Flüsse, statt ins Grundwasser zu versickern.

Grundsätzlich besteht in vielen Städten das Problem, dass viele Flächen durch Beton-, Asphalt- oder etwa Gehwegsplatten versiegelt sind - das Wasser findet bei Regenfällen kaum Flächen, um zu versickern, es fehlt an Grünflächen. "Unsere Städte sind zu sehr versiegelt nicht mehr darauf ausgerichtet, Wasser zu halten", sagt Specht. Deshalb müssen die Gemeinden wegen des Klimawandels in Zukunft anders planen.

Geplantes Starkregen-Netzwerk
VKU

Geplantes Starkregen-Netzwerk

Er fordert einen lokalen Starkregendialog, bei dem alle Akteure an einen Tisch sitzen: Architekten, Stadtplaner, Vertreter der Wasserwirtschaft, der Kommunen und der Landwirtschaft. Auch Bund und Länder seien gefordert, die Kommunen zu unterstützen. Nur gemeinsam könne man die Probleme strategisch angehen.

Zu den wichtigen Strategien der Stadtplaner für einen ausgeglichenen Wasserhaushalt gehört die sogenannte Schwammstadt. Gemeint ist die Erschaffung von begrünten Dächern und Fassaden sowie von neuen Grünflächen - sie saugen das Wasser praktisch auf wie ein Schwamm.

Zudem dienen sie der Regenrückhaltung und entlasten die Kanalisation. Auch mehr Flutmulden und Polder, Auffangflächen, in die das Wasser bei starken Regenfällen fließt, könnten helfen. Selbst kleinere Lösungen bringen Entlastung - wie etwa Sickerkästen, unter der Straßenpflasterung.

Die Schaffung von vielen kleinen grünen Speicherräumen würde aber nicht nur bewirken, dass das Wasser verzögert abfließt. Es würde zudem das Grundwasser anreichern und beim Sickerungsprozess durch die Grünflächen wie durch einen Filter gereinigt.

Solche Überlegungen werden bereits in der Praxis angewendet. Das Umweltbundesamt etwa lobt die Gründachstrategie der Stadt Hamburg. Auch in Berlin in einem Siedlungsgebiet in Treptow-Köpenick wird Regenwasser in Rasenmulden gesammelt und versickert dort.

Schwammstadt-Strategien werden auch schon in anderen Regionen der Welt umgesetzt. In Shanghai entsteht im Stadtteil Lingang eine "Sponge City" mit bepflanzten Dächern und grünen Flächen. Wasserdurchlässige Bürgersteige ermöglichen sogar, dass Regenwasser durch den Belag im Boden versickern kann. Bis 2020 soll mindestens 70 Prozent des Regenwassers aufgefangen, wiederverwendet oder vom Boden auf natürliche Art und Weise absorbiert werden. Einige anderer chinesische Städte beteiligen sich mit ähnlichen Projekten.

Zudem würde mehr Grün und Wasser in den Städten wegen der Verdunstungskühlung auch die Temperaturen senken. Auch das macht die Städte lebenswerter. Und ganz nebenbei erhöhen Grünflächen auch den Freizeitwert und damit die Lebensqualität.

Positive Nachrichten gibt es im Hinblick auf die Trinkwasserversorgung: Weil es laut den Prognosen insgesamt nicht weniger regnen wird, ist Trinkwasser, das sich aus dem Grundwasser speist, selbst bei Dürrephasen ausreichend vorhanden. Zwar lag der Verbrauch in diesem Sommer laut VKU stellenweise zwischen 50 und 100 Prozent höher als sonst. Doch grundsätzlich ist genügend Wasser da.

Langfristig muss aber wohl in einigen Kommunen in Förder- und Aufbereitungstechnik investiert werden, um Bedarfsspitzen in trockenen Phasen krisenfest bewältigen zu können. Auch wir Verbraucher können uns übrigens daran beteiligen: Etwa indem wir unseren Rasen bei Hitze nicht ständig wässern und in Kauf nehmen, dass er im Sommer mal gelb wird. Denn ein Rasensprenger verbraucht in zwei Stunde etwa 750 Liter Wasser.



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