Berühmter Zoo-Eisbär Knut litt an einer Autoimmunkrankheit

2011 ertrank Eisbär Knut nach einem epileptischen Anfall. Er hatte eine Hirnentzündung. Nun haben Forscher die Ursache gefunden. Der Bär litt an einer Krankheit, die man bisher nur vom Menschen kannte.

Zoologischer Garten Berlin

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Riesige Knopfaugen, kuschelig weißes Fell - und dann wurde er auch noch von der Mutter verstoßen: Eisbär Knut eroberte nach seiner Geburt im Dezember 2006 im Sturm die Herzen vieler Menschen und wurde zur eigenen Marke. Umso größer war die Trauer, als der Eisbär gut vier Jahre später bei einem epileptischen Anfall in den Wassergraben seines Geheges stürzte und ertrank.

Nach der Autopsie war schnell klar: Der Bär hatte eine Hirnentzündung. Allerdings fanden die Forscher weder Viren oder Bakterien im Gewebe. Daher blieb unklar, was die Entzündung ausgelöst hatte. Nun haben Forscher das Rätsel gelöst: Demnach hat Knuts Immunsystem die Zellen in seinem Gehirn angegriffen, berichten sie im Fachmagazin "Scientific Reports".

Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis heißt die Krankheit, bei der das Immunsystem Antikörper gegen den Rezeptor NMDA in den Zellmembranen der Nervenzellen bildet. "Das Abwehrsystem des Körpers schießt gewissermaßen über das eigene Ziel hinaus", erklärt Harald Prüß vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Berlin.

Lern- und Gedächtnisstörungen sind die Folge, außerdem epileptische Anfälle, wie auch Knut sie hatte, sowie Halluzinationen und Demenz. Bislang war die Krankheit allerdings nur beim Menschen bekannt - und auch das erst seit dem Jahr 2007.

Antikörper im Hirn entdeckt

Prüß ist einer der Forscher, die sich seither mit ihr beschäftigen. Knuts Autopsiebericht mit der Diagnose Hirnentzündung ohne Erregernachweis, ließ ihn hellhörig werden. An der Charité in Berlin, wo er ebenfalls arbeitet, hatte zuvor eine Studie am Menschen gezeigt, dass zahlreiche ungeklärte Fälle von Hirnentzündungen auf die neu entdeckte Krankheit zurückgehen. "86 Prozent der Fälle aus fünf Jahren konnten wir so aufklären", sagt Prüß.

Diese Ergebnisse hätten sich ihm als jungem Wissenschaftler so eingebrannt, dass ihm bei der Lektüre von Knuts Autopsiebericht schon fast klar gewesen sei: "Das muss eine autoimmune Hirnentzündung sein", sagt der Forscher.

Im Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) lagern bis heute Gewebeproben aus dem Gehirn des Eisbären. Gemeinsam mit Alex Greenwood vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung, der Knuts erste Autopsie vorgenommen hatte, entdeckte Prüß in dem Gewebe Antikörper gegen den NMDA-Rezeptor der Hirnzellen.

Fortschritt für Mensch und Tier

Die Forscher hoffen nun, die Erkenntnisse und Aufmerksamkeit nutzen zu können, um die Behandlung und Diagnose von Menschen und Tieren mit Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis zu verbessern. Weil die Krankheit zum Teil noch immer unbekannt sei, würden viele Patienten in die Psychiatrie eingewiesen, erläuterte Prüß. Dabei seien sie gut mit einer Blutwäsche oder Medikamenten behandelbar.

"Durch Knut ist jetzt ein gewisser Bekanntheitsgrad zu erwarten, der für solche Patienten hoffen lässt", so Prüß. Auch einige Tiere können nun möglicherweise gezielter behandelt werden: In Zoos leiden immer wieder Tiere an einer Hirnentzündung. "Ein Drittel der Fälle sind unaufgeklärt", sagt Greenwood. "Knut hat Pech gehabt, weil er ins Wasser gefallen ist. Aber es gibt Medikamente, mit denen man Tiere behandeln kann."

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Mit Material von dpa

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insgesamt 12 Beiträge
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spon-facebook-10000427527 27.08.2015
1. Wie der Mensch, so dass (Zoo-)Tier
In der "unberührten Natur kommt so etwas nicht vor...und wenn, dann greift die Selektion. Zootiere ernähren sich von den gleichen Lebensmitteln, wie Menschen. Also kein Wunder, dass diese auch die Krankheiten bekommen, an denen Menschen heutzutage immer öfter leiden ! Und auch hier sind es wieder Politiker, die Glykosat ff. verharmlosen und genehmigen....
kunibertus 27.08.2015
2. Optional
Kann es evtl. sein, dass die Mutter instinktiv gespürt hat, dass mit Knut etwas nicht in Ordnung ist. Immerhin hat sie ihn ja nicht angenommen, und deswegen musste er in menschliche Pflege genommen werden.
hubertrudnick1 27.08.2015
3. Tiere
Tiere gehören nicht zur Schau gestellt, sie erleiden wie Menschen auch in der Gefangenheit die schlimmsten Qualen, wie wäre es, wenn man die Zoobesucher mal hinter Gittern einsperren würde und die Tiere begaffen sie dann?
The Restless 27.08.2015
4.
"86 Prozent der Fälle aus fünf Jahren konnten wir so aufklären" Obwohl also zahlreiche Menschen daran erkrankten, erregte es keine Aufmerksamkeit. Erst nachdem ein putziger Bär daran stirbt, wird die Krankheit interessant ...
MannAusmNorden 27.08.2015
5. Evolution... nothing else
Es mag sich zwar hart anhören, aber: Die Eisbärenmutter hat ihr Kind nicht umsonst verstoßen. Ich denke, die Tiere haben da ein gewisses "Gespür". Vielleicht riecht so ein Eisbärbaby, wenn es so eine Krankheit hat, etwas anders. Oder es bewegt sich nicht so schnell. Klare Sache: in der Natur wäre so ein Eisbärbaby wohl noch im ersten Sommer auf natürliche Weise gestorben. Daher hat die Mutter es schon vorher verstoßen, um nicht in der Fütterungsphase im Winter ihre Reserven an ein nicht überlebensfähiges Kind abzugeben. (Zur Info: Eisbärmamas stillen während des Winterschlafs, sobald der Sommer kommt sind die kleinen dann groß genug um mitzulaufen). Trotzdem natürlich schade, dass es einen solchen "Knuddelbären" wie Knut erwischt hat.
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