Königspinguine mit Bauch Dicke Vögel stolpern schneller

Königspinguine haben keine Wahl, ein Bauch muss sein, sie brauchen die Fettreserven für lange Hungerphasen. Dumm nur, dass der Wanst die Vögel leicht ins Straucheln bringt.

AP / Robert E. Klein / Norwegian Coastal Voyage

Mal eine Prognose vorab: Wenn am 22. September dieses Jahres im Sanders Theatre der Harvard University die diesjährigen Ig-Nobelpreise verliehen werden, hat diese Forschungsarbeit wohl keine schlechten Chancen. Mit der Auszeichnung werden traditionell, sagen wir, abwegig erscheinende Forschungsarbeiten geehrt. Und dazu könnte eben auch der Fachaufsatz zur Frage zählen, ob ein üppiger Bauch Königspinguine leichter straucheln lässt.

Spoiler vorab: Ja, das tut er.

Aber eins nach dem anderen: Königspinguine gehören zu den Tierarten, die sich gewaltige Fettreserven anfressen und anschließend über lange Phasen hungern können. Ihr Gewicht schwankt dadurch extrem. Unter Wasser bewegen sich die knapp einen Meter großen Vögel genauso rasant wie elegant - ihr Watschelgang an Land hingegen wirkt unbeholfen. Außerdem ist er ineffizient und kostet viel Energie, wie Untersuchungen zeigten.

Forscher um Astrid Willener von der University of Roehampton in London haben nun zehn Pinguine an Land beobachtet. Sie stellten die Vögel aufs Laufband, wie sie im Fachmagazin "Plos One" berichten. Dabei zeigte sich: Die biomechanischen Merkmale des Gangs blieben zwar unabhängig vom Gewicht erhalten. Wegen des Zusatzgewichts am Bauch fallen dicke Vögel aber bei jedem Schritt regelrecht nach vorn - und sind insgesamt wackeliger auf den Beinen als schlanke Artgenossen.

Gemächliche 1,4 Kilometer pro Stunde

Königspinguine brüten auf subantarktischen Inseln meist in Küstennähe, mitunter - wie auf den Crozetinseln - aber auch mehr als einen Kilometer vom Strand entfernt. Während eines Jagdausflugs verschlingen die Vögel etliche Kilogramm Fisch und futtern sich auf diese Weise viel Fett vor allem am Bauch an. Außerdem haben sie Futter im Magen, wenn sie ihren Partner bei Brut oder Kükenpflege ablösen. Während der anschließenden, bis zu einem Monat dauernden Fastenzeit können sie dann ein Viertel ihres Gewichts verlieren.

Die Forscher hatten für ihre Studie sichtlich wohlgenährte Pinguine der Kolonie Baie du Marin auf der Possession-Insel des Crozet-Archipels eingefangen. Die zehn ausgewählten Männchen brachten alle mehr als zwölf Kilogramm auf die Waage. Nach einem ersten Marsch übers Laufband mussten die Tiere, in kleinen Boxen untergebracht, 14 Tage lang hungern. Während dieser Zeit sank ihr Gewicht im Mittel von 13 auf 11 Kilogramm.

Dann folgten weitere Testläufe. Das Band war dabei jeweils auf eine Geschwindigkeit von 1,4 Kilometer pro Stunde eingestellt. Dies sei für die Pinguine innerhalb der Kolonie ein übliches Tempo, erläutern die Wissenschaftler. Über am Gefieder festgeklebte Sensoren wurden zehn Minuten lang die Bewegungen dreidimensional - nach oben/unten, vorn/hinten, rechts/links - erfasst.

Unterschiede bei der Schrittfrequenz abhängig vom Gewicht habe es - anders als beim Menschen - nicht gegeben, berichten die Forscher. Im Mittel lehnten sich die Tiere beim Gehen auch nicht weiter nach vorn und hinten oder zu den Seiten. Die Varianz der Bewegungen allerdings sei bei dickeren Tieren größer gewesen.

Wahrscheinlich sei ihre Haltung wegen des Richtung Bauch verlagerten Körperschwerpunkts weniger stabil, was zu größeren Ausgleichsbewegungen führe, vermuten die Wissenschaftler. Eine größere Masse und deren Bewegungen seien zudem schlichtweg schwerer zu kontrollieren. Beobachtungen zeigten, dass dicke Pinguine tatsächlich öfter umfallen als dünne.

Beim Menschen sei es so, dass Übergewichtige langsamer und mit kleineren Schritten liefen, schreiben die Forscher. Schwangere wiederum passten sich mit einem breitbeinigeren Gang und kürzeren Schrittlängen an ihren neuen Körperumfang an. Bei Tieren aber sei bisher noch nicht untersucht, wie sich ihre Bewegung abhängig vom Gewicht verändert. Mit den Pinguinen sei nun ein erster - diese Formulierung sei erlaubt - Schritt gemacht, dies zu ändern.

Im Video: Pinguine und ein tückisches Bootsseil (2014)

chs/dpa



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