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Klimawandel: Uno warnt vor umfassendem Gletscherschwund

Aus Cancún berichtet

Rhône-Gletscher in der Schweiz: Experten fürchten Abschmelzen bis 2100 Zur Großansicht
dpa

Rhône-Gletscher in der Schweiz: Experten fürchten Abschmelzen bis 2100

Südasien und Südamerika werden besonders schnell und stark von der Gletscherschmelze betroffen sein. Ein neuer Uno-Bericht definiert die Folgen für die betroffenen Länder. Doch auch in der Schweiz sind Forscher höchst alarmiert.

Der Klimawandel macht den Hochgebirgsgletschern in großen Teilen der Welt stark zu schaffen. Das geht aus einem aktuellen Bericht des Uno-Umweltprogramms (Unep) hervor, der auf dem Klimagipfel im mexikanischen Cancún vorgestellt wurde. In einigen Regionen könnten die Gletscher bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwunden sein, warnen die Autoren des Berichts. Besonders schlecht seien die Prognosen für viele niedrig gelegene Eisfelder. "Dieser Report zeigt einen globalen Trend, der in manchen Teilen der Erde seit Jahrzehnten beobachtet wurde", sagte Unep-Chef Achim Steiner.

Tatsächlich schrumpfen viele Gletscher seit rund 150 Jahren - doch steigende Temperaturen ließen den Schwund seit den achtziger Jahren vielerorts im Zeitraffer ablaufen. Weitere Faktoren verschärfen die Lage: Rußablagerungen aus verpesteter Luft sorgen nicht zuletzt in Asien dafür, dass die Oberflächen vieler Gletscher die einströmende Sonnenstrahlung nur schlecht wieder abgeben können. Sie erwärmen sich noch stärker - und lassen das Eis schneller schwinden.

Die schmelzenden Eismassen gefährden die Bewohner betroffener Regionen gleich mehrfach - zum Beispiel in den Anden und dem Himalaja. Dort erhöht sich den Experten zufolge die Flutgefahr. Bereits jetzt seien jährlich zwischen 100 und 250 Millionen Menschen betroffen. Und wenn die Gletscher einmal verschwunden seien, kämen Probleme durch Wasserknappheit dazu. Dieses Problem droht laut dem Bericht zum Beispiel in Teilen der Anden und in Zentralasien.

Gletscherschwund selbst bei sofortiger Stabilisierung des Weltklimas

Je nach Weltregion unterscheidet sich das Schicksal der Gletscher allerdings deutlich. So schwinden die Eismassen im Süden von Argentinien und Chile überdurchschnittlich schnell, ebenso diejenigen in Alaska. Gefährdet sind auch Gletscher im Nordwesten der USA und im Südwesten Kanadas. Auch in Asien, etwa im Himalaja, dem Hindukusch oder dem Tian Shan, geht viel Eis verloren. In Europa hingegen wuchsen die Gletscher zeitweise sogar - schrumpfen nun aber auch an vielen Stellen.

Vor wenigen Tagen warnten Forscher von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich im Fachmagazin "Journal of Geophysical Research", dass sich der Schwund der Schweizer Gletscher nicht mehr aufhalten ließe, selbst wenn das Weltklima von einem Tag auf den anderen stabilisiert werden könne. Das Verhalten der Eismassen würde Klimaänderungen um Jahrzehnte hinterherhinken. "Langfristig wird der Gletscherschwund große Auswirkungen auf den gesamten Wasserhaushalt der Schweiz haben", warnte der Glaziologe Martin Lüthi.

Manche Eisansammlungen legen dagegen noch heute zu, zum Beispiel im Westen Norwegens, auf der Südinsel Neuseelands und in Teilen Feuerlands. Schuld sind zusätzliche Niederschläge, die sich durch eine Änderung der Klimamuster ergeben könnten.

Die Interpretation des Berichts ist deshalb schwierig. "Man kann keine generellen Aussagen machen", warnt Madhav Karki vom International Centre for Integrated Mountain Development in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Natürlich sei der Klimawandel schuld am schnellen Verschwinden vieler Himalaja-Gletscher. Doch genaue Aussagen seien oft schwierig: "Wir brauchen mehr Vor-Ort-Daten."

