Südpolarmeer Größte Kolonie von Königspinguinen schrumpft dramatisch

Auf einer Insel im Südpolarmeer brüteten vor 30 Jahren eine Million Pinguine. Seitdem ist die Population um 88 Prozent zurückgegangen. Forscher rätseln, wie es dazu kommen konnte.

So sah die Kolonie noch 1982 aus
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So sah die Kolonie noch 1982 aus


Brüteten in den Achtzigerjahren noch etwa 500.000 Pinguin-Paare auf einer Insel im Südpolarmeer, sind es heute nur noch etwa 60.000 Paare. Die einst größte Kolonie von Königspinguinen ist in den vergangenen 30 Jahren um 88 Prozent geschrumpft, berichtet ein internationales Forscherteam im Fachblatt "Antarctic Science". Die Gründe für den Rückgang seien unklar.

Königspinguine (Aptenodytes patagonicus) brüten auf den subantarktischen Inseln. Auf der zu den Crozetinseln gehörenden Île aux Cochons - der Schweine-Insel - entdeckten Wissenschaftler 1962 eine Kolonie von damals etwa 300.000 Brutpaaren. In den Achtzigerjahren legten Auswertungen von Satellitenbildern nahe, dass dort etwa 500.000 Pinguin-Paare lebten. Die Brutkolonie galt als die größte der Königspinguine und die zweitgrößte Pinguinkolonie der Welt.

Die Forscher um Henri Weimerskirch von der Université de la Rochelle in Frankreich haben die Entwicklung der Kolonie mit Hilfe von Satelliten- und Luftbildern untersucht, die zwischen den Jahren 1988 und 2017 aufgenommen worden waren. "Wenn sich die Königspinguine auf dem Boden niederlassen, verschwindet die Vegetation. Um die Kolonie bleibt die Vegetation hingegen erhalten. Es ist also ziemlich einfach zu sehen, wie viel Platz die Kolonie besetzt", sagte Weimerskirch.

"Massiv und unerwartet"

Die Forscher stellten fest, dass die Kolonie in den vergangenen 30 Jahren "massiv und unerwartet" um 88 Prozent geschrumpft ist. "Die Pinguine des gesamten Archipels hatten große Schwierigkeiten, sich zu ernähren, das hat einen allgemeinen Rückgang verursacht. Während sich die anderen Kolonien der Königspinguine seitdem erholt haben, ist die der Île aux Cochons immer schwächer geworden."

Forscher warnen seit Längerem, die Erwärmung der Meere bedrohe Königspinguine. Die Veränderung gehe viel zu schnell. Fische und Kraken ziehen sich demnach wegen der Meereserwärmung Richtung Antarktis zurück. Zusätzlich verknappt die industrielle Fischerei im südlichen Ozean das Nahrungsangebot. Die Nahrungssuche der Pinguin-Eltern könnte deshalb in absehbarer Zeit so lange dauern, dass der Nachwuchs in der Zwischenzeit verhungert

In ihrer Studie betrachteten die Forscher mehrere mögliche Gründe für den Rückgang - von eingeschleppten Mäusen und Katzen, die die Küken fressen, über Krankheiten bis zu veränderten Umweltbedingungen im Zusammenhang mit dem Klimaphänomen El Niño. "Alle diese Hypothesen sind unzureichend, um zu erklären, warum es zu einem Rückgang dieses Umfanges kommt", sagte Weimerskirch zu "Le Figaro". Die Forscher wollen nun vor Ort untersuchen, wie es zu dem dramatischen Rückgang kommen konnte.

koe/dpa



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