Klimawandel: Weltbank warnt vor Ernährungskatastrophen

Leergefischte Gewässer, ausgelaugte Böden, Mangel an Wasser: Arme Länder werden schon heute regelmäßig von Hungersnöten heimgesucht. Jetzt warnt die Weltbank davor, dass der Klimawandel die Lage dramatisch verschärfen wird - und ruft zur Vorbereitung auf Notlagen auf.

Flüchtlingslager in Kenia (2011): Dürren sorgen in Afrika für Hungersnöte Zur Großansicht
Getty Images

Flüchtlingslager in Kenia (2011): Dürren sorgen in Afrika für Hungersnöte

London - Die Weltbevölkerung verbraucht schon heute deutlich mehr, als die Erde langfristig bieten kann - und wächst dennoch weiterhin rapide. Das allein könnte nach Ansicht mancher Fachleute bereits genügen, um gewaltige Ernährungskrisen auszulösen - ganz ohne zusätzliche Faktoren wie etwa den Klimawandel.

Der allerdings findet schon heute statt, und wird sich aller Voraussicht nach noch deutlich verschärfen. Entsprechend dramatisch klingt ein Bericht, den die Weltbank jetzt veröffentlicht hat. Die ärmsten Länder der Welt müssen sich demnach so schnell wie möglich auf die unumgänglichen Folgen der Erwärmung vorbereiten. Um für anstehende Dürreperioden, Hochwasser, Stürme und andere extreme Wetterbedingungen gewappnet zu sein, müssten zum Beispiel landwirtschaftliche Praktiken verändert sowie erneuerbare Energien gefördert werden, heißt es in dem rund 250 Seiten dicken Report "Turn down the Heat".

Demnach liegt die globale Durchschnittstemperatur heute 0,8 Grad höher als vor der industriellen Revolution. Kern des Reports ist allerdings das, was in ärmeren Ländern geschähe, wenn die Temperaturen am Ende des Jahrhunderts um bis zu vier Grad anstiegen:

  • Afrika südlich der Sahara könnte bei einer Erwärmung um 1,5 bis 2 Grad bis zum Jahr 2030 rund 40 bis 80 Prozent der Fläche, auf der heute noch Mais und Hirse angebaut werden, durch Trockenheit verlieren. Bis 2050 könnte die Zahl der unterernährten Menschen in der Region um 25 bis zu 90 Prozent gegenüber heutigen Verhältnissen ansteigen.
  • In Südasien könnten vorhergesagte Veränderungen des Monsuns zu deutlich mehr Überschwemmungen und gleichzeitig längeren und härteren Dürreperioden führen. Ereignisse wie die verheerende Flut in Pakistan, die 2010 mehr als 20 Millionen Menschen betraf, könnten häufiger vorkommen.
  • In Südostasien bedrohen vor allem der ansteigende Meeresspiegel und die zunehmende Stärke von Wirbelstürmen die Menschen. Ein Temperaturanstieg von 4 Grad hätte zudem dramatische Folgen für die Meereslebewesen und damit wiederum auch für die Menschen, deren Ernährung zu großen Teilen vom Meer abhängt.

"Schmerzhaft spürbar wird der Klimawandel zuerst in den verwundbaren Regionen", erklärte Hans Joachim Schellnhuber, Leitautor des Berichts und Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (Pik). "Es wird immer deutlicher, dass Klimapolitik und Entwicklungspolitik keine Gegensätze sind, sondern Hand in Hand gehen."

Allerdings basiert der Weltbank-Bericht auf der Annahme, dass die globale Durchschnittstemperatur schon in den 2080er Jahren vier Grad höher sein wird als in vorindustriellen Zeiten. Das bewegt sich am oberen Ende dessen, was Berechnungen zur Zukunft der Temperaturentwicklung bisher ergeben haben. Andere Projektionen gehen von teils deutlich geringerer Erwärmung aus.

