Tierische Klimaanlage Koalas umarmen Bäume zur Kühlung

Koalas haben eine besondere Methode zur Kühlung gefunden: Sie umarmen Bäume. In der Umklammerung werden sie in der Hitze Australiens seltener durstig.

KHandasyde

Über das Wetter jammern geht immer. Im Herbst ist es zu regnerisch, im Winter zu kalt, im Frühjahr zu wechselhaft und im Sommer? Na klar: zu heiß! Also Kleidung weg, Sonnenschirm raus oder ab an den See. Auch Tiere haben Strategien entwickelt, extremen Temperaturen standzuhalten - teilweise zur Erheiterung des Menschen.

Hunde etwa kann man im Sommer beobachten, wie sie mit allen Vieren von sich gestreckt versuchen, einen möglichst großen Teil ihres Körpers auf kalte Fliesen zu betten. Bei Koalas haben Forscher nun erstmals eine ähnliche Kühltechnik identifiziert: Die Beutelbären umarmen Bäume, um sich abzukühlen, berichten Natalie Briscoe von der University of Melbourne im Fachmagazin "Biology Letters". Auf diese Weise geben die Tiere Wärme ab, ohne Wasser zu verlieren. Das bewahrt sie vorm Austrocknen.

Schmeckt nicht, kühlt aber

Im australischen Winter 2009 und im Sommer von 2010 und 2011 beobachteten Briscoe und Kollegen 130 Koalas im Südosten Australiens. Unter anderem erfassten sie die Körperhaltung und die Position der Tiere im Baum je nach Wetterlage. Zudem zeichneten die Wissenschaftler die Temperaturen der Luft und der Baumstämme in drei Eukalyptusbaumarten und der Schwarzholz-Akazie auf.

Stieg die Lufttemperatur, lehnten die Koalas vermehrt mit allen Vieren von sich gestreckt relativ weit unten in den Bäumen gegen dicke Stämme. Außerdem fiel auf, dass sich bei milden Temperaturen im Schnitt nur 5 von 100 Koalas auf der Schwarzholz-Akazie niederließen. Bei Hitze waren es 29 von 100 - also deutlich mehr Tiere, die auf einen Baum flüchteten, dessen Blätter ihnen nicht schmecken.

Die Temperaturen der Baumstämme zeigen, dass die Position der Tiere kein Zufall war: Die dicken Stämme im unteren Teil der Bäume sind laut Studie am kühlsten. Besonders große Erfrischung bietet die zu Hitzezeiten beliebte Schwarzholz-Akazie, deren Hauptstamm bis zu fünf Grad Celsius kühler war als die Luft. Bei den Eukalyptusbäumen lag der Temperaturunterschied zwischen Luft und Baumstamm im schlechtesten Fall bei unter zwei Grad.

Umarmen, um zu überleben

Das Bäumeumarmen ist so effektiv, dass es die Hitzemenge, die Koalas sonst abhecheln müssen, mehr als halbieren kann. Ein 11,3 Kilo schwerer Koala, der bei 35 Grad Celsius und nahezu Windstille (0,36 Kilometer pro Stunde) im Schatten sitze, müsse eine Wärmeleistung von 10,33 Watt abgeben, um seine Körpertemperatur zu halten, schreiben die Forscher. Das Umarmen der Bäume aber trage zu 68 Prozent (gut sieben Watt) zur Abkühlung bei - Wärme, die die Tiere ohne Wasserverlust abgeben können.

Denn so unterhaltsam die Kühlmethode scheinen mag, für die Koalas ist das Bäumeumarmen reine Überlebensstrategie. In freier Wildbahn trinken sie kaum und haben in Trockenzeiten teils keinen Zugang zu Wasser. "Viele an Land lebende Tiere wandern in Hitzezeiten in kühlere Regionen ab", schreiben die Forscher. "Tiere, die auf Bäumen leben, haben diese Möglichkeit nicht ohne Weiteres." Daher erhöhe das Umarmen der Bäume die Überlebenschancen in Trockenzeiten.

Koalas gehören zu den Tieren, die laut einem Uno-Bericht von 2009 durch die globale Erwärmung mit am stärksten bedroht sind. Durch das Klima in ihrer australischen Heimat leiden häufig Eukalyptusbäume. Die Blätter haben weniger Nährstoffe. Briscoe und Kollegen gehen davon aus, dass kühle Baumstämme im Zuge des Klimawandels zunehmend wichtige Lebensräume werden - auch für andere Lebewesen wie Affen, Leoparden oder Vögel.

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jme



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