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Kohlendioxid: Ozeane bald so sauer wie zur Zeit des Dinosauriersterbens

Die Treibhausgas-Emissionen des Menschen machen die Ozeane immer saurer. Neue Untersuchungen haben ergeben, dass sich Ähnliches schon einmal abgespielt hat: zur Zeit des Dinosauriersterbens. Forscher befürchten nun einen erneuten Massentod in den Meeren.

Die kaum gebremsten Kohlendioxid-Emissionen haben nicht nur in der Atmosphäre ihre Folgen, sondern auch in den Meeren. Etwa die Hälfte des CO2, das die Menschen seit Beginn der industriellen Revolution freigesetzt haben, ist in den Weltmeeren gelandet, wie Forscher der britischen Royal Society schon im Sommer 2005 betonten. Ein Teil des Kohlendioxids, das sich in den Ozeanen auflöst, wird dabei zu Kohlensäure - und greift alles an, was Kalk enthält.

Geschädigte Korallen vor Australien: Säuregehalt der Meere steigt dramatisch
AP

Geschädigte Korallen vor Australien: Säuregehalt der Meere steigt dramatisch

Betroffen sind davon vor allem Muscheln und Korallen. Doch nicht nur sie: In den Gewässern um den Südpol etwa bilden sich winzige Schalentiere, die zum Plankton gehören und die Basis der Nahrungskette im Meer darstellen. Deren kalkhaltige Anteile werden ebenfalls unter der Säureattacke zu leiden haben. Der erhöhte Kohlensäuregehalt beeinträchtig auch das Phytoplankton, winzige pflanzliche Organismen, die im Wasser treiben.

Ken Caldeira von der Washingtoner Carnegie Institution hat jetzt in Fossilien nach vergleichbaren Vorgängen in der Erdgeschichte gesucht - und ist fündig geworden. Die Chemie der Ozeane hat sich seinen Daten zufolge vor etwa 65 Millionen Jahren ähnlich dramatisch verändert wie heute - also genau zu der Zeit, als die Dinosaurier ausstarben.

"Die geologische Geschichte zeigt, dass die chemischen Folgen der Versauerung der Ozeane Zehntausende Jahre andauern können", sagte Caldeira. "Aber die biologische Erholung könnte Jahrmillionen in Anspruch nehmen. Die Ozean-Versauerung hat das Potential, viele Arten im Meer auszulöschen."

Gemessen wird der Säuregehalt der Weltmeere über den pH-Wert, der auf einer Skala von 1 bis 14 angegeben wird. Je höher der Wert, desto alkalischer, je niedriger, desto saurer ist eine Substanz. Im Augenblick beträgt der pH-Wert der Oberflächenbereiche der Weltmeere etwa 8,2. Bisherigen Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge könnte er bis 2100 auf 7,7 sinken. Ein so dramatischer Wandel habe in den Ozeanen zuletzt vor 65 Millionen Jahren stattgefunden, erklärt Caldeira. Zwar sei noch ungeklärt, was genau damals den Prozess in Gang gesetzt habe - aber er stehe in direktem Zusammenhang mit dem Ende der Dinosaurier.

Das Muster des damaligen Artensterbens passe zur Versauerung der Ozeane, betonte Caldeira, der seine Ergebnisse am heutigen Montag auf einer Fachtagung von Geologen und Ozeanografen auf Hawaii vorstellen wird. In den fossilen Funden sei ein plötzlicher Rückgang von Arten zu erkennen, die über Kalziumkarbonat-Schalen verfügten und in den oberen Meeresschichten lebten - insbesondere Plankton und Korallen. Zur gleichen Zeit sei die Zahl der Arten mit säurefesten Schalen aus Silikatverbindungen gestiegen.

Vor 55 Millionen Jahren hätten sich die Weltmeere dann ein weiteres Mal am Rand einer Übersäuerungs-Katastrophe befunden, meint Caldeira. Damals sei die globale Durchschnittstemperatur abrupt angestiegen und habe die Freisetzung großer Mengen der Klimagase Methan und Kohlendioxid ausgelöst. Allerdings räumte er ein, dass es keine Hinweise für ein Massensterben zu jener Zeit gibt.

mbe

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