Klimawandel Wassermangel könnte Stromproduktion gefährden

Der Klimawandel bedroht die Stromerzeugung in den USA und Europa, weil in heißen Sommern das Kühlwasser knapp wird. Ohne ausreichende Kühlung sind Kraftwerke nicht zu betreiben, warnen Forscher. Der Sektor müsse sich dringend anpassen - sonst drohten Fehlinvestitionen.

Kohlekraftwerk Moorburg (11. Juni 2011): "Wasserintensivster Sektor überhaupt"
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Kohlekraftwerk Moorburg (11. Juni 2011): "Wasserintensivster Sektor überhaupt"


Die Erderwärmung könnte in den USA und Europa zu größeren Problemen bei der Stromversorgung führen, weil nicht genügend Kühlwasser verfügbar ist. In den USA stammten 91 Prozent, in Europa 78 Prozent der Elektrizität aus Kraftwerken, die Kernenergie oder fossile Brennstoffe nutzen, schreiben Wissenschaftler im Journal "Nature Climate Change". Diese Kraftwerke seien von Kühlwasser aus der Umgebung abhängig - oft geliefert von Flüssen.

Heiße, trockene Sommerphasen der vergangenen Jahre, in denen Kraftwerke in Europa und dem Südosten der USA heruntergefahren werden mussten, hätten bereits gezeigt, wie empfindlich die Stromversorgung auf den Klimawandel reagieren werde. Viele Flüsse führten künftig im Sommer weniger Wasser, zudem sei dieses wärmer, schreiben die Forscher um Michelle van Vliet von der Universität Wageningen (Niederlande).

Ihrer Modellrechnung zufolge sinkt die Kapazität der Kraftwerke zwischen 2031 und 2060 in Europa um 6 bis 19 Prozent und in den USA um 4 bis 16 Prozent. Das Risiko für eine Reduktion der Stromproduktion um mehr als 90 Prozent steige im Schnitt ums Dreifache. Der Sektor müsse sich erheblich anpassen - zumal der Energiebedarf künftig steigen werde.

Kraftwerke wurden in trockenen Sommern bereits heruntergefahren

Zum Kühlen von Kohle-, Gas- und Kernkraftwerken würden derzeit in Nordamerika jährlich 224 Kubikkilometer Wasser eingesetzt, in Europa seien es 121 Kubikkilometer. Zusammen seien das 86 Prozent des weltweit für thermoelektrische Kraftwerke verwendeten Wassers. Sowohl in den USA als auch in Europa gehöre der Bereich zu den wasserintensivsten Sektoren überhaupt, heißt es in der Studie.

In Europa hätten während der trockenen Sommer 2003, 2006 und 2009 mehrere Kraftwerke wegen Kühlwassermangels ihre Leistung drosseln müssen. In den USA hätten 2007 und 2008 einige Reaktoren sogar für eine Zeitlang ganz heruntergefahren werden müssen. Bei Betrieb und Planung von Kraftwerken müsse der Klimawandel als Faktor unbedingt berücksichtigt werden, warnen die Autoren. Sonst drohten teure Fehlinvestitionen. Eine Falle dabei: Bisherige Langzeitstudien zur Wasserverfügbarkeit gäben häufig nur Monats- oder gar Jahresmittel an, zudem würden die veränderten Wassertemperaturen meist nicht berücksichtigt.

Flüsse werden um bis zu 1 Grad wärmer

In ihrem Modell schufen die Wissenschaftler tägliche Vorhersagen für Wassermenge und -temperatur für das 21. Jahrhundert. Basis dazu bildeten Daten aus den Jahren 1971 bis 2000 sowie zwei Klimaszenarien. Das erste Szenario beinhaltet einen nur langsamen technologischen Wandel, das zweite geht von einem zügigen Umstieg auf erneuerbare Energien aus. Diese Szenarien SRES A2 und B1 stammen vom Weltklimarat IPCC.