Schon jetzt Auswirkungen auf Menschen

Die Forscher sind vorsichtig geworden, seitdem eine verspätet aufgedeckte Falschangabe im letzten Weltklimabericht in diesem Jahr für weltweite Diskussionen gesorgt hatte: Die Warnung, dass alle Himalaja-Gletscher bis zum Jahr 2035 beinahe verschwunden sein würden, stellte sich als grober Unfug heraus.

Die anschließende Diskussion um die Glaubwürdigkeit des Weltklimarats ließ dem Umstand, dass die Himalaja-Gletscher vielerorts zweifelsfrei schrumpfen in den Hintergrund treten. Zu Unrecht, wie der neue Bericht nun noch einmal klarmacht.

Das Papier zeige nachdrücklich, wie sehr bereits jetzt Menschen unter dem Klimawandel litten, sagte Barry Coates von der Hilfsorganisation Oxfam. "Wir brauchen in den kommenden Tagen Fortschritte bei den Gesprächen von Cancún, vor allem bei der Einrichtung eines fairen Klimafonds." Nur so könnten von Gletscherrückgang, Wasserknappheit und Überflutungen bedrohte Menschen sich selbst schützen.

Besonders gefährdet seien Gebiete in Südasien, sagte Norwegens Umweltminister Erik Solheim. Er kündigte auf der Konferenz in Cancún an, sein Land wolle ein Programm für Anpassungsmaßnahmen in der Himalaja-Region mit rund neun Millionen Euro unterstützen: "Die Menschen im Himalaja müssen sich auf eine raue und unberechenbare Zukunft einstellen. Sie brauchen unsere ernsthafte Unterstützung." Finanziert werden sollen wissenschaftliche Arbeiten und konkrete Hilfsprojekte in Indien, Pakistan und China. Auch Deutschland plant am Donnerstag die Ankündigung von Anpassungshilfen für betroffene Bergbewohner.