Die Autoren des Berichts räumen in ihrem Report ein, dass sie von einem "Business-as-usual"-Szenario ausgehen: Der Ausstoß von Treibhausgasen wird ungebremst weitergehen, die Weltgemeinschaft keine politischen Gegenmaßnahmen einleiten. Damit allerdings könnten sie auch durchaus richtig liegen - denn bisher deutet nichts darauf hin, dass die Nationen sich zu einem radikalen Kurswechsel aufraffen können. Vielmehr eilen die CO2-Emissionen von Rekord zu Rekord, obwohl seit mehr als 20 Jahren unter Führung der Uno verhandelt wird.

Weniger gut vorhersehbar als die politische Entwicklung erscheint allerdings, wie stark genau die Treibhausgas-Konzentration auf das Klimasystem wirkt. Der Klimawandel macht seit Jahren Pause, was Wissenschaftler zunehmend vor Rätsel stellt - auch wenn sie einstweilen weiterhin davon ausgehen, dass eine Erwärmung um zwei Grad schon jetzt kaum noch abzuwenden ist.

Weltbank-Präsident Jim Yong Kim betonte deshalb bei der Vorstellung des neuen Berichts nicht nur die Bekämpfung der Emissionen, sondern auch die Vorbereitung auf das Unvermeidbare: "Entschlossenes Handeln ist nötig, nicht nur, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern, sondern auch, um die Länder auf eine Welt mir dramatischen Klimaveränderungen und Wetter-Extremen vorzubereiten." Dazu gehöre auch, das Leben in den Städten zu verbessern und sicherer zu machen, denn dorthin werde es die Menschen ziehen, die vor den Naturkatastrophen flüchteten.

mbe/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 161 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
M. Michaelis 19.06.2013
Das Problem ist nicht der Klimawandel sondern strukturelle Überbevölkerung, keine funktionierende Ökonomie und Tribalstrukturen. Eine solche Ausgangslage braucht keinen Klimawandel um Elend zu produzieren. Natürlich ist dass auch keine gute Ausgangslage für jedweden äusseren Wandel.
2. man sollte endlich mal umdenken....
petrasha 19.06.2013
die preise werden durch die finanzmärkte nach oben getrieben. mais wird für benzin angebaut. muss man sich bei solchen auswüchsen noch wundern?
3. Logisch nicht plausibel
johnnybongounddie5goblins 19.06.2013
Zitat von sysopLeergefischte Gewässer, ausgelaugte Böden, Mangel an Wasser: Arme Länder werden schon heute regelmäßig von Hungersnöten heimgesucht. Jetzt warnt die Weltbank davor, dass der Klimawandel die Lage dramatisch verschärfen wird - und ruft zur Vorbereitung auf Notlagen auf. Klimawandel: Weltbank warnt vor Ernährungskatastrophen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/klimawandel-weltbank-warnt-vor-ernaehrungskatastrophen-a-906701.html)
Dieser Text impliziert, dass es mal eine Zeit ohne Klimawandel gab. Die gab es nie, das Klima hat sich schon immer gewandelt. Darum macht der Bericht keinen Sinn. Die grösste Gefahr für die Nahrungsmittel-Versorgung ist die Ablehnung der Gentechnik für Pflanzen.
4. Könnte, hätte, vorausgesetzt + 4 Grad, CO2
spiegkom 19.06.2013
Könnte, hätte, vorausgesetzt + 4 Grad, CO2. Das sagt alles über die Qualität der Weltbank-Aussagen: Kaffeesatz-Leserei. Veraltet. Und ohne Schellnhuber gehts natürlich nicht. Zum Totlachen. Es ist mir schleierhaft, warum dem SPON dieses Spiel nicht auffällt.
5. vielleicht sollte man
peterderkleine 19.06.2013
die stillgelegten Flaechen in der EU bebauen? Quoten eventuell wieder streichen? Dann kann man das ganze zeug auf dem weltmarkt anbieten. Uebrigens hat der Monsun schon in Indien begonnen, ca. 3 Wochen frueher mit katastrophalen Folgen
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Natur
RSS
alles zum Thema Umweltschutz
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 161 Kommentare

Fotostrecke
Wasser: Die nur scheinbar unerschöpfliche Ressource
Fotostrecke
Weltbevölkerung: Wie sieben Milliarden Menschen satt werden