Die Wassertemperatur der Flüsse in Europa werde demnach zwischen 2031 und 2060 im Hochsommer um 0,8 bis 1,0 Grad zulegen, in den USA um 0,7 bis 0,9 Grad. Das seien im Schnitt 0,2 Grad mehr als die Wassertemperatur im Jahresmittel. Die größten Veränderungen seien in den USA für den südlichen Teil des Mississippi-Beckens und in Europa für den Südwesten und -osten zu erwarten. Es werde dann zudem deutlich mehr Tage geben als bisher, an denen die Wassertemperatur von Flüssen über 23 Grad Celsius steige - ab diesem Wert dürfe das Wasser in Europa nicht mehr für die Kühlung von Kraftwerken verwendet werden.

nik/dpa

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insgesamt 129 Beiträge
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Seite 1
silenced 04.06.2012
1. <->
OffTopic: ---Zitat von Artikel--- Flüsse werden sich um bis zu 1 Grad wärmer werden ---Zitatende--- Wer tippt die Texte auf SPON? Das geht mal überhaupt nicht. OnTopic: Ein Grund mehr um eine bessere Netzinfrastruktur zu errichten um OffShore-Windanlagen besser nutzen zu können. Selbst wenn man immer behauptet, daß der Strom im Süden benötigt wird und nicht im Norden, so kann man den Strom aus den OffShore-Anlagen doch eigentlich auch für den Norden nutzen. Den Rest für den Süden. Investitionen hin oder her, es gibt Dinge die müssen einfach gemacht werden. Eine ordentliche Infrastruktur, sei es Strom, Wasser, Gas, Straße, Bahn, Telekommunikation und alles andere gehört einfach dazu. Es ist auch nicht verkehrt wenn man mehr Kraftwerke hat als benötigt werden. Vor allem die Kernkraftwerke stehen so oder so einen großen Teil der Zeit still wegen Wartungsarbeiten oder anderen Problemen.
Stelzi 04.06.2012
2. Tja, lustig
Das Problem Kernkraftwerke zu kühlen, kennen die Franzosen schon seit Jahrzehnten. Wahrscheinlich geht es in der Studie auch vornehmlich um diese Kraftwerke in Europa. Allerdings sagen Klimamodelle für West- und Mitteleuropa eher mehr Wasser voraus als weniger. Aber wer schon statt von KlimaWANDEL von Klimaerwärmung schreibt... Desweiteren wäre das ja alles nur ein Argument mehr von dieser Art der Energieerzeugung wegzukommen. Atomlobby, wo bist du um das Gegenteil zu behaupten?
KommenTatort 04.06.2012
3.
Zitat von sysopGetty ImagesDer Klimawandel bedroht die Stromerzeugung in den USA und Europa, weil in heißen Sommern das Kühlwasser knapp wird. Ohne ausreichende Kühlung sind Kraftwerke nicht zu betreiben, warnen Forscher. Der Sektor müsse sich dringend anpassen - sonst drohten Fehlinvestitionen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,836802,00.html
Die dramatischeren Probleme verursacht der Klimawandel nicht in Europa/USA. Wasser für Kraftwerke? In Westafrika gibt es schon jetzt fast gar kein Wasser mehr für die Menschen und Tiere und Landwirtschaft... Act now on the #Sahel2012 food crisis (http://www.avaaz.org/en/petition/Act_now_on_the_Sahel2012_food_crisis/?cbQTHab) Das wäre doch mal einen Artikel wert, SPON!
dr.u. 04.06.2012
4. Gut, wenn man Alternativen hat ...
Zitat von sysopGetty ImagesDer Klimawandel bedroht die Stromerzeugung in den USA und Europa, weil in heißen Sommern das Kühlwasser knapp wird. Ohne ausreichende Kühlung sind Kraftwerke nicht zu betreiben, warnen Forscher. Der Sektor müsse sich dringend anpassen - sonst drohten Fehlinvestitionen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,836802,00.html
Ein breiter aufgestellter Energie-Mix mit einem hohen Anteil EE (PV, Wind, Gezeiten, Biomasse, etc.) kann das Problem deutlich mildern. Selbst wenn der Strompreis 3-5ct steigt, ist das immer noch besser, als die Industrie abzuschalten. Wenn dann noch Effizienztechnologien verstärkt zum Einsatz kommen, ärgern sich alle, die ihre kühlintensiven Großkraftwerke (inkl. AKWs) abschalten oder herunterfahren müssen.
exminer 04.06.2012
5. Es gibt auch Trockenkühltürme bzw. Hybridanlagen,
bei denen die Verfügbarkeit von Wasser sekundärer Natur ist. Es ist nur die Frage was man höher bewertet, die Betriebssicherheit oder die Rendite.
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