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Mysteriöses Geräusch in Berlin: Was wurde eigentlich aus dem Knall vom Wedding?

Schlossstrasse, Berlin: Wo isser hin, der Knall? Zur Großansicht
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Schlossstrasse, Berlin: Wo isser hin, der Knall?

Immer wieder reißt ein Knall viele Berliner aus dem Schlaf. Zuletzt löste das Phänomen Mitte Dezember einen Großeinsatz der Feuerwehr aus. Die Ursache? Gute Frage!

Die Recherche-Serie
Über viele Nachrichten und Menschen wird eine Zeit lang sehr ausführlich berichtet - dann verschwinden sie wieder aus den Schlagzeilen. Wie entwickeln sich die Themen weiter, was wurde aus den Personen? Das erklären wir in dieser Serie.
Alle bisherigen Beiträge der Serie finden Sie hier.

Am 18. Dezember ist es wieder passiert. Gegen 1 Uhr meldeten mehrere Anwohner der Schlossstraße in Berlin-Steglitz eine heftige Explosion. Der mächtige Knall ließ offenbar sogar die Scheiben wackeln. Die Feuerwehr rückte an, konnte aber keinen Grund für das laute Geräusch ausmachen. Niemand wurde verletzt, ein Sachschaden entstand nicht.

Schon länger geht das nun schon so in der Hauptstadt: Immer wieder nachts, zwischen 23 Uhr und 1 Uhr morgens, schreckt ein extrem lauter Knall die Anwohner aus dem Schlaf.

Ob im Wedding, Steglitz oder Pankow: Die Menschen rätseln über den Grund für den Lärm. Behörden wurden befragt, die Berliner Verkehrsbetriebe prüften ihre Strecken, selbst ernannte Lärmjäger machten sich an die Arbeit. Verärgerte Anwohner hängten Plakate an Bäume und Laternenpfähle rund um den Andreas-Hofer-Platz: "Wir bitten um Mithilfe." Man vermute einen Einzeltäter hinter dem nächtlichen Lärm, wahrscheinlich zündle dieser mit Feuerwerkskörpern. Hinweise seien bei der nächsten Polizeidienststelle abzugeben.

Knalljagd vom Weddinger Balkon

Anfang April wurde der Knall im Wedding richtig berühmt. "Unsere Gäste berichteten von einem sehr lauten Knall", beschrieb eine Hotel-Mitarbeiterin das Phänomen. Er sei laut wie ein riesiger Feuerwerkskörper - fast so, "als sprenge jemand eine Telefonzelle in die Luft". Der Knall tauche unregelmäßig auf, das aber seit Jahren.

Nachfragen bei Berliner Behörden blieben ergebnislos. Zuständig seien die Umweltämter, denn das Geräusch ist eine Lärmbelästigung. "Wir wissen nicht, woher der Knall kommt", teilte das Bezirksamt Mitte mit. Auch die Mitarbeiter im Nachbarbezirk Pankow konnten sich den Krach nicht erklären. "Lärmanzeigen zu dieser Thematik gibt es nicht", teilte Umweltstadtrat Torsten Kühne mit. Es lägen außerdem keine Erkenntnisse vor, dass die Lärmquelle in Pankow liege.

  Nachts im Wedding: Wann wird es das nächste Mal knallen?  Zur Großansicht
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Nachts im Wedding: Wann wird es das nächste Mal knallen?

Als sich dann die "Bild"-Zeitung einschaltete, hoffte so mancher auf eine Lösung des Rätsels. Ein Reporter postierte eine sogenannte akustische Kamera samt Ingenieur auf einem Weddinger Balkon. Tatsächlich zeichnete die Kamera ein Geräusch auf. Doch außer der Aufnahme, auf der ein sattes "Plopp" zu hören ist, brachte die Aktion keine neuen Erkenntnisse. Währenddessen meldeten sich auch Wissenschaftler zu Wort.

"Um eine Schallquelle zu orten, sind mehrere im Raum verteilte Mikrofone nötig", sagte Johannes Wendeberg vom Institut für Informatik an der Universität Freiburg SPIEGEL ONLINE. "Aus dem Zeitunterschied, mit dem das Signal jeweils bei ihnen ankommt, lässt sich dann die Richtung und gegebenenfalls auch die Position berechnen." Time Differences of Arrival, kurz TDoA, heißt das Prinzip, das bei der sogenannten Multilateration angewendet wird.

Schon auf Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs wurde das Verfahren eingesetzt, dabei ging es um große Geschütze. Das US-Militär verwendet weiterentwickelte Systeme heute gegen Heckenschützen.

Was ist das richtige Signal?

Schallwellen sind in der Luft vergleichsweise langsam unterwegs. Abhängig von der Temperatur liegt die Schallgeschwindigkeit bei etwa 343 Metern pro Sekunde. Um einen Meter zurückzulegen, braucht der Schall rund drei Millisekunden. Wenn zwei Mikrofone also einen Meter auseinanderstehen, dann registrieren sie ein und dasselbe Signal - je nach Herkunft - mit bis zu drei Millisekunden Verzögerung.

"Diese Zeitunterschiede kann man gut messen", sagt Wendeberg. "Manche Musiker können sie sogar hören." Wer also ungefähr weiß, woher ein Signal - in diesem Fall der Knall - kommen könnte, muss in der Nähe drei Mikrofone aufstellen. Außerdem ist eine genaue Uhr nötig, mit der die Aufnahmen synchronisiert werden. Dann lässt sich der Unterschied in der Signallaufzeit berechnen.

