Erdgeschichte Steigende Temperaturen förderten Artenvielfalt

Regenwald contra Arktis: In warmen Regionen ist die Artenvielfalt meist größer als in kalten. Nimmt also mit langfristig steigenden Temperaturen die Zahl der Spezies zu? In der Vergangenheit war es so, berichten Forscher. Eine Prognose zum aktuellen Klimawandel wagen sie aber nicht.

Ammoniten-Fossil im Naturkundemuseum Münster: Temperatur beeinflusst Biodiversität
DPA

Ammoniten-Fossil im Naturkundemuseum Münster: Temperatur beeinflusst Biodiversität


Wenn die Temperaturen steigen, erhöht dies den Anteil der Arten, die aussterben. Gleichzeitig fördert ein wärmeres Klima über längere Zeiträume aber die Entstehung neuer Spezies, berichten britische Wissenschaftler im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Das Team um Peter Mayhew von der University of York wollte einen Widerspruch klären: Geografisch im Verlauf der Breitengrade betrachtet, bedeuteten höhere Temperaturen mehr Artenreichtum. Das gilt nicht nur für die Meere, sondern auch an Land, sofern dort ausreichend Trinkwasser vorhanden ist. Bisher ergab die Analyse von Fossilfunden dagegen ein anderes Bild: Bei steigenden Temperaturen schien die Artenvielfalt zu sinken. Und heute gilt jede dritte Art unter anderem durch den Klimawandel als vom Aussterben bedroht.

Die Forscher erstellten ein neues Modell der Artenvielfalt wirbelloser, im Wasser lebender Tiere in den vergangenen 540 Millionen Jahren, das sie unter anderem zu den Temperaturen an der Meeresoberfläche in Bezug setzten. Erfasst wurden Vielfalt, Aussterberate und Ausmaß der Neuentstehung von Arten.

Zuvor unwirtliche Lebensräume erobert

Ihren Berechnungen zufolge nahm die Artenvielfalt zu, wenn die Temperaturen stiegen. Die Biodiversität reagierte langfristig auf Temperaturschwankungen, sie folgte deren rund 140 Millionen Jahre umfassenden Rhythmus. Dass in Warmzeiten vermehrt neue Spezies entstehen, gehe auf verschiedene Faktoren zurück. Unter anderem könnten zuvor unwirtliche Lebensräume erobert werden.

Auf den derzeitigen Klimawandel ließen sich die Ergebnisse aber nicht einfach übertragen, warnen die Forscher. Ihre Daten lassen zwar darauf schließen, dass höhere Temperaturen langfristig die Artenvielfalt steigern - für kürzere Zeiträume müsse das aber nicht gelten.

Außerdem könne bei einem Massensterben in einem vergleichsweise kurzen Zeitintervall der Zusammenhang zwischen Artenvielfalt und Temperatur außer Kraft gesetzt sein. Dann könnten zu wenige neue Spezies entstehen, um das Aussterben bestehender Arten auszugleichen.

Zusätzlich würden auch andere Umweltfaktoren wie etwa der Nährstoffreichtum im Meer die Biodiversität beeinflussen, schreiben die Forscher. Das erkläre, warum im manchen kühleren Phasen der Artenreichtum dennoch anstieg.

wbr/dpa

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