Mit Material von dapd

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1.
dieMegamaschine, 08.12.2010
Wer an die permanente Panikmache vom durch den Menschen verursachten Klimawandel noch glaubt, ist selbst schuld. Ich zitiere einen Klimaforscher an der UNI in Leipzig, der mit Metereologen aus der ganzen Welt in Kontakt steht: Die sagen eindeutig alle: "Klimawandel - Das ist Politik und hat mit Wissenschaft nichts zu tun." Die nicht manipulierten Klimadaten sprechen eine ganz andere Sprache. Es wird seit einiger Zeit weltweit kälter! Aber der Weltklimarat und die UNO sind von Wirtschaftspolitik infiltriert und bewußt gesteuert. Zahlreiche Doku-Filme aus verschiedenen Ländern zeigen das faktenreich auf. Und wir spüren es ja weltweit selbst: Überall sind tiefere Temperaturen, als vorausgesagt: In London und GB, in Lateinamerika, in Nordamerika und den USA und in Europa. Gletscher, sagt der Klimaforscher, haben sich schon immer ausgedehnt und sich auch wieder zurückgezogen. Es hat schon immer in den zurückliegenden Millionen von Jahren auch ein völliges Zurückbilden von Gletschern gegeben. Wissenschaft insbesondere Klimaforschung sollte von Fakten ausgehen, nicht von fehlerhaften und manipulierten Klimamodellen. Diese unkritische Übernahme des Spiegels zeigt die Befehlskette der gleichgeschalteten Medien gegenüber Wirtschaft und Politik.
2. Ist doch egal.
rama-6 08.12.2010
Da wir keine Klimaerwärmung haben können die Gletscher garnicht schmelzen. Ist doch egal ob in Asien und der Welt Millionen von Menschen sterben,an Hunger. Wir haben doch Schnee! Also keine Klimaerwärmung!
3. vorbei
blowup 08.12.2010
Mir geht die ganze Klimaschutz- und Öko-Bewegung am A.. vorbei. Das ist eine Industrie wie andere auch, mit Lobbyarbeit, gekauften Studien, PR und Aktivisten und vielen Wichtigtuern, die von ihrem "Engagement" leben. Es geht um Milliarden. Nur dass diese - gut verdrahtete - Industrie es schafft, uns hier in Deutschland immer wieder zu gängeln und zu plündern. Allein diese Solarförderung. Da wird das Volk zur Kasse gebeten, damit sich wohlhabende Häuslebesitzer ihre Solaranlage mit "8 Prozent Rendite" leisten können. So gewinnt man keine Freunde. Nach mir die Sintflut - angesichts der Gletscherschmelze könnte das ein reales Szenario sein.
4. Antwort
archie, 08.12.2010
die Klimaforscher sind jetzt am Drücker und müssen dranbleiben, wenn sie weiter Geld und Ehre abgreifen wollen. Nachdem der prognostizierte Klimawandel angezweifelt wird, muss man sich was Neues ausdenken. Ich persönlich kann diese ganze Klimahysterie nicht mehr ertragen und zweifle mittlerweile jeden "Experten" auf jedem Gebiet an. Die können nichts, weil sie Schüler der 68er waren.
5. Schlaumeier
endbenutzer 08.12.2010
Zitat von sysopSteigende Temperaturen und Luftverschmutzung werden die Gletscher in vielen Teilen der Welt stark abschmelzen lassen. Ein neuer Uno-Bericht warnt vor Überflutungen und Trinkwassermangel. Allerdings unterscheiden sich die Auswirkungen in den verschiedenen Regionen der Erde. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,733432,00.html
Bevor sich wieder die Schlaumeier zu Wort melden: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1209976/Streit-um-Klimaschutz#/beitrag/video/1209976/Streit-um-Klimaschutz
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Themen des Klimagipfels in Cancún
Waldschutz
Die Vernichtung der Wälder trägt nach Angaben des Uno- Klimasekretariats zu 17 Prozent zum menschengemachten Treibhauseffekt bei. Ärmere Länder sollen Geld erhalten, wenn sie ihren Wald schützen. Dazu muss es jedoch klare Regeln geben, was ein Wald ist. Zudem müssen die Artenvielfalt und die örtliche Bevölkerung beachtet werden. Die Industrieländer sollen Faktoren, die zur Waldzerstörung in Entwicklungsländern führen, beseitigen.
Anpassung
Ärmere Länder benötigen Geld, um die Folgen des Klimawandels zu lindern. Ein solches Programm reicht vom Dammbau bis zu Versicherungen gegen Wetterextreme.
Treibhausgasausstoß
Bisher haben einzelne Staaten nur auf freiwilliger Basis nationale Klimaziele vorgelegt. Diese reichen jedoch nicht aus, um die Klimaerwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Neue und verbindliche Zusagen sind nötig, wenn der Klimawandel auf ein für Mensch und Natur erträgliches Maß begrenzt werden soll. Neue Reduktionen könnten zum Beispiel aus dem Flug- und Schifffahrtsbereich kommen.
Finanzierung
In einer unverbindlichen Vereinbarung auf dem Klimagipfel von Kopenhagen hatten die reichen Staaten zugesagt, ab dem Jahr 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar für Klimaziele in armen Ländern bereitzustellen. Vor einem umfassenden Klimavertrag müssten Finanzquellen aufgelistet und diese Zusage verbindlicher werden.

Außerdem wollten die Industrieländer den ärmeren Staaten insgesamt 30 Milliarden Dollar für 2010 bis 2012 für die Anpassung an den Klimawandel und eine umweltfreundliche Entwicklung geben. Klimaschützer kritisieren jedoch mangelnde Transparenz und befürchten, dass es dann Abzüge von der bisher geplanten Entwicklungshilfe gibt.
Überprüfung
Vor Abschluss eines umfassenden Vertrags muss sich die Staatengemeinschaft auf ein differenziertes Mess- und Kontrollsystem der Klimaschutzaktivitäten einigen. Darauf legen nicht zuletzt die USA Wert - und haben speziell China im Blick.

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