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Klimawandel: Tiefsee vor der Antarktis erwärmt sich langsam

Langsam aber stetig steigt die Wassertemperatur in der Tiefsee vor der Antarktis. Deutsche Forscher warnen davor, dass eine "erhebliche Wärmemenge" im Ozean gespeichert wird - und befürchten globale Auswirkungen.

Antarktische Küste (2006): Temperaturanstieg in der Tiefsee Zur Großansicht
AFP / AWI / Gauthier Chapelle

Antarktische Küste (2006): Temperaturanstieg in der Tiefsee

Bremerhaven - Die Antarktis ist quasi das Symbol für Kälte. Doch auch an ihr geht der Klimawandel nicht spurlos vorbei. Deutsche Meeresforscher warnen nun, dass sich das Wasser in den Tiefen des Atlantiks nördlich der Antarktis immer weiter erwärmt. In den vergangenen 26 Jahren sei die Wassertemperatur großräumig um sechs Hundertstel Grad angestiegen, berichteten Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meeresforschung (AWI) zum Ende der jüngsten Expedition des Forschungseisbrechers "Polarstern".

Trotz des scheinbar geringen Wertes "ist dies eine erhebliche Wärmemenge, die im Ozean gespeichert wird", sagte Fahrtleiter Eberhard Fahrbach. Die steigenden Wassertemperaturen sind nach Angaben des AWI mittlerweile in weiten Teilen des Weddelmeeres im atlantischen Teil der Antarktis festzustellen. Außerdem ist auch die gesamte Wassersäule betroffen - und nicht nur die oberflächennahen Bereiche.

Für die Klima- und Polarforscher des AWI ist das ein weiteres Indiz dafür, dass die Ozeane auch in der Tiefe Wärme aus der durch den Treibhauseffekt erhitzten Atmosphäre aufnehmen. Der Weltklimarat IPCC hat bislang angenommen, dass etwa 80 Prozent der Wärme, die die Erde bisher durch den veränderten Treibhauseffekt zusätzlich aufgenommen hat, in den oberen Ozeanschichten bis 1500 Metern Wassertiefe landet. Nach Angaben von Fahrbach hat die jüngste "Polarstern"-Expedition nun gezeigt, "dass auch der tiefe Ozean mit seinem riesigen Volumen an diesem Prozess beteiligt ist".

Aus dem Weddelmeer heraus werden die Verhältnisse in der weltweiten Tiefsee beeinflusst, weil dort kaltes und salzreiches Wasser absinkt. Die AWI-Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Veränderungen an den Eigenschaften dieser bisher sehr kalten Wassermassen globale Auswirkungen haben werden.

Bei weiteren Untersuchungen im küstennahen Teil des Weddelmeeres stellten die AWI-Forscher fest, dass sich die Tier- und Pflanzenwelt unter Wasser nur sehr langsam an die Veränderungen anpasst. In der Region waren 1995 und 2002 große Schelfeisflächen abgebrochen. Die durch die Schmelze frei gewordenen Flächen am Meeresboden werden aber nur langsam von Organismen besiedelt. Das zeigt laut AWI, wie empfindlich das dortige Ökosystem auf Störungen reagiert.

chs/dpa

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