Trotz Atomausstieg: Kohlendioxid-Ausstoß in Deutschland geht zurück

Trotz Atomausstieg und starker Konjunktur: Industrie und Energieversorger in Deutschland haben 2011 weniger Kohlendioxid ausgestoßen als im Vorjahr - und blieben unter der erlaubten Grenze.

RWE-Kohlekraftwerk Niederaußem: "Emissionshandel lässt Spielraum" Zur Großansicht
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RWE-Kohlekraftwerk Niederaußem: "Emissionshandel lässt Spielraum"

Berlin - Erfreuliche Meldungen im Bereich Klimaschutz sind selten, die Emissionshandelsstelle beim Umweltbundesamt (UBA) hatte am Montag eine solche: Nach Angaben der Experten aus Dessau ist der Kohlendioxid-Ausstoß der deutschen Industrieanlagen im vergangenen Jahr trotz des vergleichsweise hohen Wachstums gesunken. Die Menge in den vom Emissionshandel erfassten Bereichen ging um ein Prozent zurück. So konnte auch die in Deutschland starke Wirtschaftstätigkeit offenbar durch bessere Energieeffizienz ausgeglichen werden.

Die 1640 handelspflichtigen Anlagen hätten "trotz sehr starker Konjunktur und Atomausstieg" rund 450 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen und seien damit knapp unter der erlaubten deutschen Obergrenze von 452,8 Millionen Tonnen geblieben.

Damit setze sich der Rückgang seit 2008 fort. UBA-Präsident Jochen Flasbarth wertete das als Zeichen, dass auch der Emissionshandel zur Verbesserung der Lage beigetragen habe. Der Trend belege "den Spielraum für eine mögliche Anpassung des europäischen Klimaziels".

Industrie und Energieversorger bekommen im Zuge des EU-Handels mit Verschmutzungsrechten einen bestimmten Anteil von Rechten zugeteilt. Produzieren sie weniger oder umweltfreundlicher, können sie überschüssige Rechte an der Börse verkaufen. Umgekehrt müssen Betriebe, die ihr Budget ausgeschöpft haben, zukaufen. Der Preis pro Tonne CO2 war zuletzt auf rund sieben Euro zurückgegangen. Auch die Strompreise werden auf diesem Weg von den CO2-Emissionen beeinflusst, da sie in die Tarife mit einfließen.

Löwenanteil der Emissionen entfällt auf Kohlendioxid

Bis 2020 will Deutschland die Treibhausgas-Emissionen im Vergleich zum Jahr 1990 um 40 Prozent vermindern. Knapp zwei Drittel des Weges seien also geschafft - und man könne feststellen, dass von der Klimaschutzpolitik gleichzeitig Impulse für Wirtschaftswachstum, Innovation und Beschäftigung ausgehen würden, sagte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU).

Der größte Teil der deutschen Treibhausgas-Emissionen fällt auf Kohlendioxid (CO2) - es nimmt einen Anteil von 87,4 Prozent ein, wie das Umweltbundesamt mitteilt. Der Ausstoß geht größtenteils auf die Verbrennung fossiler Energieträger zurück. Die Emission anderer Treibhausgase sei dagegen weiter gesunken.

Der Ausstoß von Methan machte laut Bericht 5,1 Prozent der Treibhausgas-Emissionen aus. Das Gas entsteht unter anderem in der Tierhaltung. Knapp sechs Prozent gehen auf Lachgas zurück, das unter anderem in der Landwirtschaft, bei industriellen Prozessen sowie bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe entsteht.

