Kohlendioxid: Algen sollen Treibhausgas im Meer versenken

Erst wird das Meer gedüngt - dann kommt eine Planktonblüte, die große Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid verbraucht. Falls das Experiment deutscher Meeresforscher in der Südsee gelingt, bestünde ein einfacher Weg, um Kohlendioxid in der Atmosphäre abzubauen.

Planktonalgen nach Eisendüngung: Mehr Wachstum bedeutet mehr Kohlendioxidverbrauch
AWI

Planktonalgen nach Eisendüngung: Mehr Wachstum bedeutet mehr Kohlendioxidverbrauch

Am vergangenen Mittwoch stach das deutsche Forschungsschiff "Polarstern" zu einem spektakulären Eisendüngungsexperiment von Kapstadt aus in südliche Gewässer. Die Meeresforscher des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung Bremerhaven wollen auf einer Fläche von 150 bis 200 Quadratkilometern Eisensulfatlösung ins Meer kippen, um das Wachstum pflanzlicher Algen anzuregen.

Schon im Jahr 2000 hatten sie mit einer Eisensulfat-Düngung im Südozean eine örtlich begrenzte Planktonblüte ausgelöst. Während des Wachstums verbraucht pflanzliches Plankton Kohlendioxid, das im Meerwasser gelöst ist. Das dadurch entstandene Defizit an Kohlendioxid im Ozean wird durch Aufnahme aus der Luft wieder ausgeglichen.

Unklar ist jedoch, ob die provozierte Algenblüte tatsächlich die Kohlendioxidkonzentration senkt. Falls die pflanzlichen Algen nämlich anschließend von tierischem Plankton verspeist werden, das wiederum ein beliebtes Futter für andere Tiere darstellt, dann würde sich nur der Gesamtumschlag erhöhen, nicht jedoch die Konzentration des Treibhausgases.

Forschungsschiff "Polarstern": Mit Eisensulfat die Südsee düngen
DPA

Forschungsschiff "Polarstern": Mit Eisensulfat die Südsee düngen

Stirbt jedoch das neu gebildete Pflanzenplankton ab und sackt auf Nimmerwiedersehen auf den Ozeangrund, dann käme dies einer Versenkung des Treibhausgases im Meer gleich. Die "Polarstern" war bei ihren bisherigen Experimenten aber nicht lange genug vor Ort, um zu beobachten, ob dies wirklich passiert.

Das soll sich bei der nun gestarteten Fahrt ändern. "Zehn Wochen müssten genügen, um zu beobachten, was mit den Algen und dem von ihnen aufgenommenen Kohlenstoff weiter geschieht", sagte der Meeresforscher Victor Smetacek.

Das Experiment wird im offenen Ozean bei etwa 50 Grad südlicher Breite durchgeführt. Einen geeigneten stabilen Wasserwirbel suchen Wissenschaftler am Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut derzeit anhand von Satellitenaufnahmen der Ozeanoberfläche. Die "Polarstern" wird das Eisensulfat in der Mitte dieses etwa 100 Kilometer breiten Wirbels ausbringen.

Vom Helikopter aus wollen die Wissenschaftler mit Hilfe eines Laser-Messsystems das großflächige Algenwachstum beobachten. Die Daten könnten auch wichtige Einblicke in die Lebenswelt des Planktons liefern, das den Anfang der Nahrungskette im Meer darstellt.

Algenplankton ist für die Hälfte der weltweiten Photosynthese-Aktivitäten verantwortlich. Manche Forscher glauben, dass die Erhöhung des Planktonumsatzes ein viel versprechender Weg ist, um die Kohlendioxid-Konzentration in der Luft zu verringern.

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