Auf diese Weise ließe sich der rätselhafte Lärm im Wedding aufzeichnen, erklärte Wendeberg. Theoretisch jedenfalls: Störquellen machen die Messungen ungenau. Besonders tückisch in bebauter Umgebung sind Echos. "Da muss man erst herausfinden, welches das richtige Signal ist."

Und so bleibt der Knall vom Wedding weiter rätselhaft. Unzählige Theorien sind im Umlauf, mal mehr, mal weniger plausibel. Hier die schönsten Vorschläge:

  • Nächtliche Schießübungen der Polizei?
  • Vielleicht doch die Bahn? Schließlich ist es sehr laut, wenn einzelne Waggons über gebrochene oder kaputte Gleise rattern. Eine Sprecherin der Berliner Verkehrsgesellschaft sagte allerdings der "Bild"-Zeitung: "Wir haben es geprüft, wir sind es nicht!"
  • Ein irrer Bastler? Immer wieder berichten Anwohner, dass sie Blitze und Rauchringe nach dem Knall gesehen haben wollen. Das würde dafür sprechen, dass hier vielleicht jemand selbst gebastelte Knallkörper testet.
  • Geheime Technopartys? Bekannte Locations in der Stadt sind ja schon länger nicht mehr, was sie einmal waren. Aber warum dann nur ein Knall?
  • Kriminelle auf dem Weg zur Bank? Die Idee, dass sich Gangster einen unterirdischen Gang freisprengen, liegt nah. Allerdings ist es schwer vorstellbar, dass Verbrecher dabei derart auffällig vorgehen. Die Tunnelgangster von Steglitz bahnten sich jedenfalls nahezu unbemerkt ihren Weg in die Bank.

Womöglich kommt das Geräusch doch aus dem Untergrund. Benjamin Vonrhein vom Berliner Unternehmen Gfai Tech, der im Wedding mit der Akustischen Kamera Tests gemacht hat, war sich nach der Lektüre von Zeugenaussagen ohnehin nicht mehr sicher, ob es den einen Knall tatsächlich gibt. "Womöglich hören unterschiedliche Leute auch unterschiedliche Sachen."

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Die Serie "Was wurde aus...?" spürt Themen und Menschen nach, die einst die Schlagzeilen beherrschten, dann aber aus dem Blickfeld verschwanden. Wir recherchieren, wie sich die Ereignisse fortentwickelt haben, und erzählen die Geschichte weiter. Jetzt können Sie mitentscheiden, welche Themen wir auswählen: Schicken Sie bitte Ihren Themenvorschlag an
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Außerdem in dieser Serie erschienen: Schwuler NFL-Footballer Michael Sam, Waldsterben, Knall vom Wedding, Gefangenenlager Guantanamo, Flug MH370, Bayerische Amigos, BSE, Rossis Wunderreaktor, Gaddafi-Clan, Ungarns Mediengesetz, Anton Schlecker, Fukushima und die Kernenergie, Biosprit E10, Abu Ghraib, #Aufschrei, Deutschlands Solarindustrie, Lehman Brothers, Sarah Palin, Dubai nach dem Crash, Winnenden nach dem Amoklauf, Kassiererin Emmely, Die Piraten von Somalia, Die Opfer des Boston-Marathons, die Schweizer Volksabstimmung gegen "Masseneinwanderung", Felix Baumgartner, Stiftung Warentest gegen Ritter Sport, Andrea Ypsilanti, Stefan Mappus, Annette Schavan, Die Piratenpartei, Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, Mahmud Ahmadinedschad, Bischof Tebartz-van Elst, Dominique Strauss-Kahn, Der Pferdefleischskandal

Am 18. Dezember ist es wieder passiert. Gegen 1 Uhr meldeten mehrere Anwohner der Schlossstraße in Berlin-Steglitz eine heftige Explosion. Der mächtige Knall ließ offenbar sogar Scheiben wackeln. Die Feuerwehr rückte an, konnte aber keinen Grund für das laute Geräusch ausmachen. Ein Sachschaden entstand nicht, verletzt wurde niemand.

nik

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insgesamt 56 Beiträge
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1. Warum kommt keiner auf die Idee
multimusicman 31.12.2014
mal einen Überschall-Knall in Betracht zu ziehen..... vielleicht testet die Bundeswehr ja ihr noch flugfähiges Material auf Highspeed :)
2. Die Antwort lautet...
seppiverseckelt 31.12.2014
..."Synchronizität"! Daß im Wedding überdurchschnittlich viel leben die einen Knall haben, wird als bekannt vorausgesetzt- aber wenn sich derselbe dann Synchron löst, dann wird daraus ein Drama gemacht- Weshalb eigentlich ? ^^ ^^
3.
horst-normalo 31.12.2014
Auch in Duisburg im Stadtteil Walsum gjbt es seit längerem so einen mysteriösen Knall. Ebenfalls in unregelmäßigen Abständen und zur Nachtzeit knallt es sehr laut. Auch hier hört es sich wie ein lauter Feuerwerkskörper an. Es schaltete sich der Bezirksbürgermeister ein und in der Zeitung wurde berichtet. Genutzt hat alles nichts. Es knallt weiter, ohne dass jemand genaueres weiß.
4. Ist da immer noch ...
Loddarithmus 31.12.2014
... jemand im Untergrund auf der Suche nach dem Westen?
5. Arme Stadt
ego66 31.12.2014
Kein Geld für 3 Mikrofone samt PC dran? Dafür endloses Geschwafel in den Amtsstuben. Ich möchte nicht wissen, was das schon gekostet hat.
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