nik/dpa/dapd

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1. Erlaubte Grenzen? DDR 2.0
EEkat 02.04.2012
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINETrotz Atomausstieg und starker Konjunktur: Industrie und Energieversorger in Deutschland haben 2011 weniger Kohlendioxid ausgestoßen als im Vorjahr - und blieben unter der erlaubten Grenze. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,825251,00.html
Wer erlaubt denn sowas? Etwa diejenigen, die an den Bestimmungen des Maastricht-Vertrages vorbei Europa mit unserem Geld fluten? Wann udn durch was wurde dergleichen jemals legalisiert? Sind es diejenigen, die mit staatlichem Auftrag in fremde Länder einfallen, um gegen dortige Gesetze zu verstoßen? Die Macht der Erlaubnis - die Gesetzgebung also - ist in die falschen Hände, unter die Räder geraten. Man ordnet nicht mehr ein gedeihliches Miteinander, unterwirft sich dem Interesse der Allgemeinheit, sondern verfolgt ideologische Ansätze, um das Interesse der Allgemeinheit gleich diktieren zu können.
2. 2010
Gerhard Stenkamp 02.04.2012
stiegen die Gesamtemissionen und CO2-Emissionen. Zitiere: "Trendverlauf unter Beachtung von Änderungen zum Vorjahr des Berichtszeitraumes Gegenüber dem Vorjahr stiegen die Emissionen in allen wirtschaftlichen Sektoren konjunkturbedingt, was andere Einflüsse größtenteils überdeckt. In den Haushalten stiegen die Emissionen gegenüber dem Vorjahr witterungsbedingt ebenfalls wieder an." Quelle: http://cdr.eionet.europa.eu/de/eu/ghgmm/envtw7blw/2012_01_12_NIR_2012_EU-Submission_deutsch.pdf Es kommt ja wohl auf den Gesamtverlauf an! Wie das Ziel erreicht werden soll, den CO2-Ausstoß um 40 Prozent bis 2020 zu senken, leuchtet mir nicht ein! Der Umstieg auf Diesel und Erdgas ist fast ausgereizt und die produzieren auch CO2!
3.
nach.denker 02.04.2012
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINETrotz Atomausstieg und starker Konjunktur: Industrie und Energieversorger in Deutschland haben 2011 weniger Kohlendioxid ausgestoßen als im Vorjahr - und blieben unter der erlaubten Grenze. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,825251,00.html
Meldungen, Daten und die Realität. Trotz Atomausstieg: Kohlendioxid-Ausstoß in Deutschland geht zurück - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/bild-825251-85425.html) Industrie in Deutschland schwächelt weiter (http://www.investor-verlag.de/industrie-in-deutschland-schwaechelt-weiter/113126132/) Einfach mal die Diagramme um 2008/2009 vergleichen mit der Ausssage "trotz starker Konjunktur"... Im Originaldokument (http://cdr.eionet.europa.eu/de/eu/ghgmm/envtw7blw/2012_01_12_NIR_2012_EU-Submission_deutsch.pdf) kann man dann auf Seite 57 lesen, dass die CO2-Emission von 2009 auf 2010 aufgrund der wirtschaftlichen Erholung stieg (und sich damit sauber in die CO2 Abwärtstendenz seit 1990 einreiht). Vieleicht findet ja ein anderer die Aussagen zum Jahr 2011, die ich hier nicht finde. Dass der harte Atomausstieg erst 2012 passiert ist und damit ohnehin nicht erfasst ist, muss ich ja nicht erwähnen.
4. geht ja ganz einfach...
besso 02.04.2012
Zitat von Gerhard Stenkampstiegen die Gesamtemissionen und CO2-Emissionen. Zitiere: "Trendverlauf unter Beachtung von Änderungen zum Vorjahr des Berichtszeitraumes Gegenüber dem Vorjahr stiegen die Emissionen in allen wirtschaftlichen Sektoren konjunkturbedingt, was andere Einflüsse größtenteils überdeckt. In den Haushalten stiegen die Emissionen gegenüber dem Vorjahr witterungsbedingt ebenfalls wieder an." Quelle: http://cdr.eionet.europa.eu/de/eu/ghgmm/envtw7blw/2012_01_12_NIR_2012_EU-Submission_deutsch.pdf Es kommt ja wohl auf den Gesamtverlauf an! Wie das Ziel erreicht werden soll, den CO2-Ausstoß um 40 Prozent bis 2020 zu senken, leuchtet mir nicht ein! Der Umstieg auf Diesel und Erdgas ist fast ausgereizt und die produzieren auch CO2!
die Kohle- und Ölkraftwerke laufen jetz im Ausland für D! Smart, oder?
5. Das Zauberwort heißt: Effizienz!
acusticusneurinom 02.04.2012
Zitat von bessodie Kohle- und Ölkraftwerke laufen jetz im Ausland für D! Smart, oder?
Können Sie lesen? Trotz Atomausstieg: Kohlendioxid-Ausstoß in Deutschland geht zurück: Nach Angaben der Experten aus Dessau ist der Kohlendioxid-Ausstoß der deutschen Industrieanlagen im vergangenen Jahr trotz des vergleichsweise hohen Wachstums gesunken. Die Menge in den vom Emissionshandel erfassten Bereichen ging um ein Prozent zurück. *So konnte auch die in Deutschland starke Wirtschaftstätigkeit offenbar _durch bessere Energieeffizienz_ ausgeglichen werden...* (http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,825251,00.html) Ich weiß, das gefällt den Atomkraftbefürwortern einer ganz bestimmten Generation und einer ganz bestimmten politischen Richtung überhaupt nicht, sie geraten schier in Raserei ob solcher Nachrichten, aber eines ist doch gewiß: Gerade die Betreiber energieintensiver Industrieanlagen sind bemüht, ihre Prozesse so energiesparend wie möglich zu organisieren. Gleich, ob der Strom nun aus Atom-, Kohlekraftwerken oder EE kommt. Was man nicht verbraucht, muß man nicht bezahlen. Auch an das Ausland nicht, weil dafür kein weiteres Kraftwerk dort laufen muß.
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